Nachlese zum Dortmunder "Tatort":Faber wird weich

Lesezeit: 2 min

Kommissar Peter Faber tröstet den neunjährigen Martin. (Foto: WDR)

In "Schwerelos" verlieren nicht nur Fallschirmspringer den Boden unter den Füßen, sondern auch die Kommissare. Vor allem Haudrauf Faber scheint wie ausgewechselt.

Von Carolin Gasteiger

Darum geht's:

Ein Mann liegt schwer verletzt vor der Notaufnahme. Wie sich herausstellt, ist Leo Janek Fallschirmspringer. Sein Schirm wurde manipuliert, er wird nicht durchkommen. Wer hat ein Interesse an seinem Tod? Die beiden jungen Dortmunder Kommissare Nora Dalay und Daniel Kossik mischen sich undercover unter eine Gruppe Fallschirmspringer. Aber nicht nur sie verlieren in "Schwerelos" den Boden unter den Füßen.

Lesen Sie hier die Rezension von SZ- Tatort-Kritiker Holger Gertz:

Tatort-Kolumne
:Vernünftig geworden

Kommissar Faber fing als irrer Schlägertyp in Dortmund an. Jetzt ist er angekommen, bei sich, bei den Zuschauern. Und recherchiert diesmal zwischen Flugplatz und Tennisplatz.

Von Holger Gertz

Beste Szene:

Im Krankenhaus hat sich Leo Janeks Familie um dessen Bett versammelt; jeden Moment sollen die lebenserhaltenden Maschinen abgeschaltet. Auch der neunjährige Martin ist dabei und blickt verschreckt auf die Apparate. Faber sieht ihm durch die offene Tür zu. Plötzlich stürzt er ins Krankenzimmer, nimmt Martin hoch und trägt ihn aus dem Zimmer. In seinen Armen hält Faber ihn ganz fest - dabei umarmt er nicht nur den kleinen Jungen, sondern auch sich selbst.

Bezeichnender Dialog:

Peter Faber bringt den kleinen Martin nicht nur aus dem Krankenzimmer, sondern bei Janeks zuhause auch ins Bett. Anschließend muss er sich vor Martins Mutter für seine Aktion im Krankenhaus rechtfertigen.

Klara Janek: Was haben Sie sich dabei gedacht, ihn da einfach rauszuholen?

Faber: Ich glaube, das war das Beste, was ich machen konnte.

Janek: Ich wollte, dass er dabei ist, dass er Abschied nehmen kann.

Faber: Frau Janek, Ihr Junge ist neun, der ist noch ein Kind. Wie soll er das verstehen?

Janek: Das geht Sie gar nichts an.

Faber: Sie überfordern ihn völlig - so sieht's aus. Ja, einen Riesenschaden kann er davon kriegen.

Janek: Sagen Sie mal, was fällt Ihnen ein? Haben Sie Kinder? Haben Sie eine Ahnung, wie sich das alles anfühlt, was hier gerade los ist?

Faber: Ich weiß sehr genau, wie sich das anfühlt, Frau Janek. Sehr genau. (Stille, Szenenwechsel:) Meine Tochter hatte auch so ein Baumhaus. Wir wollten da drin immer mal übernachten, wenn es warm genug ist.

Janek: Diese Leere - hört das irgendwann wieder auf?

Faber: Nein. Aber man lernt, damit zu leben.

Die besten Zuschauerkommentare:

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Top:

Auch wenn die Fallschirmsprung-Story recht dünn ist, so hat der Plot doch etwas Gutes: die Luftaufnahmen über Dortmund und dem stillgelegten Hochofenwerk Phoenix West. Im Hintergrund läuft Mobys "Extreme Ways". Was sonst.

Flop:

Was ist bloß mit Kommissar Faber passiert? In den ersten fünf Dortmunder Fällen provozierte Faber im schmuddeligen Parka sowohl Verdächtige als auch Kollegen, wandelte mit seinen Methoden auf sehr dünnem Eis. Aber in "Schwerelos" ist er wie ausgewechselt. Dass er in dem neunjährigen Martin sein verstorbenes Kind und ein Stück weit auch sich selbst zu erkennen scheint, macht ihn ruhiger, verletzlich sogar. Hoffentlich ist das nur eine kurze Verschnaufpause vom Pöbeln. Als Haudrauf war Faber besser.

Bester Auftritt:

Mats Hugo sagt als Martin den ganzen Film über kaum ein Wort und spielt trotzdem berührend. Mit seinem traurigen Blick vermittelt er viel stärker als mit Worten, wie tief ihn der Verlust des Vaters trifft.

Die Erkenntnis:

Einfach aus dem Flugzeug springen und seine Sorgen und Probleme vergessen: Der Dortmunder Fall "Schwerelos" versucht Base Jumping als Flucht aus der modernen Leistungsgesellschaft zu erklären. Aber dafür bleibt die Handlung zu oberflächlich und die Erklärungen der Fallschirmspringer zu luftig: "Wir springen ja nicht um zu sterben, sondern um zu leben."

Die Schlusspointe:

Als klar wird, dass der kleine Martin den Fallschirm seines Vaters zerschnitten hat, scheint das den Kommissaren genug Strafe zu sein. Faber wirft die Tatwaffe, eine Schere, einfach aus dem Autofenster. Das macht das Ende ziemlich unrealistisch.

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