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Arte-Serie "Jordscott":Der Wald will sich rächen

Eva Thörnblad (Moa Gammel) und der Hauptverdächtige: Hat der Wald ihr die Tochter genommen?

(Foto: ZDF/Palladium Film)

Halb Krimi, halb Mysterymärchen, ganz hervorragend: Wie schaffen die Skandinavier nur solche Serien wie "Jordskott", die jetzt auf Arte läuft?

Man wüsste nur allzu gerne wie sie das machen, die Dänen, Schweden und selbst die Isländer, dass sie mit ihren bescheidenen Produktionsbudgets immer wieder Fernsehserien zustande bringen, die um Längen besser sind als das meiste, was hierzulande entsteht. Düstere Krimis scheinen eine Konstante zu sein, verschwundene Kinder und starke Frauenfiguren funktionieren auch immer gut. Die Autoren der schwedischen Serie Jordskott haben all diese Elemente zusammengeschmissen. Und dann muss irgendjemand eine Handvoll Feenstaub draufgeworfen und "Hex, Hex!" gerufen haben.

Die spröde Großstadt-Polizistin Eva Thörnblad (Moa Gammel) kehrt nach dem Tod ihres Vaters zurück in ihren Heimatort Silverhöjd, um dessen Nachlass zu regeln. Sie hatte die Gegend gemieden, seit vor sieben Jahren ihre kleine Tochter Josefin dort verschwand. Aber während Eva in dem viel zu großen Landhaus ihres Vaters logiert - ausgestopfte Tiere, flackernde Glühlampen, knarrende Türen, das volle Grusel-Programm - gehen weitere Kinder verloren. Eva beginnt, zu ermitteln. So weit, so Standard-Krimi.

Auch das Übernatürliche ist eine Option

Dann aber taucht nachts im Wald, der den Ort umgibt, ein Mädchen auf, das an einer mysteriösen Krankheit leidet. Vielleicht ist es Josefin, vielleicht aber nicht einmal mehr ein Mensch. Welcher Mensch steckt seine Finger schon in Blumentöpfe, um sich über Wurzeln zu ernähren, die aus den Fingern sprießen? Man könnte auch sagen: Die Kleine ist auf dem besten Weg zur Topfpflanze.

Jordskott ist halb Krimi, halb Mysterymärchen, irgendwo zwischen The Killing und Twin Peaks, was zunächst so klingen mag, als hätten die Autoren (Henrik Björn, Alexander Kantsjö, Fredrik T. Olsson) selbst ein, zwei Näschen vom Feenstaub genommen.

Tatsächlich funktioniert der Gegensatz aus nüchternem Krimi und der geheimnisvollen Welt der Zauberwesen aber hervorragend. Alle verschwundenen Kinder haben irgendetwas mit der Zellstofffirma zu tun, an der auch Evas Vater beteiligt war und die den wunderschön in Szene gesetzten, dichten Wald um Silverhöjd langsam abholzt (Kamera: Pelle Hallert). Wenn man sich erst einmal darauf eingelassen hat, dass in Jordskott selbst das Unmögliche und das Übernatürliche eine Option ist, dann ist die Frage nach dem Hauptverdächtigen in diesem Krimi leicht beantwortet: Der Wald muss die Kinder genommen haben.

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