NDR "Extra 3" bietet Erdoğan schmutzigen Deal an

Moderator Christian Ehring, als er das Skandal-Video ankündigte.

(Foto: dpa)

Das Satire-Magazin des NDR verzichtet nach dem Wirbel um das Erdoğan-Video auf Nabelschau. Seitenhiebe kann sich der Moderator aber nicht verkneifen.

TV-Kritik von Julian Dörr

"Wenn man schießt und jemand schreit 'Aua', dann hat man getroffen." Mit diesen Worten kommentierte Andreas Lange, Redaktionsleiter des NDR-Satire-Magazins Extra 3, das Video, das den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan dazu brachte, den deutschen Botschafter einzubestellen - ein ziemlich lautes Aua. Und ein kleiner Coup für das Satire-Magazin. In der ersten Folge nach dem mittelgroßen Empörungssturm um Pressefreiheit und die Grenzen der Satire stellte sich nun die Frage: Wie reagiert man auf diese Aufmerksamkeit?

Die Redaktion von Extra 3 hat sich für den souveränen, den eleganten Weg entschieden. Keine peinliche Nabelschau, kein großer Weiterdreh, sondern zurück zum Tagesgeschäft. Oder wie es Moderator Christian Ehring ausdrückte: "Wir beschäftigen uns nicht so lange mit uns selbst. Dafür gibt es zu viel anderen Irrsinn, den wir beackern müssen." Die wöchentliche Dosis Trump aus den US-Vorwahlen zum Beispiel. Oder ein desaströses Tunnelprojekt aus Dresden.

"Extra 3" hat Erdoğan zum Mitarbeiter des Monats gekürt

Ein paar kleine, aber gut platzierte Seitenhiebe auf den türkischen Präsidenten konnte sich Ehring in seiner Eröffnungsmoderation aber dennoch nicht verkneifen. "Wir setzen heute auf Deeskalation", sagte er zu Beginn der Sendung. Man wolle kein Öl ins Feuer gießen, auch weil Erdoğan so viel mehr Öl hätte - eine Anspielung auf dessen angebliche Deals mit dem Islamischen Staat.

Um ganz sicher zu gehen, dass der türkische Präsident das Video auch nicht missverstanden hat, zeigte "Extra 3" den Clip ein zweites Mal, nun aber mit türkischen Untertiteln. Und auch Angela Merkel wurde im Vorbeigehen abgewatscht. "Wenn sie keine Kritik hören wollen, treffen sie die Bundeskanzlerin", schlug Moderator Ehring Erdoğan vor, der von "Extra 3" zum Mitarbeiter des Monats gekürt wurde. Diplomatisches Kriseln als viraler Erfolg.

Doch es geht hier um mehr als Quote oder Klicks. "Wir machen das nicht des Quatsches wegen", sagte Redaktionsleiter Lange. Im Kern der Satire stünde der Journalismus und die Verantwortung, auf Missstände aufmerksam zu machen. Genau deshalb trifft der "schmutzige Deal", den Moderator Ehring Erdoğan unterbreitete, punktgenau ins Zentrum der Debatte: "Für jeden Gag, den ein türkischer Komiker machen darf, nehmen wir einen zurück."

Weil aber keine Gesellschaft so gut ist, dass sie Satire als Mittel gegen Unterdrückung, Angst und Torheit nicht mehr nötig hätte, ging es daraufhin weiter mit dem Irrsinn der Woche - Trump, Dresden und norddeutsche Fußballklubs.

Für seine Abschiedsworte fand Christian Ehring dann doch noch einmal zurück zur Causa Erdoğan. Es gebe eine erste Reaktion aus Ankara, so der Moderator in seinen Schlussworten. "Der türkische Präsident zwingt mich folgende Richtigstellung vorzulesen: War alles richtig." Stimmt.