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Nachlese zum Bremer "Tatort":Langsam wie die Windräder

Lars Overbeck (Thomas Heinze, links) und Hauptkommissar Nils Stedefreund im Bremen-Tatort "Wer Wind erntet sät Sturm"

Lars Overbeck (Thomas Heinze, links) würde die Welt gerne mittels grüner Energie besser machen. Wenn ihm das Hauptkommissar Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) nur glauben könnte.

(Foto: Radio Bremen)

Auf Überraschungen wartet man im neuen Bremer "Tatort" vergeblich. Der Titel "Wer Wind erntet, sät Sturm" ist noch das Beste an dem Fall - und ein Telefonat mit der Oma.

Von Carolin Gasteiger

Darum geht's:

Windenergie, Umweltschutz und Machtgier. Ein Bremer Umweltaktivist wird erschossen aufgefunden. Ein anderer, Henrick Paulsen, ist verschollen, seit er auf ein Windrad in der Nordsee geklettert war. In einer Videobotschaft prangert Paulsen das Sterben vieler Zugvögel in den Rotorblättern der Windräder an, die wirken "wie viel zu groß geratene Gänseblümchen, die ein Kind ins Meer gestreut hat.". Bald gerät Lars Overbeck, der Betreiber des Windparks, ins Visier der Bremer Kommissare. Aber es geht um mehr als tote Vögel und Umweltschutz.

Lesen Sie hier die Rezension von SZ-Tatort-Kritiker Holger Gertz:

Bezeichnender Dialog:

Windpark-Betreiber Lars Overbeck und Stedefreund sind in einem Boot zu dem Windrad unterwegs, von dem Henrick Paulsen nicht mehr zurückgekehrt ist.

Overbeck: Sie glauben doch nicht ernsthaft, ich hätte etwas mit Henricks Verschwinden zu tun, oder?

Stedefreund nickt.

Overbeck: Lächerlich! Ich will nur eines - ich will die Welt ein bisschen besser machen.

Stedefreund: Jeder Mensch braucht große Ziele.

Overbeck: Sehen Sie das, Herr Stedefreund? (deutet auf die riesigen Windräder im Meer) So sieht die Zukunft aus.

Die besten Kommentare der Zuschauer, die sich so ihre Gedanken zu Wind und Stromgewinnung machten:

Die schrägste Szene:

Bei der Vorstandssitzung des Hedgefonds-Unternehmens Bluehearst kommt es zur Geiselnahme. Aktivist Hardendorf will sich gerade auf dem Laptop des unsympathischen Hedgefonds-Managers Berger ins Netz einloggen, als ein Anruf auf dem Display aufblinkt. Oma! Prompt gewährt Hardendorf seiner Geisel ein kurzes Telefonat mit der geliebten Großmama. Zum Abschied säuselt der schmierige Berger in den Hörer: "Du bist die tollste Oma, die es gibt."

Top:

Der Titel dieses Tatorts. Bei aller Sympathie für alternative Energien wirft "Wer Wind erntet, sät Sturm" weniger offensichtliche Fragen auf: Warum sind Umweltschützer gegen Windräder?

Flop:

Lürsens und Stedefreunds vergangener Fall ging unter die Haut. Als würden sie sich nun ausruhen wollen, läuft diesmal alles ziemlich erwartbar ab. Überraschungen? Fehlanzeige! Stattdessen ist der Fall langsam, und vorhersehbar - wie die Windräder im Meer.

Bester Auftritt:

Thomas Heinze spielt Lars Overbeck jovial, überkandidelt und fürchterlich arrogant. Selbst, als dem Windparkbetreiber das Wasser bis zum Halse steht, ist er um keinen peinlichen Spruch verlegen.

Die Erkenntnis:

"Nur wer gegen den Strom schwimmt, gelangt zur Quelle" lautet eines der Mantren der Umweltschützer. Aber ihr Aktivismus kann leicht in Fanatismus umschlagen - und dann gehen sie bis zum Äußersten.

Die Schlusspointe:

Hardendorf hat bei der Geiselnahme ein Video mit dem toten Hedgefonds-Manager ins Netz gestellt, was die Polizei eigentlich verhindern wollte. Nun erfahren Lürsen und Stedefreund, dass es doch online war. "Zehn Minuten - 813 Klicks" stellt Stedefreund fest. Und Lürsen antwortet gelassen: "Können wir jetzt auch nicht mehr ändern." Ein ziemlich uninspiriertes, aber passendes Ende für einen unaufgeregten Fall.

© SZ.de/ihe/dd

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