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Nachlese zum Norddeutschland-"Tatort":Zwischen Deal, Täuschung und List

'Tatort - Feigheit der Löwen'

Nur gemeinsam ermitteln? Wär ja langweilig. Es knistert zwischen den Kommissaren Falke und Lorenz.

(Foto: dpa)

Sie wollen mitreden über den "Tatort"? Hier erfahren Sie, ob Petra Schmidt-Schaller und Wotan Wilke Möhring flirten und warum der Kommissar besonders gut fluchen kann. Die "Tatort"-Nachlese - mit den besten Zuschauerkommentaren.

Von Matthias Kohlmaier

Darum geht's:

In Oldenburg wird ein grausam ermordeter Deutsch-Syrer gefunden. In ihrem neuen Fall ermitteln die Bundespolizisten Thorsten Falke und Katharina Lorenz in einer verschworenen Gemeinschaft und bemerken erst spät, dass es um viel mehr geht als nur um Menschenschmuggel.

Lesen Sie hier die Rezension von SZ-Tatort-Kritiker Holger Gertz:

Bezeichnender Dialog:

Die Kommissare Falke und Lorenz debattieren über das weitere Vorgehen in ihrem Fall. Das Gespräch wabert irgendwo zwischen Flirt und Diskussion über zwei Arbeitsauffassungen.

Falke: Gegen Azim haben wir was in der Hand, dass er die Pässe an die Iraker verkauft hat, das können wir beweisen. Dafür sitzt er hier und dafür fährt er ein.

Lorenz: Ich könnte versuchen ...

Falke: Genau, ihn zum Reden zu bringen. Bieten Sie ihm Alternativen an. Wenn er die Schleusung gesteht, uns an die Hintermänner führt, dann können wir was anbieten. Aber nur dann.

Lorenz: Einen Deal? Darf ich nicht, is' Täuschung.

Falke: Wer hat denn was von Deal gesagt? Keine Täuschung, eine List - großer Unterschied!

Lorenz: Juristisch schwer haltbar.

Falke: Theorie is' morgen wieder, okay?

Lorenz (lächelnd): Gut, ich geh dann mal.

Falke (lächelnd und ihr nachrufend): Machen Sie ihn fertig!

Die beste Szene:

Sebastian Schipper spielt als Jan Katz den Sidekick der beiden Kommissare, er hat sich bereits in der ersten Folge von der Polizeiarbeit auf der Straße in den Innendienst zurückgezogen. Im aktuellen Fall ist es jedoch er, der eine grausige Entdeckung macht: In einem Auto liegt eine Frau auf dem Rücksitz, wie paralysiert, aus dem Kofferraum sind Geräusche zu hören. Katz geht langsam um den Wagen herum, öffnet die Heckklappe und findet ein totes Mädchen, vielleicht sechs Jahre alt. Ihr etwas älterer Bruder hält sie in den Armen. Katz kann die Tränen kaum zurückhalten, stammelt in Richtung anderer Polizisten, irgendwer solle sich doch um den Jungen kümmern. Die Mutter weint. Sehr beklemmend.

Die besten Zuschauerkommentare:

Top:

Wotan Wilke Möhring und Petra Schmidt-Schaller (lesen Sie hier ein Porträt der Schauspielerin) sind sich als Ermittlerteam mal leidenschaftlich nah, mal einander siezend fern. Wie die beiden das spielen, die Nähe und die Distanz, das Private und das Berufliche, wirkt manchmal vorhersehbar. Das Schöne aber ist, dass im nächsten Moment meist doch alles anders kommt.

Flop:

"Realität, was den Fall betrifft und Wahrhaftigkeit, was die Darstellungsweise angeht", waren die Vorgaben, an denen Möhring seinen Tatort im SZ.de-Interview vor anderthalb Jahren gemessen haben wollte. Beides gelingt zwar, jedoch sind es bei einem öffentlich-rechtlichen Krimi immer wieder die gleichen Unschärfen, die in der fertigen Fassung verbleiben. Namen der arabischstämmigen Darsteller werden x-fach wiederholt und auch nach 80 Filmminuten noch mit Attributen versehen ("Harun, sein Bruder"), damit auch jeder Zuschauer mitkommt. Und warum sprechen die beiden syrischen Brüder - die offensichtlich das Gros ihres Lebens in Syrien verbracht haben - auch dann Deutsch miteinander, wenn sie alleine sind?

Die Schlusspointe:

Wer ist nun böse, wer gut? Und hat jemand eine Strafe verdient, nur weil das Gesetz sie fordert? Das Finale von "Die Feigheit des Löwen" lässt eine Menge ethischer Fragen offen und zwingt den Zuschauer, sich selbst Gedanken zu machen.

Die Erkenntnis:

Wenn Möhring als Kommissar Falke "Scheiße" sagt, klingt er wie jemand, der "Scheiße" sagt, und nicht wie jemand, der jemanden spielt, der "Scheiße" sagt. Das können nicht viele.

© SZ.de/ihe/lala

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