Serie "Biohackers" bei Netflix:Die im Dunkeln sehen gut

Serie "Biohackers" bei Netflix: Die Star-Dozentin Tanja Lorenz (Jessica Schwarz) sieht sich selbst als Schöpferin.

Die Star-Dozentin Tanja Lorenz (Jessica Schwarz) sieht sich selbst als Schöpferin.

(Foto: Marco Nagel)

In der Thrillerserie "Biohackers" gerät eine Medizinstudentin in den Bann skrupelloser Genetik-Experimente.

Von Kathrin Hollmer

Wenn Serienmacher hierzulande ihre Werke mit anderen vergleichen, dann mit Kalibern wie Twin Peaks oder Fargo. Darunter geht's für gewöhnlich nicht. Christian Ditter, Showrunner der neuen deutschen Netflix-Serie Biohackers, stapelt tiefer. Seine Hauptfigur Mia sei das moderne Äquivalent zum Terminator, sagt er im Zoom-Gespräch. "Sie lässt sich nicht aufhalten und geht ihren Weg." Das ist einerseits erfrischend. Der Terminator ist zwar Kult, aber gewiss nicht wegen seiner filmischen Qualität. Andererseits hat Mia auf den ersten Blick wenig mit dem Androiden gemein, der erst den Widerstand gegen die Maschinen aufhalten soll und später selbst rebelliert.

Mia, Medizinstudentin in Freiburg und toll gespielt von Luna Wedler, will den Tod ihres Bruders aufklären und wanzt sich dafür an die Star-Dozentin und -Genetikerin Tanja Lorenz (Jessica Schwarz) heran. Die führt im Keller ihrer Villa illegale Experimente durch und sagt Sachen wie: "Synthetische Biologie macht uns von Geschöpfen zu Schöpfern." Angeblich kämpft sie gegen Erbkrankheiten, vor allem will sie viel Geld damit verdienen. Auf ihrem Weg überschreiten Mia und Lorenz so manche Grenze.

Christian Ditter hat zuletzt in Hollywood den Kinofilm How to Be Single und die Netflix-Serie Girlboss gedreht. Auf das Thema synthetische Biologie brachten ihn befreundete Wissenschaftler. "Dieselben Menschen, die die Menschheit retten können, können sie potenziell auslöschen", so Ditter. Er ließ sich vom Fraunhofer-Institut und Biohackern beraten. "Meine Frau ist Ärztin", sagt er, "und nichts ist schlimmer, als mit ihr eine Arztserie zu sehen, die nicht gut recherchiert ist." Besonders fasziniert hat ihn, dass man heute vom Küchentisch aus Biohacker werden kann. Überdeutlich wird das in Mias WG. Mitbewohner Ole (Sebastian Doppelbauer) hat einen Bezahlchip im Handgelenk und Augentropfen, mit denen man im Dunkeln sieht. Mitbewohnerin Chen-Lu (Jing Xiang) züchtet Pilze als Fleischalternative und rettet mit ihren Laborskills regelmäßig ihre Freunde.

Eigentlich sollte Biohackers Ende April starten. Aus Sorge um "möglicherweise verstörende Szenen" wurde verschoben. Zwar geht es nicht um eine Pandemie, doch gleich zu Beginn kippen in einem Zugabteil reihenweise Fahrgäste um. Später läuft eine Ärztin im Schutzanzug an den regungslosen Körpern vorbei. Man wollte keine "Ängste oder Verschwörungstheorien befeuern", so Ditter. Während die Pandemie-Serie Sløborn (ZDF Neo) kürzlich von der Corona-Realität eingeholt wurde, ist Biohackers per se keine Science-Fiction, sondern gibt einen spannenden Einblick in die reale Welt des Biohackings. In Laboren wird längst wirklich mit fluoreszierenden Mäusen experimentiert, jeder kann im Internet Implantate bestellen, mit denen man digital bezahlen kann. "Ich musste mir so gut wie nichts ausdenken", sagt Ditter und lacht.

Biohackers macht einiges anders als zeitgenössische Filme und Serien: Der Cast ist divers, im Vordergrund stehen bei dieser MINT-Thematik zwei Frauen, und beides wird nicht ständig betont. Die Figuren bleiben ambivalent, auch dadurch hält die Serie die Spannung. Die Technologie, die Mia bekämpft, ist in gewissem Sinne Teil von ihr, was sie am Ende doch mit dem Terminator gemeinsam hat. Genaueres erfährt man wohl erst noch, die Serie ist eindeutig auf eine Fortsetzung angelegt. "I'll be back", wie der Terminator sagen würde.

Biohackers, bei Netflix*

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© SZ/tyc/ebri
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