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Neil Armstrong:Urknall im Hallöchen-Sender

Neil Armstrong, sonst medienscheuer Ex-Astronaut und erster Mann auf dem Mond, lässt sich zu seinem 80. Geburtstag ausgerechnet im österreichischen Red-Bull-Privatkanal "Servus TV" befragen.

Es ist ein seltsamer Treibstoff, der das alles befeuert. Ein dünnes gelbliches Süppchen, das wie verflüssigte Gummibärchen schmeckt und auf dessen Logo zwei Stiere aufeinander zurasen: Red Bull heißt der Lockstoff, der dem Österreicher Dietrich Mateschitz Milliarden einbringt, was dem schweigsamen, äußerst zurückhaltenden Herrn offenbar so unheimlich ist, dass er viel davon gleich wieder in gute Dinge steckt.

´Mann im Mond" mit Rätseln - Neil Armstrong wird 80

Neil Armstrong gibt zu seinem 80. eines seiner seltenen Interviews - dem österreichischen Sender Servus TV.

(Foto: dpa)

Man denke da weniger an den deutschen Formel-1-Fahrer Sebastian Vettel, dessen Rennstall auch von Red Bull angetrieben wird. Eher denke man an das ambitionierte Unterhaltungs- und Kulturprogramm des "Hangar 7" in Salzburg und an Servus TV, das es trotz des dämlichen Namens mit den anderen Privaten in Austria allemal aufnehmen kann.

Und der Lockstoff scheint magische Kraft zu entwickeln. Er hat einen der schweigsamsten Stars der jüngeren Geschichte vor die Kameras des Salzburger Hallöchen-Senders zu bringen vermocht, der sonst niemals mit Journalisten zu reden pflegt: den Astronauten Neil Armstrong, jenen Mann, der als erster Mensch seinen Fuß auf den Boden des Mondes setzte.

Armstrong ist gerade 80 Jahre alt geworden. Was ihn bewogen hat, zu diesem Anlass ausgerechnet im "Hangar 7" zu Salzburg aufzutreten, das bleibt ein Rätsel. Die Behauptung, das wiederum von dem rote Bullen alimentierte Fliegermuseum habe ihn derart verlockt, ist albern, derlei gibt es in Amerika mehr und größer und noch schöner. Es hat dennoch dem einstigen Berufspiloten Armstrong naturgemäß großen Spaß gemacht.

Das Geld wird ihn nicht verlockt haben, und die Aussicht, auf den geballten Intellekt einer der wichtigsten deutschen Zeitungen zu stoßen, muss gleichfalls nicht eben den Ausschlag gegeben haben: Vor den Kameras des Red-Bull-Senders Servus TV durfte der deutsche FAZ-Herausgebers Frank Schirrmacher Armstrong und dessen nie bis zum Mond gelangten sowjetischen Kollegen und Konkurrenten Alexej Leonow befragen.

Ein abgehobenes Leben

Wie immer bei Berühmtheiten ranken sich auch um Armstrong, der deutsche und schottisch-irische Wurzeln hat, viele Geschichten über eine frühe Leidenschaft und Berufung. Geboren in Wapakoneta (Ohio) soll er schon als Zweijähriger von Flugzeugen fasziniert gewesen sein. Bereits mit 16 brachte er es zur ersten Fluglizenz - noch vor dem Autoführerschein.

Armstrong studierte dann an der Purdue University Luftfahrt-Ingenieurwissenschaften, wurde Marineflieger und absolvierte 78 Kampfeinsätze im Koreakrieg. Mitte der fünfziger Jahre begann eine mehrjährige Karriere als unerschrockener Testpilot. Über 50 verschiedene Maschinen erprobte er. Wiederholt kam er dabei in brenzlige Situationen - und erreichte bereits Höhen von über 62 Kilometern.

Aber er wollte noch höher hinaus, und 1962 war der erste Schritt erreicht: Die Nasa akzeptierte Armstrong als Astronauten. 1966 gelang ihm als Chefpilot von Gemini 8 das Andocken an ein unbemanntes Raumfahrzeug im Orbit - das erste Rendezvous im All. Drei Jahre später ging dann der größte Traum in Erfüllung: Armstrong leitete die Apollo 11-Mondmission, steuerte die kleine Landefähre Eagle im Endanflug per Hand auf den Erdtrabanten und trat als erster aus der Luke, vor seinem Kollegen "Buzz" Aldrin.

Bereits 1971 verließ er die Nasa ganz, um acht Jahre als Professor an der University of Cincinnati Luft- und Raumfahrt-Ingenieurwissenschaften zu lehren. Seit 15 Jahren weigert er sich, Autogramme zu geben - nachdem er herausfand, wie viel Geld damit gemacht wird.

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