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Netflix:Wenn Frauen nicht besser sein müssen als Männer

Eigentlich eine gute Idee: In der Stand-up-Comedy-Reihe "They Ready" treten nur Frauen auf.

Bevor Tiffany Haddish 2017 als erste schwarze Stand-up-Komikerin eine Folge der Comedy-Sendung Saturday Night Live moderierte, rief sie bei Whoopi Goldberg an. Nach Rat gefragt, soll Goldberg sinngemäß geantwortet haben: "Du bist die Erste, Schätzchen, mach lieber einen guten Job." Wer als Erster oder Erste einer Gruppe etwas tut, das der Gruppe zuvor verwehrt war, steht eben unter besonderer Beobachtung, so ungerecht das auch ist. Haddish lieferte dann sehr wohl gute Arbeit ab, für ihren Auftritt wurde sie mit einem Emmy ausgezeichnet.

Zwei Jahre später lässt der Streamingdienst Netflix Haddish nun selbst als Mentorin auftreten. In der Reihe They Ready präsentiert sie sechs ihrer Lieblingskomikerinnen, die es im Gegensatz zu ihr noch nicht zu breiterer Bekanntheit gebracht haben.

Einige der herausragendsten Comedians derzeit sind weiblich. Braucht's da noch Förderung?

Man kann sich bei einem solchen Konzept schon fragen, ob Komikerinnen im Jahr 2019 tatsächlich noch spezielle Förderprogramme brauchen, als seien sie eine vom Aussterben bedrohte Wildbienenart. Immerhin hat Netflix mit den Stand-up-Comedy-Specials von Hannah Gadsby, Ali Wong oder Tig Notaro selbst gezeigt, dass derzeit einige der herausragendsten amerikanischen Stand-up-Comedians weiblich sind. Andererseits finden sich etwa bei Netflix Deutschland unter den 42 etwas willkürlich in der Rubrik "Stand-up-Comedy" versammelten Sendungen genau sechs, die zumindest größtenteils eine Frau auf der Bühne zeigen. Insofern mag man die Idee von They Ready nicht allzu leichtfertig verdammen. Zumal die Frauen, die Haddish eingeladen hat, abgesehen von ihrem Geschlecht noch andere Faktoren mitbringen, die ihnen die Stand-up-Karriere erschweren - von der Hautfarbe über die sexuelle Orientierung bis zur sozialen Herkunft.

30 Minuten gibt Haddish jeder Eingeladenen vor einem Livepublikum. Nach drei Folgen beschleicht einen allerdings der Verdacht, dass es sich hier eher um ein Tischfeuerwerk handelt, so durchwachsen sind die einzelnen Shows. Tracey Ashley sorgt mit ihren Alltagsbeobachtungen, wie es ist, als schwarze Frau mit einem weißen Mann verheiratet zu sein, noch für solide Gags. Flame Monroe dagegen hastet überdreht durch die Anekdoten über das Leben als Transperson mit drei Kindern und verschenkt dabei die meisten Pointen. Und Aida Rodriguez verwässert ihren schön abgründigen Humor mit Donald-Trump-artigen Plattitüden (wie dem Vorschlag, Pädophile für Kosmetiktests einzusetzen).

Abgesehen von diesen individuellen Schwächen, fällt bei den ersten drei Komikerinnen von They Ready vor allem der Mangel an formaler Experimentierfreude auf. Keine Spur von der Meta-Stand-up-Kritik einer Hannah Gadsby oder den dramaturgischen Kunstfertigkeiten einer Ali Wong. Möglicherweise ist aber gerade das eine gute Nachricht. Schließlich heißt es ja immer, dass wahre Gleichberechtigung erst erreicht ist, wenn Frauen nicht mehr besser sein müssen als Männer, um Karriere zu machen. Insofern kann man They Ready als echten Forstschritt sehen. Es zeigt Komikerinnen, die nicht besonders schlecht und nicht besonders gut sind, sondern einfach mittelmäßig.

They Ready, auf Netflix