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Nach Facebook-Kommentar:"Die Welt" trennt sich von Autor Matussek

Matthias Matussek

Matthias Matussek. Journalisten mit seiner Wucht sind selten.

(Foto: dpa)

Noch in der Nacht der Anschläge verknüpfte der Journalist in einem Facebook-Kommentar den Terror von Paris mit der Flüchtlingsfrage. Darüber geriet er mit seinen Vorgesetzten in einen Streit. Am Schluss stand die Trennung.

Die Welt trennt sich von ihrem Autor Matthias Matussek mit sofortiger Wirkung. Personalien dieser Wucht sind selten in Deutschlands beschaulicher Medienbranche, vielleicht, weil auch Journalisten mit Matusseks Wucht selten sind.

Der 61-jährige Kisch-Preisträger und überzeugte Katholik arbeitete 25 Jahre lang beim Spiegel, unter anderem als Kulturchef, Rio-, New York- und London-Korrespondent.

Insbesondere seit seinem Wechsel Anfang 2014 zur Springer-Zeitung Welt zeigte sich seine Streitlust auch in provokanten Thesen zu Themen wie Islam und Islamismus, Pegida und Flüchtlingen.

Erste nach außen wahrnehmbare Differenzen zwischen ihm und seinem Arbeitgeber konnte, wer wollte, in der Tatsache sehen, dass Matusseks Rezension der Neuübersetzung des unter Rechtsintellektuellen beliebten Romans "Heerlager der Heiligen" von Jean Raspail Ende September in der Schweizer Weltwoche erschien.

"Durchgeknalltes Posting"

Matussek schrieb auf Facebook, bei der Welt habe man seinen Text "verschmäht". Überhaupt: Facebook. Da drehte der exzentrische wie extrovertierte Journalist in den letzten Wochen öfter mal frei. Zuletzt mit einem Posting, das die Chefs der Welt, Jan-Eric Peters und Ulf Poschardt auf den Plan rief. Matussek hatte seine Vermutung, die Anschläge von Paris würden die Debatte über Flüchtlinge "in eine ganz neue frische Richtung" bewegen, mit einem Smiley garniert.

Peters distanzierte sich auf Facebook öffentlich ("durchgeknalltes Posting"), darüber beklagte sich Matussek, auch öffentlich. Höhepunkt der Auseinandersetzung soll dann die Konferenz bei der Welt am Dienstag gewesen sein, in der Matussek seine Vorgesetzten beschimpft haben soll. Der Schlusspunkt folgte nur Stunden später in Form der Trennung.

© SZ.de/epd/doer/vit

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