Nach Magazinbericht NZZ-Chef half Geheimdienst

Die enge Verbindung zwischen Eric Gujer und dem Nachrichtendienst des Bundes (NDB) wirft Fragen auf. Die NZZ gestand diese ein, von einer offiziellen Mitgliedschaft Gujers könne jedoch keine Rede sein.

Von Charlotte Theile

Die Kritik, die Rechtsprofessor Rainer Schweizer Anfang Mai im Interview mit dem Schweizer Monat äußerte, war deutlich. Die Schweiz sei "schon lange" kein Rechtsstaat mehr, ein übertriebenes Terror-Szenario halte das Land im Griff. Und nicht nur der Boulevard, sondern auch die renommierte Neue Zürcher Zeitung (NZZ) würde dabei den Ausbau des Geheimdienstes unterstützen. "Kein Wunder" sei das, verkündete Schweizer in einem Nebensatz: Eric Gujer, seit März Chefredakteur der NZZ, sitze schließlich im Beirat des Dienstes. So eng ist die Zusammenarbeit nicht, verkündeten der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) und die NZZ eilends, sprachen von einer "Falschaussage". Doch die Richtung stimmte, die Schweizer eingeschlagen hatte; es gibt eine enge Verbindung zwischen Chefredakteur und Geheimdienst: "Eric Gujer wurde als Strategie-Experte und langjähriger Deutschlandkorrespondent zu verschiedenen Fragen insbesondere im Zusammenhang mit dem deutschen Nachrichtendienstgesetz (NDG) und der parlamentarischen Kontrolle der Nachrichtendienste in Deutschland konsultiert", gestand die NZZ ein. Von offizieller Mitgliedschaft könne keine Rede sein, wurde zugleich betont. Der Schweizer Monat nahm das Interview aus dem Netz. Die ungewöhnliche Nähe zwischen NZZ und Nachrichtendienst aber bleibt.