Nachlese zum "Polizeiruf" aus Magdeburg Bringt doch nüscht

Drexler ist der einzige, der den Magdeburger Polizeiruf sehenswert macht.

(Foto: MDR/Frédéric Batier)

Sie wollen mitreden über den "Polizeiruf 110"? Hier erfahren Sie, warum "Eine mörderische Idee" eine lahme Nummer ist und warum am Ende des Magdeburger Falles die Rostocker Kollegen am besten dastehen. Die Nachlese zum "Polizeiruf" - mit den besten Zuschauerkommentaren.

Von Carolin Gasteiger

Darum geht's:

In einer Nacht wollen Unbekannte Bomben in mehreren Supermärkten in Magdeburg hochgehen lassen und provozieren einen Großeinsatz der Polizei. Zur selben Zeit werden am Hafen Smartphones im Wert von mehreren Millionen aus einem Container gestohlen und ein Wachmann kommt ums Leben. Die beiden Kommissare Brasch und Drexler ermitteln in einem vertrackten Fall von Computerkriminalität - allerdings tun sie das ziemlich unoriginell.

Lesen Sie hier die SZ-Rezension zum Polizeiruf:

Ah, nun?

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Bezeichnender Dialog:

Kommissarin Brasch will eine Verdächtige verhaften, aber jemand kommt ihr zuvor und tötet die junge Frau. Frustriert stehen Brasch und Kollege Drexler am Fenster des Polizeireviers und überlegen. Ganz langsam - wie schon den ganzen Film über.

Brasch: Ich will sie verhaften - sie stürzt vom Dach.

Lange Pauuuuuse ...

Drexler: Zufall.

Pauuuuse ...

Brasch: Oder auch nicht.

Oder, um es in einem Satz von Drexler zu sagen: "Das bringt doch nüscht."

Die besten Zuschauerkommentare:

Die beste Szene:

Showdown im Keller des Unigebäudes. Im Serverraum drohen Drexler und Professor Reilmann zu ersticken. Brasch schafft es, den Täter Christian Engel herauszulocken. Und wie sich Brasch und Engel John-Wayne-mäßig gegenüberstehen, das hat schon fast etwas von Satire. Als sie anschließend minutenlang um das Handy am Boden rangeln, kommt zumindest ansatzweise Spannung auf. Aber da ist die Szene, oops, auch schon wieder vorbei.

Top:

Die Rostocker Polizeiruf-Ermittler. Angesichts der mäßigen Story aus Magdeburg gewinnt deren Fall "Familiensache" noch mehr an Klasse. Sie haben in der vergangenen Woche gezeigt, wie ein spannender Polizeiruf funktioniert. Insofern leisten die Magdeburger Dienst an den Kollegen. Ist ja auch was wert.

Kinskis Wahnsinn in den Augen

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Flop:

Claudia Michelsen und Sylvester Groth als Kommissare sowie Oliver Korittke als korrupter Spediteur - im Grunde wären das beste Voraussetzungen für einen guten Krimi. Allein, die Chance hat der MDR völlig verschenkt. Michelsen und Groth spielen ihre Figuren jeweils fabelhaft, aber zusammen funktionieren sie einfach nicht. Ihr letzter Fall war "nicht mehr als sonntägliche Durchschnittsware" - die Magdeburger Ermittler bleiben vorerst auf diesem Niveau. Schade.

Schon mal irgendwo gehört:

Computerkriminalität, das ewige Lied vom Hacker im Netz. IP-Adressen ermitteln, den Experten mit Nerdbrille holen, der schließlich Sätze sagt wie "Komplizierte Serverarchitektur - aber ich hab' was."

Bester Auftritt:

Aller Kritik zum Trotz geistesblitzt sich Sylvester Groth geradezu herrlich durch den Fall. Zwischenmenschlich mag er nie zu viel sagen, meist zu wenig. Aber beim schlüssigen Kombinieren macht ihm so schnell keiner was vor. Nicht umsonst sagt sein Chef: "Drexler, Sie sind ein Klugscheißer." Und als er der Kollegin ein Handy schenkt, zeigt er auf schrullige Art und Weise auch noch Herz. Was hätte dieser Kommissar für Potenzial!

Die Schlusspointe:

Die Handlung in "Eine mörderische Idee" ist durchwegs erwartbar; der Fall wird reibungslos aufgeklärt. Auf eine Pointe wartet der Zuschauer vergeblich. Höchstens: Ist Braschs neues Handy tatsächlich so groß, wie es auf der Verpackung aussieht?

Wer ermittelt wo mit welchen Tricks?

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