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NDR verfilmt Siegfried Lenz:In Frieden ruhen

Das Schärfste an Arnes Nachlaß war das scharfe ß, mit dem Lenz der 1999 noch umstrittenen Rechtschreibreform trotzte. Der NDR-Titel hat sich der neuen Zeit bereitwillig ergeben, die Geschichte aber womöglich noch altbackener gemacht, als sie es eh schon war. Maulfaul und schicksalsschwer ächzt der Film dahin, hilflose Zwischenschnitte mit Hafenpanoramen ersetzen reflexive Passagen. Plausibilität ist nicht nur ein Fremdwort, sondern im Programm gar nicht vorgesehen, oder, wie es der ARD-Programmdirektor Volker Herres in seinem unvergleichlichen Volker-Herres-Deutsch formuliert, " Arnes Nachlass ist eng an den gleichnamigen Roman von Siegfried Lenz angelegt." Dort ist er sicher gut angelegt und könnte in Frieden ruhen, würde er nicht an diesem Mittwochabend ausgestrahlt.

Da betreibt Jan Fedder ein Abwrackunternehmen, trinkt feierabends ein Bier vorm Fernseher und patriarcht über eine musterhafte Fernsehfamilie: Frau will wieder arbeiten, hat aber Schwierigkeiten mit der Tochter; Sohn schmollt, skateboarded, trinkt, kifft; die Oma ist eine liebe Greisin; und draußen lauert im Mercedes der Investor, der dem guten deutschen Unternehmer seinen schnuckeligen kleinen Betrieb wegnehmen will.

"Das anzusehen, ist zutiefst bewegend", dichtet der Programmdirektor bewegt. Es stimmt nur nicht, denn es ist zutiefst erschütternd zu sehen, welcher Krampf einem da zugemutet wird: "Arnes seelische Verfassung spiegelt sich in den Schiffsruinen unter einem Himmel im surrealen Dämmerlicht perfekt wider."

Natürlich muss es im Lenz-Kosmos ein Abwrackunternehmen sein, denn die Symbolik ist hier nicht bloß am Trapsen, sondern am schwermetallenen Wummern. Ein strenger Filter färbt alles endzeitlich ein, manchmal wird es so grünstichig wie beim alten Fuji-Material. Jan Fedder schaut besorgt, und Suzanne von Borsody scheint zu überlegen, wie sie da möglichst schnell rauskommt. Nur um den Hauptdarsteller Max Hegewald tut es einem leid; er hätte einen richtigen Film verdient. Aber den NDR-Lenz anzusehen, ist einfach nur schrecklich.

Arnes Nachlass, ARD, 20.15 Uhr.

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