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N24 statt Das Vierte:Ein neuer Deal?

Der russische Medienunternehmer Dmitrij Lesnewski hat den TV-Sender Das Vierte verkauft. Jetzt will er den Nachrichtenkanal N24 übernehmen.

Deutschland scheint ihm zu gefallen. Deshalb möchte der russische Medienunternehmer Dmitrij Lesnewski hier gerne richtig Fuß fassen. Richtig meint: den Nachrichtensender N24 zu übernehmen. Dazu verkaufte er vergangene Woche erst einmal seinen Kanal Das Vierte an die Münchner Phoenix Medien GmbH. "Ich möchte mich zukünftig wieder auf Projekte konzentrieren, in der für mich inhaltliche und publizistische Herausforderungen im Vordergrund stehen", sagt er. Für Lesnewski war die TV-Station schon seit Längerem keine Herzensangelegenheit mehr, sondern nur eine Möglichkeit, Geld zu verdienen.

Neues Logo von N24, 2003

Interesse an News: Dmitrij Lesnewski will N 24 kaufen.

(Foto: sz.sonstige)

Mehr Enthusiasmus bringt er jetzt wohl in die Verhandlungen mit ProSiebenSat.1 ein. Deren Nachrichtensender N24 würde er zu gerne kaufen. News wollte er schon vor zwei Jahren bei Das Vierte zeigen. Daraus wurde nichts, weil sich das Genre - auch aufgrund der Wirtschaftskrise - nicht refinanzieren ließ.

Heute hat Lesnewski VPRT-Präsident Jürgen Doetz und Ex-RTL II-Geschäftsführer Josef Andorfer als Berater an seiner Seite. Beide kennen die Gepflogenheiten des deutschen Markts. Der Plan des russischen Unternehmers sieht vor, N24 alleine zu betreiben, aber von SevenOne Media vermarkten zu lassen. Die Nachrichten und Dokumentationen könnten an kleine deutsche Sender, aber auch an internationale TV-Stationen verkauft werden.

N24-Betriebsrat wehrt sich

Denn selbst produziert werden sollte auf jeden Fall: Dokus über deutsche Unternehmer und Firmen. Denkbar sei auch, schwierige Wissenschaftsthemen populär darzustellen. Die Mitarbeiter sollen bleiben können - so ist aus dem Umfeld zu hören. Genug Geld hat der Unternehmer: Vor fünf Jahren verkauften er und seine Mutter, Irena Lesnevskaya, den Fernsehsender Ren TV an Sewerstal, eines der größten Industrie-Unternehmen Russlands. Für 84 Millionen Euro übernahm Sewerstal einen 70-prozentigen Anteil. Die RTL Group erstand für eine unbekannte Summe 30 Prozent der Aktien.

Auch beim jetzigen Deal mit der Phoenix Medien GmbH dürften sicherlich ein paar Millionen Euro den Besitzer gewechselt haben - zuletzt wurde im Markt der Preis von 17Millionen Euro kolportiert. Das Image war zwar verheerend, aber die Zahlen schwarz. Gut zwölf Millionen Euro Umsatz sollen Teleshopping, Astro-Shows und ein paar abendliche US-Serien im vergangenen Jahr in die Kasse gespült haben.

Für 2010 rechnet man in der Münchner Maria-Theresia-Straße mit 30 Millionen Euro. Ob Lesnewskis Rechnung aufgeht, wird sich zeigen: Ende Juni will ProSiebenSat.1-Vorstandschef Thomas Ebeling entscheiden, wie es mit N24 weitergeht. Gerade wehrt sich der N24-Betriebsrat gegen einen Verkauf. Auch ein Management-Buy-out unter Führung von Geschäftsführer Torsten Rossman und Ex-Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust überzeugt die Mitarbeiter nicht.

Gesichert ist dagegen die Zukunft von Das Vierte. Der neue Chef ist gleichzeitig ein alter Bekannter: Ulrich Ende, bis März 2002 Geschäftsführer von N24. Er will den Sender "als Vollprogramm positionieren". Phoenix Medien verfüge über weitreichende Filmpakete. "Außerdem wollen wir mit Produzenten zusammenarbeiten", verkündet Ende. Mehr Inhalte würde auch die zuständige Landesmedienanstalt in Nordrhein-Westfalen, die LfM, begrüßen. Die bemängelte bei Lesnewkis Sendeschema: "Programmlich ist das, was gegenwärtig bei Das Vierte zu sehen ist, zu wenig."

Mehr zu W & V unter www.wuv.de