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N24: "Hermes" mit Jürgen Doetz:Betrater in Doppelfunktion

Auch mit dem ein oder anderen Sozialdemokraten versteht sich Doetz gut, der im Übrigen als Vizepräsident des Erstligisten Mainz 05 im Fußball gut vernetzt ist.

So einer wie der umtriebige Veteran des deutschen Privatfunks ziert einen russischen Millionär. In Medienberichten bestätigte Jürgen Doetz, er sei von Lesnewski gefragt worden, ob er den Verkaufsprozess als Berater begleiten und - bei Erfolg für einen Zuschlag bei N24 - eine führende Aufgabe übernehmen würde. Eine derartige Aufgabe, könnte ihn reizen, erklärte Doetz.

Dabei soll es sich, so Informationen von sueddeutsche.de, um die Funktion eines Senderchefpräsidenten handeln. Dann wäre Doetz, der einst als politischer Redakteur des Pfälzer Tageblatts angefangen hat, in der Riege der wichtigen Macher angekommen. Während Engeweihte schon von einer Geschäftsführertätigkeit sprechen, heißt es im Umfeld von Doetz, es gehe um einen Aufsichtsratsposten.

Knick in der Optik

Es geht um viel, immerhin soll N24 auch weiterhin den Sendern Sat 1, Pro Sieben und Kabel 1 die Nachrichten liefern. Dass sie womöglich sozusagen aus russischer Hand kämen, dieser Gedanke wird für einige vielleicht erträglich, wenn sie den gestandenen Christdemokraten an vorderster Stelle wissen, der einst im Umfeld der Freunde Helmt Kohl und Leo Kirch aktiv geworden war.

Ein wenig stört in der Optik nur, dass Doetz auch für die Pro Sieben Sat 1 Media AG als Berater aktiv ist - also auf Seiten des Verkäufers jenes Senders N24, den er künftig gerrne leiten möchte. Auch war Doetz einige Jahre Vorstand der börsennotierten Pro-Sieben-Gruppe. Dem kritischen Beobachter könnte sich hier der Gedanke aufdrängen, es läge ein klassischer Interessenskonflikt vor.

Noch nicht unterschrieben

Doetz sähe darin kein Problem, erfährt sueddeutsche.de aus dem Umfeld des Consultants, er habe als Pro-Sieben-Sat1-Berater mit dem Verkaufsprozess von N24 nichts zu tun gehabt. Außerdem habe Doetz die Münchner Sendergruppe sofort über das vorliegende Angebot des Russen informiert. Mitte voriger Woche sei es soweit gewesen, heißt es in Kreisen der Pro-Sieben-Gruppe. Ja, Doetz kümmere sich für den Konzern vor allem um regulatorische Fragen, um Dinge wie Werberegeln und Staatsverträge.

Und doch sagt ein Manager der Pro-Sieben-Gruppe: "Einige sind fast vom Stuhl gekippt, als Doetz die Sache mit dem Russen öffentlich machte." Machen die russischen Geldgeber im Hintergrund Druck? Haben einige Angst, man befasse sich zu stark mit dem Schicksal des Lesnewski-Senders Das Vierte, der nach vollmundigen Ankündigungen nahezu in der Versenkung verschwand und bestenfalls durch die Nachricht punkten kann, dass es ihn noch gibt?

Offiziell ist ja noch gar nichts passiert. Der Vertrag liege bei Doetz auf dem Schreibtisch, unterschrieben habe er ihn jedoch noch nicht. Und all die vorliegenden Kauf-Angebote für N24 müssen erst einmal bewertet werden. Kommt es überhaupt in der Causa Hermes zum Vollzug?

Ob die Pro Sieben Sat 1 Media AG ihren Nachrichtensender überhaupt verkauft, ist nicht wahrscheinlicher geworden. N24 könnte ja nach einer Restrukturierung weiter im Verbund bleiben - und Jürgen Doetz wäre dann Berater. Alles wie gewohnt. Oder er kauft für sich und die Russen halt einen anderen Sender.