Nachlese zu "Wendemanöver":Anders als die anderen

Polizeiruf Wendemanöver Katrin König Sascha Bukow

Katrin König und Sascha Bukow merken am Ende von "Wendemanöver" selbst, dass sie nicht von dieser Welt sind.

(Foto: NDR)

Im zweiten Teil wird der "Polizeiruf: Wendemanöver" noch verwirrender. Und Bukow will man nur "Tu's nicht!" zurufen. Die Nachlese - mit den besten Zuschauerkommentaren.

Von Carolin Gasteiger

Darum geht es:

Im zweiten Teil von "Wendemanöver" wird die Sache, wie es Ermittler Anton Pöschel formuliert, "immer dicker". Zu der Brandleiche und dem erschossenen Wirtschaftsexperten aus der ersten Folge kommen der Selbstmord von Drexler-Lover Ferdinand Frey, dubiose Waffengeschäfte der Richter GmbH - und ein unberechenbarer Kommissar Bukow, der unter Mordverdacht steht. Wer geglaubt hat, das spannende Finale des ersten Teils sei die Klimax der Polizeiruf-Doppelfolge, irrt.

Hier lesen Sie die SZ-Rezension zum Film:

Bester Dialog:

Die Magdeburger Kommissare haben sich soeben aus Rostock verabschiedet, Komissarin Brasch knutscht den Kollegen Pöschel zum Abschied. Zurück bleiben die Rostocker Ermittler Sascha Bukow und Katrin König - in ihrer eigenen Welt.

König: Ich glaube, ich bin anders. Anders als andere Menschen. Normale Menschen. Mit Beziehungen. Haus, Kinder, Hund, Katze, Maus.

Bukow: So wie ich.

König: Ja, nee. Doch. Oder ne, Sie sind auch anders. Aber ... anders.

Bukow: Jaja.

Die besten Zuschauerkommentare:

Die beste Szene:

Jochen Drexler inspiziert die Leiche von Heiko Steiner, die auf dem Beifahrersitz in Bukows Wagen hängt. Der Kommissar blickt durch die eingeschlagene Scheibe auf den verkohlten Kopf. Es hat fast schon etwas Clowneskes, wie er den Toten ganz ohne jede Gefühlsregung betrachtet - und dann wieder den Blick hebt.

Top:

Den lustigsten Moment im Film liefert Revierchef Röder, als er den Telefonhörer an Katrin König weiterreicht. Am anderen Ende der Leitung soll Tatort-Kommissar Tschiller aus Hamburg sein, ein "Kollege", wie Röder sagt und ironisch hinzufügt: "Aber Vorsicht, versteht man kaum, nuschelt." Wenn das mal nicht der Hinweis auf das nächste krimiübergreifende Projekt ist!

Flop:

Anstatt die vielen Verstrickungen, die im ersten Teil der Doppelfolge ausgelegt werden, aufzudröseln, wird die Handlung in "Wendemanöver II" nur verwirrender. Irgendwann verliert man zwischen den amourösen Ausrutschern der Kommissare, dem Spitzelwesen in der DDR und Waffengeschäften mit Somalia endgültig den Überblick. Regisseur Eoin Moore soll die Handlung von "Wendemanöver" auf vier Whiteboards skizziert haben - damit mutet er dem Zuschauer zuhause auf der Couch aber eindeutig zu viel zu.

Bester Auftritt:

Bad Boy Bukow ist hin- und hergerissen zwischen seinem eigenen Schicksal und seinem Job. "Tu's nicht" will man ihm zurufen, als er vor den eigenen Kollegen flieht und sich damit immer weiter selbst in den Fall verwickelt. Sogar seine einzige Vertraute König glaubt ihm nicht mehr. Und so schwebt Bukow zwischen den Welten, zwischen Gut und Böse und weiß nicht, wo er hingehört. Gut so, denn das macht den Fall spannend und unvorhersehbar.

Die Erkenntnis:

Zwei Polizeiruf-Teams, vier exzentrische Kommissare, vier private Schicksale und einen komplizierten Fall, dessen Wurzeln bis in die Neunziger reichen, an zwei aufeinanderfolgenden Sonntagen ist zwar verdienstvoll, aber zu ambitioniert. Gut, dass man in der kommenden Woche bei einem Norddeutschland-Tatort durchatmen kann.

Die Schlusspointe:

Der Fall ist abgeschlossen, die Magdeburger fahren nach Hause. Als Doreen Brasch zu ihrem Kollegen Drexler ins Auto steigt, fragt sie: "Alles in Ordnung?" "Nicht wirklich", antwortet der. Mit diesen Worten verabschiedet sich nicht nur Kommissar Drexler aus Rostock, sondern auch Darsteller Sylvester Groth aus dem Polizeiruf. Dann fahren sie in die Nacht davon.

© SZ.de/mkoh
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