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Nachruf auf Thomas Scheen:Der Furchtlose

Thomas Scheen

Thomas Scheen, 1965 geboren im belgischen Eupen, arbeitete zunächst als freier Journalist und Lokalredakteur, bevor er 2000 FAZ-Redakteur wurde.

(Foto: Bergmann/FAZ/dpa)

Der Afrika-Korrespondent der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" Thomas Scheen war einer der ganz erfahrenen Reporter, er konnte Orientierung geben, wo andere längst kapitulierten. Nun ist er mit 52 Jahren in Nairobi gestorben.

Thomas Scheen war einer, der nicht allzu viel darauf achtete, was Kollegen anderer Zeitungen in Afrika gerade machten, wo sie wieder hinfuhren, worüber sie berichteten. Das war gut so, er ließ sich nicht beirren, er hatte seinen eigenen Blick auf diesen Kontinent, den er 17 Jahre lang als Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bereiste und beschrieb. Nun ist Scheen, wie die FAZ mitteilte, an den Folgen eines Unfalls in Nairobi gestorben. Für die Afrika-Berichterstattung in deutschen Medien ist dies ein schwerer Verlust, Scheen war einer der ganz erfahrenen Reporter. Und vor allem: furchtlos. Er hat viel auf sich genommen, manchmal vielleicht zu viel. Im Kongo wurde er einmal von Rebellen entführt und kam nur knapp davon. Scheen versuchte immer, so nah wie möglich an den Kern der Dinge heranzukommen, was bei all den Kriegen und Krisen ein riskantes Unterfangen war. Der Leser durfte dankbar sein für so viel Mut und Einsatz, zeichnete Scheen doch sehr unmittelbare Bilder, die im Kopf hängen blieben. Er konnte selbst in verworrenen Lagen Orientierung geben und Zusammenhänge skizzieren, wo andere längst kapitulierten. Dass er die Geschehnisse über einen langen Zeitraum beobachtete, machte seine Texte zu einem besonderen Gewinn. Für eine Reportage über einen russischen Piloten im Kongo ("Aleksandr, der Bruchpilot") erhielt er 2009 den Theodor-Wolff-Preis. Am besten kannte er sich im frankophonen Afrika aus, anfangs hatte er seinen Sitz in Abidjan, bevor er nach Johannesburg und später nach Kenia umzog. FAZ-Herausgeber Berthold Kohler würdigte Thomas Scheen als einen "Reporter von altem Schrot und Korn". Er wurde 52 Jahre alt.

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