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Nachruf:Peter Tamm, Lord von Hamburg

Peter Tamm

Peter Tamm 2013

(Foto: dpa)

Einst war er der Chef von Springer, aber er war auch ein großer Sammler. Nun ist Peter Tamm gestorben.

Peter Tamm war ein Herr. Bei Springer, wo er vor weit mehr als sechzig Jahren als Schifffahrtsredakteur anfing, hatte er den Spitznamen "Lord Nelson". In Hamburg, wo er lebte, wurde er auch von Berufsfremden "der Admiral" genannt. Er trug dunkelblaue Zweireiher, rauchte unermüdlich Montecristo-Zigarren, und wenn man über ihn, der nicht mehr ist, ein paar Zeilen schreiben soll, hat man ein Problem: Soll man nur über den Verlagsmanager schreiben, der er auch war, oder nur über den großen Sammler? Wenn man genau hinschaut muss man sagen, dass er mindestens zwei Leben geführt hat. Oder: ein Doppelleben.

Das meiste in Schnappschusskürze, wie er es liebte: 1958 wechselte er ins Verlagsgeschäft. Einer, der auf der (alten) Gorch Fock ausgebildet wurde, war kein Flanellmännchen. Er war bei und mit Axel Cäsar Springer erfolgreich, und als der sein Haus in eine Aktiengesellschaft umwandelte, wurde Tamm Alleinvorstand. Dann gab es Neukonzeptionen, Machtkämpfe, Dauerfehden, und meist obsiegte Lord Nelson. Mal ging es gegen den einstigen Mogul Leo Kirch, mal kämpfte er im eigenen Haus. 1991 schied er bei Springer frühzeitig aus und verzichtete auf einen Posten im Aufsichtsrat.

Mit dem Erfolg, den er im Beruf hatte, war auch das große Geld gekommen und er konnte sich leisten, das Original zu sein, das er war. Viel Geld hat er in seine große Leidenschaft gesteckt. Der aus einer Seefahrerfamilie stammende Tamm trug die weltweit größte private Sammlung zur Schifffahrts- und Marinegeschichte zusammen. Mehr als tausend Großmodelle, 35 000 Mini-Schiffchen, 5000 Gemälde, 50 000 Baupläne, 150 000 Speisekarten von Bord. Tamm hat eifervoll bis zum Manischen gesammelt.

Über Fleiß und Tugenden sprach er gerne stundenlang

Die Kollektion ist seit 2008 im Kaispeicher B in der Hamburger Hafencity untergebracht. Zur Eröffnung kam der damalige Bundespräsident Horst Köhler. Er sagte, dass Sammler "die Welt in Ordnung bringen und Dingen ihren Platz geben" wollen. Draußen protestierten Protestler, weil sie meinten, das Museum könne "ein Wallfahrtsort für Militaristen" werden. Ihn überrasche die selbstgerechte Ahnungslosigkeit, mit der hier "Kinder des Wohlstands" versuchten, ihm etwas über den Krieg zu erklären, hat Tamm damals geantwortet.

Konservativ war er. Über Fleiß und Tugenden konnte er stundenlang reden und bemühte gern den alten Cicero. Tamm, der Frau und fünf Kinder hatte, hat seine Zeit genutzt und der Welt eine Menge hinterlassen. Am Donnerstag ist er im Alter von 88 Jahren gestorben.