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Nachrichtenagentur:Eilschließung

Die dpa kappt ihren spanischen Dienst - etwa 40 Kündigungen gab es in dieser Woche. Büros in Buenos Aires, Bogotá und anderswo werden zu Korrespondentenplätzen, "Stellen reiner Textreporter" sollen entfallen. Die Mitarbeiter sind schockiert.

Am Dienstagmorgen gegen acht Uhr bekamen Redakteure und Mitarbeiter der Deutschen Presse-Agentur in Madrid und Buenos Aires eine E-Mail. Sie sollten sich um elf Uhr in ihren Zentralen einfinden. Je zwei aus Deutschland eingeflogene Führungskräfte sowie zumindest im argentinischen Fall ein Anwalt und ein Notar empfingen die Angestellten, die Korrespondenten wurden per Videokonferenz zugeschaltet. Dann waren Claudia Regina Martínez und viele andere Journalisten arbeitslos.

In Argentinien und wohl auch in Spanien erhielten die Herbeizitierten einen Zettel, darauf stand übersetzt dies: "Als Folge der Restrukturierung des spanischsprachigen Dienstes auf globaler Ebene teilen wir Ihnen heute die Beendigung Ihres Arbeitsverhältnisses mit." "Desvinculación laboral" nennt sich das im Original, fristlose Entlassung. Die ausstehenden Gehälter und die Entschädigung würden sich nach dem Gesetz richten. Drei Zeilen für das Ende einer deutschen Ära in Lateinamerika und im Falle von Claudia Regina Martínez von fast 25 Jahren Arbeit bei der dpa, 2019 hätte sie Jubiläum gefeiert. "Ich bin schockiert", sagt sie, so schockiert wie alle, die soeben ihren Job verloren haben.

Laut dpa wurden oder werden ungefähr 40 spanischsprachige Mitarbeiter gekündigt. In Buenos Aires ist der Rauswurf sofort gültig, in Madrid zum Jahresende. Die Berichterstattung der dpa im spanischen Dienst richte sich ab 2019 "deutlich stärker als bisher auf visuelle Inhalte aus", erläutert das Unternehmen, mit Fotos und Videos. Der Textdienst stütze sich künftig stärker auf die bereits vorhandene Berichterstattung der dpa in Deutsch, Englisch und Arabisch. Die dpa-Büros in Buenos Aires, Rio de Janeiro, Bogotá, Mexiko-Stadt, Havanna und Madrid würden zu Korrespondentenplätzen, "Stellen reiner Textreporter" entfielen. Man bedauere das sehr und spreche mit den Betroffenen "über eine sozial verträgliche Lösung", so Chefredakteur Sven Gösmann, der mit Geschäftsführer Matthias Mahn nach Buenos Aires reiste, um die Botschaft zu überbringen.

Lateinamerika sei schon lange ein schwieriger Markt, hört man von der dpa. Die Art und Weise dieses kollektiven Rauswurfs? Man folge dem jeweiligen Recht, anders sei es gerade in Argentinien nicht gegangen. Die Deutsche Presse-Agentur ist eine private Firma und hat anders als die Agentur Efe aus Spanien weder die staatliche Unterstützung noch die kulturelle Bindung an die Welt südlich von Pyrenäen und Río Grande. Die Berichterstattung auf Spanisch war nie ein Geschäft für die dpa - aber auch ein großes und geschätztes Symbol, zum Beispiel für das Interesse von Alemania an der Region und ihrer Sprache. Diese überfallartige Schließung des servicio en español hat den umgekehrten Effekt, entsprechend entsetzt sind die Reaktionen. Zumal es im Dauerkrisenland Argentinien besonders schwierig ist, als gefeuerter Schreiber wieder Fuß zu fassen. Obendrein hat sich die dpa einen Termin kurz vor dem G-20-Gipfel ausgesucht, die Kanzlerin Angela Merkel reist bald nach Buenos Aires. Claudia Regina Martínez war für die dpa akkreditiert.