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Nachlese zum Bremer "Tatort":Schlimme heile Welt

Tatort Bremen Wiederkehr

Alle meine Kinder: Aber trifft das wirklich auf Silke Althoff zu?

(Foto: Radio Bremen)

Sie wollen mitreden über den Bremer "Tatort"? Hier erfahren Sie, was Stedefreund die Sprache verschlägt und warum es die Verantwortlichen zu gut gemeint haben. Die Nachlese - mit den besten Zuschauerkommentaren.

Von Carolin Gasteiger

Darum geht's:

Fiona Althoff ist zurück. Das junge Mädchen verschwand vor zehn Jahren spurlos aus Bremen. Inga Lürsen und Stedefreund hatten damals Fionas Vater im Verdacht. Noch bevor sie ihm die Tat nachweisen konnten, erhängte sich Björn Althoff. Besonders Inga Lürsen sieht sich seitdem dem Vorwurf von Silke Althoff ausgesetzt, sie habe deren Mann in den Tod getrieben. Mit der Rückkehr des tot geglaubten Mädchens müssen also nicht nur deren Mutter und Geschwister klarkommen. Auch die Kommissarin wird von den alten Anschuldigungen eingeholt. Und über allem schwirren Zweifel an der heilen Welt der Familie Althoff: Ist Fiona wirklich Fiona?

Hier lesen Sie die SZ-Rezension von Holger Gertz:

Bezeichnender Dialog:

Kathrin Althoff, die ältere Schwester von Fiona, steht am Grab ihres Vaters, hinter ihr Kommissarin Lürsen. Dann macht Kathrin ein überraschendes Geständnis.

Kathrin Althoff: Pspspspsp, so hat sich das immer angehört, wenn ich einen Raum betreten habe. Das war immer das Erste, was die Leute über uns wussten. Meine ganze Schulzeit lang war ich die Tochter des Kindsmörders. Aber eigentlich habe ich genau das Gleiche gedacht wie alle: Er war's.

Inga Lürsen: Es sprach viel dafür.

Kathrin Althoff: Ich hab' kein schlechtes Gewissen. Ich wäre einfach nur gern die Tochter gewesen, die sich rückhaltlos für ihren Vater einsetzt. Und ich glaube es immer noch, ist das nicht verrückt?

Inga Lürsen: Es ist einfacher, wütend zu sein als traurig.

(Stille, Kathrin wischt sich die Tränen weg und steht auf ...)

Kathrin Althoff: Wenn Fiona und ich uns früher gestritten haben, dann nannte sie mich manchmal Findelkind. Ich bin auch wirklich adoptiert. Das Mädchen, das da bei uns ist, die weiß das nicht. So was vergisst man doch nicht einfach, oder? (...) Und, so ein DNA-Test - der ist hundertprozentig?

(Kommissarin Lürsen nickt zögerlich)

Beste Szene:

Stedefreund will der zurückgekehrten Fiona Althoff ein paar Fragen stellen. Ganz behutsam, sie hat schließlich viel durchgemacht. Wie viel, zeigt sich, als Stedefreund die Aufnahmetaste gedrückt hat und Fiona fragt, wo sie anfangen soll. Ein kurzer, eindringlicher Blick, dann, als habe sich ein Schalter umgelegt, feuert Fiona diesen Satz ab: "Wenn du willst, schick Mama weg und hol' deinen Schwanz raus." Stedefreund ist geschockt, ebenso Fionas Mutter Silke. Aber es wird noch schlimmer: Als der Kommissar die Sache klären will, macht sich das Mädchen in die Hose und es tropft zwischen Fionas Beinen auf den Teppich. Erst mit Tränen, dann mit Entsetzen und Scham in den Augen, läuft sie schließlich weg. In Stedefreunds Blick macht sich Ratlosigkeit breit. Fiona, so scheint es, muss Schreckliches durchgemacht haben.

​Die besten Zuschauerkommentare:

Top:

Auf wildes Geballer, lautes Schreien oder klamaukige Wortspielchen können die Bremer Tatort-Kommissare verzichten. Lürsen und Stedefreund führen mit "Die Wiederkehr" überzeugend vor, dass auch ein nach außen ruhiger Tatort ziemlich aufwühlen kann. Denn innere Zerrissenheit kann viel schwerer wiegen als Gewalt.

Flop:

Vielleicht dachten sich die Verantwortlichen, sie müssten die innere Zerrissenheit mit möglichst vielen Handlungsschleifen aufwiegen, und haben es zu gut gemeint. Manchmal sind es der Twists dann doch zu viele (spätestens bei Klaas' Suizid denkt man sich "Oh je, das auch noch").

Beste Auftritte:

Vergangenen Sonntag, am Weltfrauentag, ermittelten die Wiener. Eigentlich hätte zu diesem Anlass der Bremer Tatort laufen sollen. Geht das Drama doch den ganzen Fall über Gabriela Maria Schmeide, die die Mutter spielt, einer hervorragend unheimlich-zarten Gro Swantje Kohlhof als Fiona und Sabine Postel alias Kommissarin Lürsen hin und her. Zwischen starken Frauencharakteren. Schmeide spielt Fionas Mutter verzweifelt, unsicher, zugleich aber zwielichtig. Da wirkt ein geflüstertes "Psst, nichts sagen" wie ein Hammerschlag. Auf der anderen Seite steht Inga Lürsen, die souverän den Mordfall aufklären muss, zugleich aber merkt, wie die Vorwürfe an ihr persönlich nagen. Als die beiden am Ende auf der Terrasse sitzen, sind sie sich ähnlicher, als man vermutet. Schon klar, es kann nur Inga Lürsen sein, vor der Silke Althoff ein Geständnis ablegt.

Die Erkenntnis:

Wenn es um ihre Kinder geht, sind Mütter zu vielem fähig. Manche zu allem.

Die Schlusspointe:

Manchmal muss man die Vergangenheit einfach ruhen lassen. In Inga Lürsens Abschlussbericht steht am Ende nur die offizielle Variante des Falles Fiona. "Der Junge kennt die Wahrheit. Das reicht doch?", fragt Lürsen ihren Kollegen. Und Stedefreund nickt nur still.

© SZ.de/jobr/liv
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