Nachrichtenagentur Stellenabbau bei Reuters

Das kanadische Unternehmen baut Stellen in der Berliner Redaktion ab. In dem auf Deutsch berichtetenden Politikressort dürften nur wenige Journalisten übrigbleiben, Reuters konzentriert sich zunehmend auf Wirtschaftsnachrichten.

Von Meike Schreiber

Der kanadische Nachrichtendienst Thomson Reuters kappt die deutschsprachige Politik-Berichterstattung. Geplant ist ein umfangreicher Stellenabbau in der Berliner Redaktion. Wie aus einer internen Mitteilung hervorgeht, steht dahinter eine internationale Umstrukturierung der nationalen Dienste. Abgebaut wird vor allem in Europa. Italien trifft es Insidern zufolge besonders stark. Dort wurde bereits gestreikt. Zuerst hatte die FAZ über die Pläne berichtet. Dem Vernehmen nach sollen zehn Arbeitsplätze in der Redaktion in Deutschland wegfallen. Das wäre jeder achte Job bei den Textjournalisten, die hierzulande auf Deutsch und Englisch berichten. Es ist der bislang wohl größte Stellenabbau der Reuters-Redaktion in Deutschland. In dem auf Deutsch berichtenden Politikressort werden wahrscheinlich nur noch wenige Journalisten übrig bleiben.

Ohnehin konzentriert sich Thomson Reuters zunehmend auf die Wirtschaftsnachrichten. Die Politikberichterstattung dürfte sich wegen der Medienkrise immer weniger gelohnt haben. Der Konzern war 2008 aus der Übernahme der britischen Nachrichtenagentur Reuters durch den kanadischen Informationsanbieter Thomson entstanden. Anfang 2018 hatte der Finanzinvestor Blackstone die Mehrheit an der Daten-Sparte von Reuters gekauft.

Wie aus der internen Mitteilung weiter hervorgeht, will Reuters die Nachrichtendienste künftig besser organisieren. Die Journalisten sollten mehr Exklusivgeschichten und andere Nachrichten von Mehrwert schreiben können. Dazu müssten die internationalen Reporter und jene der Landesdienste künftig enger zusammenarbeiten. Außerdem werden Tätigkeiten nach Gdynia in Polen verlagert. Investieren will Reuters eher in "schnell wachsende Märkte" in anderen Teilen der Welt.

Über den Fortbestand des deutschen Dienstes war in den vergangenen Jahren immer spekuliert worden. Man behielt ihn jedoch bei: zum einen, weil viele Unternehmenskunden hierzulande den deutschen Dienst bevorzugen. Zum anderen, weil die Journalisten vor Ort bessere Kontakte und Marktkenntnisse hätten als die internationalen Kollegen, die oft nur ein paar Jahre in Deutschland arbeiten. Der Landesdienst sei trotz Umsatzrückgängen weiterhin profitabel, hat Chefredakteur Olaf Zapke der FAZ zufolge auf einer Betriebsversammlung in Berlin gesagt.