Nachlese zum Stuttgarter "Tatort":Gut, dass du da bist

Tatort Stuttgart Bootz

Bootz ist am Boden zerstört.

(Foto: SWR/Sabine Hackenberg)

Sie wollen mitreden über den "Tatort"? Hier erfahren Sie, warum die Kommissare auf einem schmalen Grat wandern und Bootz kein Alkoholiker ist. Die Nachlese zu "Eine Frage des Gewissens" - mit den besten Zuschauerkommentaren.

Von Carolin Gasteiger

Darum geht's:

Wer ist der Mörder, lautet die Frage am Sonntagabend. Meistens. Aber was passiert, wenn der ermittelnde Kommissar selbst unter Verdacht steht? Lannert muss sich vor dem Oberstaatsanwalt für einen tödlichen Schuss bei einem Raubüberfall verantworten. Auch Bootz muss aussagen und will seinen Kollegen decken. Bald erscheint Lannerts Schuss als das kleinste aller Übel in "Eine Frage des Gewissens" und Bootz steckt mindestens so in der Klemme wie sein Kollege. Am Ende geht es aber um viel mehr - um Loyalität.

Lesen Sie hier die Rezension von SZ-Tatort-Kritiker Holger Gertz:

Bezeichnender Dialog:

Lannert und Bootz sinnieren in einer Kneipe über den schmalen Grat zwischen Gut und Böse, auf dem sie sich als Polizisten bewegen.

Lannert: Je öfter ich versuche, mir die Situation nochmal vorzustellen, umso undeutlicher, umso verschwommener wird sie. Aber ich hab's in seinen Augen gesehen: Er wollte schießen. Er hätte geschossen.

Bootz: Klar. Klar, der hätte abgedrückt. Holm Bielfeldt hat zwei Jahre wegen schwerer Körperverletzung in Bruchsal gesessen. Der Typ war unberechenbar. Stell dir mal vor, wir hätten nichts gemacht im Supermarkt. Und dann? Was wär dann? Dann würden wir doch jetzt über eine ganze Menge mehr Tote sprechen. So sehe ich das.

Lannert: Ja, vielleicht.

Bootz: Und dann heißt es, "Tja, die Polizei hat es mal wieder nicht geschafft, uns vor einem Verrückten zu schützen". So oder so: Ein einziger Moment kann entscheiden, ob man uns als Killer oder Deppen hinstellt.

Lannert: Und immer mit einem Bein im Gefängnis und mit dem anderen aufm Friedhof. Und unter ständiger Beobachtung.

Die besten Zuschauerkommentare:

Die beste Szene:

Bootz weint. Endlich. Lange versucht er sich trotz aller Verzweiflung über seine Scheidung aufrecht zu halten, den coolen Cop zu geben und für seinen Kollegen da zu sein, wenn schon nicht für die Familie. Aber als er mit seinem Sohn telefoniert, friert irgendwann seine Mimik ein, die Tränen kommen. Als Bootz schließlich in den Hörer schluchzt "Ich freu mich nur so, wenn ihr bald wiederkommt", wirkt das erleichternd. Und endlich authentisch.

Top:

Im Tatort wird immer noch von A nach B ermittelt? Die Handlung ist jedes Mal vorhersehbar? Von wegen! Im Stuttgarter Fall geht es gleich packend mit einem Raubüberfall los; die Spannung lässt erst zum Schluss nach. Aber wie die Handlungsstränge ineinander verwoben sind, war eigentlich gut gedacht.

Flop:

Bootz ist am Boden. Aber Alkoholiker? Er bringt zwar Flaschen zum Container und lässt auch sein Glas Rotwein nicht stehen - aber reicht das, um von einem Alkoholproblem zu sprechen? Auf dieses zusätzliche Drama hätten die Drehbuchschreiber verzichten können. Bootz wirkt auch so verzweifelt genug.

Die Erkenntnis:

Lannert und Bootz halten zusammen, komme was wolle. Am Ende reicht ein Blick zwischen den beiden, der alles sagt. Loyalität, Diskretion, Vertrauen - oder einfach nur: "Gut, dass du da bist." Gute Freunde nehmen auch den Müll mit.

Die Schlusspointe:

In "Eine Frage des Gewissens" verschwimmen die Grenzen zwischen Gut und Böse. Und wenn am Ende alle glauben, dass der verschlagene Rechtsanwalt (hoffnungslos überzeichnet) der Mörder war, kommt es noch einmal anders. Aber eine wirkliche Pointe ist es nicht. Böse bleibt eben doch böse. Schade eigentlich.

© SZ.de/ihe
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