N24 wird "Welt":Aufbruch in die alte Welt

Das Berliner Regierungsviertel am Tag nach der US Wahl präsentiert sich ruhig Eine Satellitenschüs

Das Logo mit dem orangefarbenen Quadrat wird fast überall verschwinden – das neue Signet kommt ohne Schnickschnack daher.

(Foto: Uwe Steinert/imago)

Der Nachrichtensender N24 bekommt am Donnerstag einen neuen Namen. Eine große, auch im Programm spürbare Reform ist mit der Umbenennung zwar nicht verbunden. Für den Springer-Konzern dürfte der Schritt dennoch einen mittleren Triumph darstellen.

Von David Denk

Wenn es um die von langer Hand geplante Umbenennung des Nachrichtensenders N 24 in Welt geht, ist dem Verlagshaus Axel Springer offenbar kaum ein Vergleich zu kühn: "Es ist ein bisschen wie in einer guten Beziehung", heißt es auf welt.de in eigener Sache, "irgendwann entscheidet man sich auch nicht nur zusammen zu sein, sondern EINEN Namen zu tragen." Zweierlei lässt sich daraus ableiten: Bei Springer herrscht auch im Jahr 2018 offenbar noch ein ziemlich konservatives Rollen- und Familienbild vor, in dem Heirat und Namenswechsel Hand in Hand gehen. Und: Die Welt ist dem Konzern gerade so genug.

Seit Dezember 2013 gehört N 24, Marktführer im Bereich der kommerziellen Nachrichtensender mit einem Marktanteil von 1,5 Prozent, zu Springer, und seit Juli 2015 läuft ein Prozess, der mit der Vereinigung von Fernseh-, Print-, Online- und Digitalangeboten unter dem Markendach Welt an diesem Donnerstagmorgen um 3 Uhr abgeschlossen sein wird (und vollends nach Abschluss des Neubaus neben der Springer-Zentrale auch an einem gemeinsamen Standort): Dann ist N 24 Geschichte, nur im Spartensender N 24 Doku soll der alte Name vorerst weiterleben.

Für Springer ist dieser Schritt ein mittlerer Triumph, lässt er doch die Erinnerung an gescheiterte Fernseh-Ambitionen weiter verblassen: Zwar sprach Unternehmensgründer Axel Springer schon 1970 von neuen, großen Aufgaben "auf dem Gebiet der audiovisuellen Kommunikationsmittel", doch zog man später als Gesellschafter des neuen Privatsenders Sat 1 den Kürzeren gegenüber Miteigentümer Leo Kirch. 2005 scheiterte dann eine Mehrheitsübernahme bei Pro Sieben Sat 1 am Einspruch der Kartellwächter. Springer und das Fernsehen, das ist also eine lange, aus Konzernsicht in großen Teilen jedoch unbefriedigende Liebe.

"Bleibt alles beim Neuesten" lautet der Claim, mit dem der Sender die Umbenennung bewirbt, hinzu kommt die Website n24wirdwelt.de. Das klingt sehr nach Kontinuität im Wandel, nach "Raider heißt jetzt Twix, sonst ändert sich nix" - und ist auch so gemeint: "Das, was die Zuschauer heute lieben, wird auch künftig den Sender ausmachen", heißt es in einer Mitteilung. Was die Zuschauer demnach lieben, wird beim beispielhaften Blick ins Mittwochs-Programm deutlich: Dominiert wird es von Dokus wie Zielscheibe Erde - Angriff aus dem All oder Freaks auf sechs Beinen - Unglaubliche Insekten. Dazu sollen mehr eigen- wie koproduzierte Inhalte kommen. Der Wert, den Springer in der Pressemitteilung "Nachrichten, insbesondere Live-Berichterstattung" einräumt, spiegelt sich im Programm jedenfalls nicht direkt wider. Es sei denn, es passiert mal wirklich was, und die Reporter rücken mit dem Ü-Wagen aus.

Hauptprofiteur der Fusion ist schon jetzt welt.de: Das erklärte Ziel der Nachrichtenseite ist es, ihren Nutzern zu jedem behandelten Thema auch einen Bewegtbildbeitrag anzubieten, was dank der Zugriffsmöglichkeit auf Material von N 24 leicht erreichbar ist. Im besten Fall entstehen so sinnvolle Ergänzungen, im schlechtesten Doppelungen von Film und Text.

Zumindest eins wird sich aber schon ändern: Verwechslungen mit der Konkurrenz von N-tv aus der RTL-Gruppe dürften künftig ausgeschlossen sein.

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