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Streamingdienste in Deutschland:Bis die Augen brennen

Im Disney-Streamingangebot: Star Wars und Marvel.

(Foto: AP)

Nach Apple hat nun auch Disney einen eigenen Video-on-Demand-Dienst vorgestellt. Aber welche Anbieter gibt es eigentlich zurzeit? Ein Überblick.

Der umkämpfte Markt der Video-on-Demand-Anbieter - auch Streamingdienste genannt - ist um einen prominenten Wettbewerber reicher: Am Donnerstag wurde im kalifornischen Burbank Disney+ vorgestellt. Das Angebot zum Kampfpreis von 6,99 Dollar monatlich soll am 12. November in den USA starten und kurz darauf auch in Europa und Asien. Die neue Plattform des Unterhaltungsriesen soll Kunden etwa mit den Exklusivrechten am Star Wars- und Marvel-Imperium locken. Erst Ende März hatte Apple seinen Streamingdienst vorgestellt, der im Herbst nach Deutschland kommen soll. Folgende Anbieter sind schon da:

Netflix

Gegründet: 1997 im kalifornischen Los Gatos als Online-Videothek mit DVD-Versand, seit 2007 im Video-on-Demand-Geschäft aktiv, seit September 2014 auch in Deutschland verfügbar.

Hit: Ausgerechnet das Aushängeschild House of Cards, dessen prominenteste Besetzung lange der nach Missbrauchsvorwürfen gefeuerte Hauptdarsteller Kevin Spacey war, lief hierzulande zuerst bei Sky - aufgrund eines Lizenzvertrags aus der Zeit vor dem Netflix-Start in Deutschland. Auch auf die sechste und letzte Staffel mit Robin Wright in der Hauptrolle müssen Netflix-Kunden wieder ein halbes Jahr warten: Sie ist dort vom 2. Mai an zu sehen.

Besonderheit: Der Platzhirsch mit 139 Millionen zahlenden Mitgliedern in mehr als 190 Ländern, die dem Konzern 2018 annähernd 16 Milliarden US-Dollar Umsatz bescherten. Netflix ist Orientierungspunkt für die ganze Branche, Mitgründer und CEO Reed Hastings gilt als ihr Vordenker.

Preis: Tendenz steigend. Nach Erhöhungen in den USA im Januar werden in Deutschland für die HD-Nutzung auf bis zu zwei Endgeräten gleichzeitig statt 10,99 künftig 11,99 Euro fällig und für noch bessere Bild- und Tonqualität auf bis zu vier Geräten 15,99 statt 13,99 Euro. Nur der Basispreis bleibt bei 7,99 Euro. Alle Netflix-Abos sind monatlich kündbar. David Denk

Amazon Prime Video

Gegründet: 2014 aus der Online-Videothek Lovefilm hervorgegangen.

Hit: You are Wanted mit Matthias Schweighöfer und Karoline Herfurth sollte beweisen, dass schicke Serien auch aus Deutschland kommen können. Die erste Staffel war ein Publikumserfolg, die zweite nicht mehr und die Kritik fand beide nicht so toll. Wurde inzwischen eingestellt.

Besonderheit: Amazon ist ein Internetwarenhaus und entsprechend funktioniert Prime Video. Ähnlich wie bei Netflix gibt es eingekaufte und selbstproduzierte Serien und Filme, aber wenig Dokumentationen und Stand-up-Comedy. Dafür lässt sich Prime Video individualisieren: Zu dem Grundangebot können für ein paar Euro mehr spezialisierte Kanäle gebucht werden, von Mubi für Filmkenner bis Shudder für Horrorfreaks. Nutzer können außerdem selbst Videos hochladen. Prime Video bietet, wie Amazon eben auch, von allem etwas. Das ist gewollt, denn der Streamingdienst soll sich in das System der anderen Angebote des Unternehmens einfügen. Die gut 100 Millionen Abonnenten weltweit bekommen ihre Päckchen schneller zugestellt und die Bücher zu den vielen Literaturadaptionen können ein paar Klicks weiter auch gleich noch gekauft werden.

Preis: 69 Euro im Jahr für Amazon Prime oder 7,99 im Monat für Prime Video. Nicolas Freund

Magenta TV

Gegründet: Im Oktober 2018 aus Entertain TV, dem bisherigen IPTV-Angebot der Telekom, hervorgegangen.

