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Nachlese zum neuen Berlin-"Tatort":Nur am Leben bleiben

Tatort: Das Muli; Tatort Berlin Das Muli

Angespannter Blick: Die typische Tatort-Kommissar-Pose sitzt bei Meret Becker.

(Foto: rbb/Frédéric Batier)

Sie wollen mitreden über den neuen "Tatort" aus Berlin? Hier erfahren Sie, warum Kommissarin Rubin ihrem neuen Kollegen Karow misstraut - und welches dunkle Geheimnis sie selbst hat. Die Nachlese mit den besten Zuschauerkommentaren.

Darum geht's:

"Das Muli" heißt die erste Tatort-Episode mit den neuen Berliner Ermittlern Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke). Eigentlich geht es aber nicht, wie der Titel andeutet, um Tiere, sondern um menschliche Maultiere, die in ihrem Körper Drogen nach Deutschland schmuggeln. Ein junge Frau stirbt nach einer solchen Kurierreise, ihre zerstückelte Leiche wird in einer Müllsortieranlage entdeckt. Von einem zweiten Muli, der erst 13-jährigen Jo fehlt jede Spur. Und so beginnt ein Wettlauf zwischen der Polizei und den Schergen der Drogenmafia: Wer findet das Mädchen zuerst? Kommissarin Rubin treibt aber noch eine andere Frage um: Kann sie ihrem neuen Partner, der bis vor Kurzem im Drogenmilieu ermittelt hat, trauen?

Lesen Sie hier die Rezension von SZ-Tatort-Kritiker Holger Gertz:

Tatort-Kolumne Jeder besorgt es jedem
TV-Kritik

"Tatort" aus Berlin

Jeder besorgt es jedem

"Gib's mir" ist hier nicht nur das Motto der Berliner Müllabfuhr. Ob Straßenkinder, die Kokain im Bauch transportieren oder eine Kommissarin, die Sex im Hinterhof hat - die Stadt zeigt sich in diesem Tatort von ihrer unbarmherzigen und deshalb besonders spannenden Seite.   Von Holger Gertz

Bezeichnender Dialog:

Nina Rubin und Robert Karow beschatten den Verdächtigen Mehmet Erdem. Im Auto befragt die Kommissarin Karow zum Tod seines ehemaligen Partners bei der Drogenfahndung.

Nina Rubin: Irgend 'ne Ahnung, watt da passiert ist?

Robert Karow: Gregor war müde, nervös. Es hieß, es war Selbstmord, er hatte irgendwie das Vertrauen verloren.

Nina Rubin: In wen? Sie?

Robert Karow: Egal, was du bei der Droge tust, es bessert nichts. Der Stoff ist da, die Konsumenten sind da. Du schnappst 'ne Lieferung, aber es ändert nichts. Gar nichts. Wissen Sie, was unser größter Erfolg war? Vorletztes Jahr hat ein Parasit die Mohnernte in Afghanistan befallen. Hat fast die ganze Ernte zerstört. Das war unser größter Erfolg. Die einzige Genugtuung war, ab und zu 'n paar Leute aus dem Verkehr zu ziehen. Dann waren die Politiker begeistert. Zwei Wochen später haben die Nächsten den Vertrieb übernommen. Wenn man einen Mörder überführt, hat man den Fall abgeschlossen. In der Droge schließt du nie etwas ab, man ist nicht mal Sisyphos. Man hat nicht einen Stein, man hat Hunderte.

Nina Rubin: Dafür würden Sie das Mädchen opfern, oder? Für einen dieser Steine.

Die besten Zuschauerkommentare:

Beste Szene:

Eine Frau steht vor einem Spiegel auf einer Club-Toilette. Sie ist stark geschminkt, ihre Gesichtsbemalung wirkt fast clownesk. Die Frau verlässt den Club, biegt in eine dunkle Gasse ein, hüftschwingend. Ein Mann folgt der Frau, schließt zu ihr auf. Sie ohrfeigt ihn, er ohrfeigt sie. Die beiden rangeln - dann haben sie Sex. Die Frau ist Kommissarin Nina Rubin.

Top:

Sie, die tough-herzliche Mordkommissarin mit Berliner Schnauze, deren Familienleben nach der nächtlichen Episode vor dem Club auseinanderbricht. Er, der smart-undurchsichtige Ex-Drogenfahnder im Anzug, der im Verdacht steht, etwas mit dem Tod seines früheren Partners zu tun zu haben. Nina Rubin und Robert Karow sind ein ungleiches Ermittlerteam. Die Charaktere wurden Meret Becker und Mark Waschke auf den Leib geschrieben, sie spielen die Kommissare, als hätten sie nie etwas anderes getan. Doch die Rollen sind nicht nur in sich stimmig - so viele Gegensätzlichkeiten garantieren auch eine Paardynamik, die Rubin und Karow zu einer echten Konkurrenz für Börne und Thiel machen könnten. Abzüglich des ganzen Klamauks.

Flop:

So spannend die neuen Kommissare sind, so dominant sind sie auch. Der Kriminalfall kann da leicht zum Nebengeschehen werden. In der ersten Episode gelingt die Gratwanderung zwischen eigentlicher und Hintergrundgeschichte gerade so.

Bester Auftritt:

Wer wird Sidekick von Rubin und Karow (nicht dass sie einen bräuchten)? Es bieten sich an: die naiv-hartnäckige Hospitantin Anna, die sich vom unverschämten Gebaren des neuen Mordermittlers nicht ins Bockshorn jagen lässt (Karow: "Gut Anna, holen Sie mir 'nen Kaffee." - Anna: "Also, ich hol' hier keinen Kaffee."). Chancen auf den Part hat auch Gerichtsmedizinerin Zaree, die mit ihrer No-Nonsense-Art eine angenehme Pragmatik reinbringt - einer muss schließlich auch normal sein in diesem neuen Tatort.

Erkenntnis:

Karow weiß es, und am Ende auch der Zuschauer: Gegen die Drogenmafia ist kein Ankommen. So ist die Frage von Drogendealer Erdem an den Kommissar durchaus berechtigt: "Ich hab' mich immer gefragt, warum ihr das tut. Ihr jagt uns, eure Ehen gehen kaputt. Warum, wofür?"

Die Pointe:

Gibt es in "Das Muli" schon nach einer Stunde. Rubin: "Sie haben Ihren Partner verloren. Maihack ist tot, jetzt bin ich Ihr Partner. Ick möchte am Leben bleiben." Karow: "Das wollen wir beide."

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