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"Nazis im BND" auf Arte:Stets zu Diensten

Klaus Barbie

Klaus Barbie, der "Schlächter von Lyon". Auch ihn hatte der BND Mitte der sechziger Jahre engagiert.

(Foto: Getty Images)

Klaus Barbie, der "Schlächter von Lyon", Wehrmachtsgeneral Reinhard Gehlen und Goebbels-Pressesprecher Wilfred von Oven sind nur einige der NS-Schergen, die beim deutschen Geheimdienst unterkamen. Ein Film auf Arte zeigt die Verstrickungen von Nazis mit dem BND.

Mit den Nazis verhält es sich nämlich so, dass die bei Kriegsende alle Selbstmord begingen oder in Nürnberg aufgehängt wurden. Gut, ein paar verschwanden auch nach Südamerika. Aber sonst? Aber sonst war Deutschland mit einem Schlag nazifrei, mit der Mark kam die Demokratie; den Rest besorgte das Wirtschaftswunder, bis heute Quell mancher nostalgischen Rückschau. Komischerweise gab es bei Kriegsende aber auch noch sieben Millionen NSDAP-Mitglieder und einige zigtausend SS- und SD-Angehörige, die alle resozialisiert werden mussten. Nicht jeder Berufsoffizier fand sein Unterkommen als Hauptgeschäftsführer bei der FDP oder wenigstens in der Fremdenlegion.

Der Wehrmachtsgeneral Reinhard Gehlen kümmerte sich vor 1945 um "Fremde Heere Ost" und expandierte nach 1945 auf fremde Menschen Ost. Was unter Hitler im Krieg Recht war, das Ausspionieren des ideologischen Gegners, konnte im Kalten Krieg nicht falsch sein. Die USA waren eben noch mit der Sowjetunion verbündet gewesen, hatten keine Ahnung von diesem neuen Gegner und kauften sich Gehlens Wissen. Im Auftrag der Amerikaner zog Gehlen einen Geheimdienst auf, der 1956 als Bundesnachrichtendienst (BND) beim Kanzleramt angeleint wurde. Gehlen bediente sich bewährter Kräfte, die, in den Worten Konrad Adenauers, "von der Geschichte von früher her etwas verstehen".

Erst vor ein paar Wochen hat der BND zugegeben, dass er Wilfred von Oven, den Pressesprecher von Joseph Goebbels, jahrelang als Mitarbeiter beschäftigt hat. Der unheilbare Nazi Oven wanderte Anfang der Fünfziger nach Argentinien aus und schrieb nicht nur für deutsche Zeitungen, sondern gab in Buenos Aires auch eine eigene Zeitung heraus, für die ihm Gehlen eine Druckmaschine zur Verfügung stellte.

Besonders übler Fall

Der Film von Christine Rütten birgt keine Enthüllung, die nicht schon in den vergangenen Jahren über die klassischen Printmedien an die Öffentlichkeit gelangt wäre. Ein besonders übler Fall ist der von Klaus Barbie, der im besetzten Frankreich als "Schlächter von Lyon" berüchtigt wurde, dann für die Amerikaner in Süddeutschland Jagd auf echte oder vermeintliche Kommunisten machte, schließlich mit Hilfe der katholischen Kirche nach Südamerika ausgeschifft wurde. Dort brachte er sich und seine Familie zunächst nur mühsam durch, bis der BND Mitte der sechziger Jahre auf ihn aufmerksam wurde und ihn engagierte. Nebenbei diente er verschiedenen bolivianischen Militärregimes als Fachberater für Folter. Erst 1983 wurde Barbie ausgewiesen und kam in Frankreich vor Gericht.

Der BND bemüht sich inzwischen selber um eine Aufarbeitung seiner Vergangenheit. Er hat eine interne und eine unabhängige Historikerkommission bestellt, um das Archiv zu sichten, jedenfalls das, was nach diversen interessegeleiteten Säuberungen übrig ist. Geschichte ist Ansichtssache: Nach dem Krieg war Gehlen als Experte unverzichtbar, heute wird er in den National Archives in Washington als Kriegsverbrecher geführt.

Nazis im BND, Arte, 22 Uhr.

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