Hit: Eigenproduktionen sind nicht das Kerngeschäft, bisher existiert nur eine: die Comedyserie Deutsch-Les-Landes mit Christoph Maria Herbst. Stattdessen gibt es große Produktionen, für die Magenta TV in Deutschland die Exklusivrechte hat, etwa The Handmaid's Tale, Condor und ab Mai die Elena-Ferrante-Verfilmung Meine geniale Freundin.

Besonderheit: Magenta-TV mischt klassisches Fernsehen mit einem Video-on-Demand-Angebot. Wer will, kann rund 100 öffentlich-rechtliche und private Sender linear schauen. Außerdem gibt es die sogenannte Megathek. Darin findet sich ein erweitertes Angebot der Mediatheken von ARD und ZDF. Hier kann man Tatort- oder Schwarzwaldklinik-Folgen sehen, welche die Öffentlich-Rechtlichen nach ein paar Wochen schon aus ihrem Onlineangebot löschen müssen. Hinzu kommen die Exklusivserien und eine Reihe von älteren US-Serien, darunter Staffeln von H ow I Met Your Mother oder The Walking Dead.

Preis: 7,95 Euro monatlich für Abonnenten, die über die App schauen. Telekom-Kunden können sich das Angebot für 5 Euro hinzubuchen, dazu kommen noch 4,95 Euro Mietgebühr für einen Receiver. Luise Checchin

Sky

Gegründet: Der Entertainment-Anbieter Sky ging vor zehn Jahren aus dem Bezahlsender Premiere hervor, deswegen auch die hohe Sportkonzentration des Senders.

Hit: Fußball. Derzeit teilt sich der Sender die Champions-League- und Bundesliga-Rechte mit anderen Anbietern, überträgt aber alle Spiele des DFB-Pokals. Seit dem Start der Plattform gibt es auf Sky auch Unterhaltung: Acht deutschsprachige und weitere internationale Eigenproduktionen will der Sender 2019 herausbringen. Bereits realisierte Serien sind etwa Babylon Berlin und Das Boot. Der wohl bekannteste Zukauf ist die Serie Game of Thrones vom Kooperationspartner HBO.

Besonderheit: Der Dienst gliedert sich in verschiedene Pakete und ist eine Mischung aus linearem (Bezahl-)Fernsehen und Streaming. Mit einem Receiver kann man die Programme am Fernseher ansehen, wo sie auf verschiedenen Sendern ausgestrahlt werden, die meisten Programme gibt es aber auch "on Demand". Zusätzlich zum normalen Abo gibt es die App Sky Go für unterwegs. Monatlich kündbar ist nur Sky Ticket, für das man kein normales Sky-Abo (das zunächst über ein oder zwei Jahre abschließbar ist) benötigt.

Preis: je nach Angebot zwischen 9,99 Euro (Sky Ticket) und 69,99 Euro (zum Beispiel Sky Sport) im Monat. Theresa Hein

Maxdome

Preis: 7,95 Euro monatlich für Abonnenten, die über die App schauen. Telekom-Kunden können sich das Angebot für 5 Euro hinzubuchen, dazu kommen noch 4,95 Euro Mietgebühr für einen Receiver.

Gegründet: Maxdome wurde im August 2006 gegründet und gehört seit 2013 zur ProSieben Sat1 Gruppe.

Hit: Das Programm speist sich vor allem aus eingekauften Blockbustern wie Bohemian Rhapsody oder Serien wie Grey's Anatomy. Als erste Eigenproduktion hat der Dienst bisher die Serie Jerks mit Christian Ulmen und Fahri Yardim realisiert, weitere große Investitionen gibt es derzeit keine.

Besonderheit: Der Dienst bietet eine Mischung aus Abo-Streamingdienst und Einzelkäufen, ähnlich wie bei Amazon: Filme und Serien kann man im Maxdome Store nach einer Anmeldung einzeln kaufen, ohne ein Abo abzuschließen. Bisher werden auf Maxdome etwa 60 000 Filme und Serienproduktionen angeboten. Eine Folge Grey's Anatomy kostet zum Kauf beispielsweise 1,99 Euro, Filme dagegen können entweder für 48 Stunden geliehen werden oder - solange man einen Account oder ein Abo besitzt - gekauft werden. Auf eigene Geräte downloaden können ausschließlich Abonnenten. Im Gegensatz zu anderen Anbietern gibt es die Filme und Serien auf Maxdome bisher lediglich in Full-HD-Qualität.

Preis: 7,99 monatlich für das Abo-Angebot. Wer sich einen einzelnen Film ausleiht, zahlt 3,99 Euro, wer ihn kauft, 14,99 Euro. Theresa Hein

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