Zum Tod von Marie-Luise Scherer:Geschenk an die Sprache

Zum Tod von Marie-Luise Scherer: "Und plötzlich kam Aufruhr in die Hopfenblüten, und sie wippten wie verrückt." Von Beruf war sie Reporterin, aber sie ging nicht in den Nachrichten, sondern in der Sprache auf: Marie-Luise Scherer.

"Und plötzlich kam Aufruhr in die Hopfenblüten, und sie wippten wie verrückt." Von Beruf war sie Reporterin, aber sie ging nicht in den Nachrichten, sondern in der Sprache auf: Marie-Luise Scherer.

(Foto: Wielfried Beege)

Mit 84 Jahren ist die Autorin und Reporterin Marie-Luise Scherer gestorben. Ein Nachruf.

Von Willi Winkler

Wenn von Otto Schily mehr bleiben sollte als der Helm, den er sich voller Stolz aufsetzte, als er Polizeiminister wurde, dann verdankt er das der Reportage, die ihm Marie-Luise Scherer 1978 im Spiegel widmete. Da galt er noch als "RAF-Anwalt", aber Scherer kannte ihn von früher, aus Berlin, als er "gerade erst im Begriff war, die FDP nicht wiederzuwählen" und mitgerissen wurde von der Zeit. "An einem Spätnachmittag in den mittleren Apo-Jahren zogen nach einer Vietnam-Demonstration Leute aus der vordersten Szene mit Schilys Frau Christine in deren eheliche Wohnung in Berlin-Grunewald. Die Männer in der gefleckten Rebellenkleidung nahmen sich in dieser Umgebung aus wie Parachutisten in einem Gouverneurssalon. Als Otto Schily aus der Kanzlei nach Hause kam, war die Truppe gerade dabei, auf seinem Konzertflügel Würste aufzuschneiden. Otto Schily sah einen Moment lang mit indignierter Miene zu, unterließ es aber, die Feier abzubrechen."

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