"Narcos"-Schauspieler Wagner Moura "Für die Rolle bin ich fett geworden"

Darf wieder Geld zählen und finster gucken: An diesem Freitag geht bei Netflix die zweite Staffel Narcos online - mit Wagner Moura als Drogenboss Pablo Escobar (Bild aus Staffel eins).

(Foto: Daniel Daza; Daniel Daza/Netflix)

Er spielte einen knallharten Cop, bevor er in der Rolle als Koksdealer berühmt wurde: Zum Start der zweiten Staffel "Narcos" spricht Wagner Moura über Charme und Wahnsinn von Pablo Escobar.

Interview von Frank Steinhofer

Wagner Moura ist der erste brasilianische Schauspieler, der für den Golden Globe Award nominiert wurde, und zwar für seine Darstellung von Pablo Escobar in der Netflix-Serie Narcos. Moura, 40, studierte Journalismus, bevor er Schauspieler wurde. 2000 gab er mit "Woman on Top" 2000 sein Debüt an der Seite von Penelope Cruz, den internationalen Durchbruch brachte ihm der Kinofilm "Tropa de Elite" (2007), in dem er den Chef einer Eliteeinheit der brasilianischen Militärpolizei spielt.

SZ.de: An diesem Freitag geht die zweite Staffel von Narcos online. In der Serie verkörpern sie einen kolumbianischen Drogenboss nach realem Vorbild. Wie war es, ein Monster zu spielen?

Wagner Moura: Ich erspare Ihnen den üblichen Schauspieler-Bullshit. Von wegen, "Das eine ist nur eine Rolle und das andere bin ich." Ich habe Pablo Escobar über zwei Jahre gespielt. Nicht nur, dass ich für die Rolle fett geworden bin - natürlich baust du eine Beziehung zu deinem Charakter auf, zu dem Umfeld, zu der Energie.

Wie haben sie sich auf die Rolle vorbereitet?

Indem ich angefangen habe, nur noch leckere Sachen zu essen. Ich musste 20 Kilo zunehmen. (lacht) Bei Charakteren geht es um Widersprüche. Pablo war ein gemeiner Mensch, ein Psychopath. Er hat Bomben in Straßen gelegt, ein Flugzeug in die Luft gesprengt, er hat Hunderte von Leuten kaltblütig ermordet. Aber er war eben auch ein liebevoller Familienvater. Mutig, sehr charismatisch. Wenn ich mir einen Charakter anschaue, geht es mir nicht um Gut und Böse. Wir haben beide Seiten in uns. Am Ende war Pablo Escobar ein Mensch.

Netflix Die Serie, die schneller süchtig macht als Kokain
Binge Watching

Die Serie, die schneller süchtig macht als Kokain

Sehr viele Drogen, Morde und spanisches Zischen: Die Binge-Watching-Kolumne zu "Narcos" - bevor die neue Ladung kommt.

Narcos ist überall in der Welt ein Riesenerfolg - nur nicht in Kolumbien.

Narcos ist eine US-amerikanische Produktion mit einem Brasilianer in der Hauptrolle. Die Leute sind erst mal skeptisch. Aber Narcos ist keine Show, in der coole US-amerikanische Cops in das Land eindringen, um die Leute vor dem Bösewicht zu retten. Alle Charaktere sind komplex.

Eine kolumbianischer Filmkritiker schrieb: Wagner Moura ist als Escobar eine Fehlbesetzung. Es ist, als ob ein Deutscher Sherlock Holmes spielen würde.

Ha, das ist gut! Ich verstehe das. Kolumbien hat sich in den vergangenen 20 Jahren sehr gewandelt. Bogotá zum Beispiel ist eine supercoole und moderne Stadt. Aber jedes Mal, wenn ein Kolumbianer seinen Ausweis zückt: "Oh, Kolumbien? Kokain!" Ich kann nachvollziehen, wenn die Leute sagen: "Fuck you!"

Worauf kam es Ihnen an?

Ich habe vor dem Dreh Spanisch in Bogotá gelernt - und die Schulbank mit japanischen Teenagern und deutschen Managern gedrückt. Ich habe jedes Buch über Pablo gelesen, um alles wieder zu vergessen, sobald ich ich meinen Charakter erschaffen habe. Ich wollte Pablo nicht imitieren. Die Leute, die ich mit meinem Spiel am meisten überzeugen wollte, waren Kolumbianer.

Netflix Post aus dem Hause Escobar
Serie "Narcos"

Post aus dem Hause Escobar

Fanpost sieht anders aus: Mit der Serie "Narcos" hat Netflix das Leben Pablo Escobars verfilmt. Nun bekommt der Streamingdienst einen Brief von dessen Bruder - und ein schwer abzulehnendes Angebot.  Von David Denk

Die Dreharbeiten sind abgeschlossen. Vermissen Sie Pablo schon?

Gemischte Gefühle. Ich fühle mich erleichtert. Allein in den vergangenen Wochen habe ich wieder neun Kilo abgenommen. Ich freue mich auf meine Familie, auf Rio de Janeiro, auch wenn dort gerade ein großes Chaos herrscht.