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Neue 3sat-Show:"Ich würde natürlich total gern eine Show im Hauptprogramm des ZDF machen. Oder in der ARD."

Trotzdem ist sie keines dieser ganz bekannten Fernsehgesichter, das der Zuschauer irgendwann persönlich zu kennen glaubt, weil er es jeden Tag auf irgendeiner Gala, in irgendeiner Sendung, auf irgendeinem Plakat sieht. Klar, sagt Bauerfeind, sie hätte auch zu RTL gehen können. "Das wäre wohl schneller groß geworden. Aber das hätte sich überhaupt nicht richtig angefühlt." Jedenfalls solange sie dort nicht das machen könne, was sie selber gut findet.

Für sie ging das häufiger in der Sparte als im Hauptprogramm. "Aber damit das einmal gesagt ist: Ich würde natürlich total gern eine Show im Hauptprogramm des ZDF machen. Oder in der ARD. Ganz egal." Wieder das Kneipenabend-Lachen. Das ist einerseits selbstironisch, klar - aber gleichzeitig wird schon deutlich, dass sie sich was zutraut. Sie kann einen Raum ausfüllen, um sich im nächsten Moment wieder zurückzunehmen, und das nicht nur im Fernsehstudio. Wenn sie lacht, drehen sich in dem Berliner Café Leute um.

Unbedingt auffallen ist aber auch nicht ihr Ding. Wer Boulevardseiten im Internet nach ihr durchstöbert, findet nur wenige Rote-Teppich-Bilder. Auf der Straße werde sie nur selten erkannt, sagt sie. Bei Wikipedia steht unter Privates ein einziger Satz: "Bauerfeind spielt Saxophon."

Ruhm um jeden Preis sei nicht ihr Ziel, sagt sie. Ihre Jobs haben sich mit der Zeit geändert. Sie moderiert kaum noch Veranstaltungen, denn sie will "lieber meine eigenen Sachen machen als die anderer Leute". Außerdem mache es ihr mehr Spaß, mit Leuten zu reden als Texte in eine Kamera zu sagen. Genau das tut sie jetzt in ihrer Leseshow.

Humor braucht auch Momente der Ernsthaftigkeit, um zu funktionieren

Die Texte dafür wählt sie mit ihrer Redaktion aus, die Gäste wissen vorher nicht, was sie kriegen. Es können Bücher sein, aber auch Whatsapp-Nachrichten. Dabei kommen nicht nur Albernheiten heraus. So liest die Schauspielerin Anneke Kim Sarnau den angeblich schönsten Liebesbrief der Welt vor, den Johnny Cash seiner Frau zum 65. Geburtstag schrieb. "Als ich ihn das erste Mal las, dachte ich: Naja, ganz schön. Aber: der Schönste überhaupt?", sagt Bauerfeind. "Als Anneke ihn in der Show vorgetragen hat, kamen mir fast die Tränen." Denn die Schauspielerin entschied sich, den Brief wirklich zum schönsten Liebesbrief der Welt zu machen.

Und Humor? Der brauche auch Momente der Ernsthaftigkeit, um zu funktionieren, sagt Bauerfeind: "Alles, was immer nur eine Tonlage, eine Farbe, ein Tempo hat, wird irgendwann langweilig." Eine Sendung wie ihre müsse anders sein. Und sie ist es tatsächlich: Die meiste Zeit ironisch - und dann plötzlich emotional. In einem Moment albern - und plötzlich aufrichtig. Und ganz sicher traut diese Show den Texten zu, ein Stück Leben zu erklären. Ganz egal, ob sie von Immanuel Kant stammen oder von einem Hersteller künstlicher Haarfarben.

Bauerfeind - die Leseshow, 3sat, Sonntag, 21 Uhr.

© SZ vom 03.11.2017/khil
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