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Nach Protest gegen parteipolitischen Einfluss:Redakteure siegen im ORF

Der Druck der Redaktionen war zu groß geworden: In Österreich verzichtet SPÖ-Mann Pelinka auf die Büroleitung des ORF-Chefs Wrabetz. Seine offenkundig parteipolitische Berufung hatte in dem Sender Proteste ausgelöst, wie es sie noch nie im Österreichischen Rundfunk gegeben hatte.

Cathrin Kahlweit

Nun ist es offiziell: Niko Pelinka, der designierte Büroleiter von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz, zieht seine Bewerbung um den Posten zurück. Das ist die sachliche Variante der Nachricht, die am Donnerstag unter den Mitarbeitern des ORF beträchtliche Freude auslöste.

Alexander Wrabetz

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz lobt nun die Mitarbeiter, die die Besetzung seiner Büroleitung kippten: Diese Entwicklung sei Ausdruck ihres "Selbstbewusstseins" und ihrer "Stärke".

(Foto: dpa)

Die emotionale Variante lieferte der junge Mann selbst, der nach wochenlangen Protesten gegen seine Bestellung nunmehr das Handtuch wirft. Pelinka, der bislang den SPÖ-Freundeskreis im ORF-Stiftungsrat geleitet hatte, war von Wrabetz Ende Dezember berufen worden. Die Entscheidung hatte - unter Verweis auf die Gefahr eines massiven parteipolitischen Einflusses auf den Sender - so große Empörung hervorgerufen, dass zuletzt ohnehin allgemein davon ausgegangen wurde, dass Pelinka nicht zu halten sein würde.

Nun also meldet sich der 25-Jährige persönlich, nachdem er in den vergangenen Tagen in Deckung gegangen war. Er wolle mit seiner Absage "weitere untergriffige Angriffe gegen mich, meine Familie und mein persönliches Umfeld" vermeiden, ließ er wissen. Die "andauernde öffentliche Debatte über meine Person hat ein Ausmaß erreicht, das nicht mehr akzeptabel ist. Ich ziehe mich von dieser Ausschreibung zurück". Er tue dies aber nicht etwa, weil er "die falsche Person für diesen Posten" sei.

Damit sind nun der Generaldirektor des ORF und der Stiftungsrat der Anstalt aus dem Schneider, der an diesem Freitag tagt und sich zu der geplanten Bestellung hätte äußern müssen. Wrabetz sagte, er "respektiere" die Entscheidung. Die geplante Bestellung Pelinkas sei aber "ebensowenig Gegenstand einer parteipolitischen Absprache wie sein nun bekanntgegebener Rückzug".

Und dann verbeugte sich der ORF-Chef demonstrativ vor seinen revoltierenden Mitarbeitern: Diese Entwicklung sei Ausdruck ihres "Selbstbewusstseins" und ihrer "Stärke". Schaden für das Ansehen des Senders sei abzuwenden, auch das gehöre zu seiner Verantwortung.

© SZ vom 20.01.2012/gr

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