Nachruf Charlie Weiss gestorben

Der Journalist Carl Weiss, geboren 1925, ist mit 92 Jahren in München gestorben.

(Foto: Harald Kratzer/WDR)

Der Journalist Carl Weiss prägte als Korrespondent über Jahrzehnte die Auslandsberichterstattung von ARD und ZDF - und damit die Vorstellungen vom Ausland bei vielen Deutschen. Jetzt ist Weiss im Alter von 92 Jahren in München gestorben.

Von Kurt Kister

Zu jenen Fernsehkorrespondenten, die wie Peter Scholl-Latour oder Klaus Bölling in der alten Bundesrepublik die Vorstellungen vom Ausland bei vielen Deutschen prägten, gehörte auch Carl Weiss. Im September 1925 in Schlesien geboren, begann Weiss 1948 als Redakteur bei der Neuen Zeitung in München, bevor er 1951 in die Nachrichtenredaktion der Süddeutschen eintrat. Nach ein paar Jahren bei der SZ wechselte Weiss zum Kölner Stadtanzeiger, um Anfang der Sechzigerjahre als Presseattaché an die deutsche Botschaft in Indien zu gehen. Als in Deutschland das ZDF entstand, damals gerne Adenauer-Fernsehen genannt, kehrte Charlie Weiss zurück; er moderierte als Redakteur im Studio die erste Heute-Sendung im April 1963 (sehenswert, gibt es auf Youtube). Für das ZDF berichtete er bis 1970 aus Ostasien zur Zeit des Vietnamkriegs, später arbeitete er als ZDF-Mann in London und Washington. 1978 wurde Weiss Programmkoordinator Politik bei der ARD; seine Pensionierung erlebte er 1988 als ARD-Studioleiter in Brüssel. Weiss blieb bis ins hohe Alter genauso ein kenntnisreicher Analytiker wie ein charmanter Schwadroneur. Im Alter von 92 Jahren ist Charlie Weiss jetzt in München gestorben.