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Medienkolumne "Unser Beitrag":Diese sehr ernsten Scherze

Unser Beitrag
(Foto: Steffen Mackert)

"München Mord" fängt so liebenswert, skurril und pointiert wie keine andere Serie die bayerische Landeshauptstadt ein.

Von Nicolas Freund

Eigentlich ist die ganze Serie ein großer Witz, der so beginnt: Treffen sich ein Irrer, ein Macho und eine gescheiterte Künstlerin. Denn es sagt eben kaum etwas so viel über eine Stadt aus, wie die Menschen, die sie bewohnen. Das haben auch die Macher des ZDF-Krimiformats München Mord begriffen, und ihr Ermittlertrio ist in keiner anderen Stadt als München vorstellbar.

Der Chef Ludwig Schaller, sehr authentisch gespielt von Alexander Held, ist ein kauziger Grantler, wie ihn nur die bayerische Landeshauptstadt hervorbringen kann. Aus tiefster Hassliebe für seine Heimat sinniert er zu Postkartenbildern vom Isarufer und dem bunt leuchtenden Bahnhofsviertel über die Abgründe hinter der schönen Fassade der Stadt. Selbst aus kleinsten Details gelingt es ihm, einen Tathergang abzuleiten und sich mit traumwandlerischer Sicherheit an der Grenze zum Wahnsinn in Täter und Opfer hineinzuversetzen. Wenn es sein muss, lässt er sich auch mal selbst durch einen reißenden Fluss treiben oder nackt in einer Kiste einsperren.

TV Ausblick ZDF - München Mord - Der Letzte seiner Art

Ermittlungen beim Kostümball: Die Kommissare Harald Neuhauser (Marcus Mittermeier), Angelika Flierl (Bernadette Heerwagen) und Ludwig Schaller (Alexander Held), letzterer in Zivil.

(Foto: Jürgen Olczyk/dpa)

Bernadette Heerwagen als Angelika Flierl und Marcus Mittermeier als Harald Neuhauser sind wie ihr Chef so eine Art personifiziertes München. Neuhauser kann herrlich dumm gucken und erinnert mit diversen Affären an einen wiedergeborenen Monaco Franze. Kollegin Flierl, aus unerfindlichen Gründen heillos in diesen Möchtegern-Stenz verknallt, wäre lieber Musikerin als Polizistin geworden, aber mit einem Talent, das gerade für die Ukulele reicht, war die große Bühnenkarriere dann doch zu weit weg. Am Ende müssen in der schönen Stadt halt doch alle arbeiten, um ihre absurde Miete zu bezahlen. Das ist die ernste Pointe dieses München-Witzes.

Es geht immer um Schein und Sein. In jeder Folge, viele davon sind gerade in der ZDF-Mediathek zu sehen, greifen die Drehbuchautoren, zu denen auch Friedrich Ani gehört, Themen und reale Kriminalfälle aus der Stadt auf: brutale Immobiliengeschäfte dies- und jenseits der Legalität, Prostitution im Nobelklub, Handel mit Nazidevotionalien und der bis heute unaufgeklärte Isarmord. So abgedreht und gleichzeitig so nah am echten Leben sind Serien über München selten.

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© SZ/cag
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