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ARD-Serie "Mord mit Aussicht":Mehr seicht als subversiv

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"Mord mit Aussicht" ist nach sieben Jahren Pause zurück. Ein neues Ermittlertrio sorgt für sechs neue Folgen Schmunzelkrimi - aber die Serie war mal mehr als das.

Von Lena Reuters

Die kleine Polizeiwache im fiktiven Hengasch in der Eifel wurde in dem Quotenhit Mord mit Aussicht zu einem Wimmelbild der liebevoll ausgeleuchteten Kuriositäten des Dorflebens. Hier traf die Gemütlichkeit des biederen Vorzeigedorfbewohners Dietmar Schäffer (Bjarne Mädel) und die verlässliche Bodenständigkeit von Bärbel Schmied (Meike Droste) auf den fast kindlichen Abenteuerdrang der ambitionierten Kölner Ermittlerin Sophie Haas (Caroline Peters). Nach sieben Jahren Kreativpause ist der Publikumsliebling zurück - nicht nur mit neuen Geschichten, sondern auch mit neuen Gesichtern. Und wieder einmal zeigt sich: Eine einmalige Produktion wie diese, lässt sich nicht so einfach wiederbeleben.

In den ersten Minuten dieser vierten Staffel heißt es "Zurück auf null!". Der Hauptcast, bestehend aus Caroline Peters, Bjarne Mädel und Meike Droste, ist fort. Stattdessen sind drei Neue am Zug: Dienstgruppenleiterin Marie Gabler (Katharina Wackernagel), Polizeihauptmeister Heino Fuss (Sebastian Schwarz) und Kommissarsanwärterin Jennifer Dickel (Eva Bühnen). Der Grundkonflikt in der Konstellation bleibt gleich - zwei Hengascher treffen auf eine Großstädterin aus Köln. Marie Gabler wird ebenso wie seinerzeit Sophie Haas unfreiwillig in die Eifel versetzt und muss sich an die hermetische Dorfgemeinschaft ran tasten. Sie tritt dabei deutlich Vernunft geleiteter und interessierter als ihre Vorgängerin auf. Ihre Kompagnons sind optisch näher an Schäffer und Schmied als in ihrer Charakterzeichnung. Der alleinerziehende Vater Heino Fuss mit der blonden Pumuckl-Frisur weiß geregelte Abläufe zwar ebenso zu schätzen wie Dietmar Schäffer, sucht aber deutlich mehr nach Anerkennung. Jennifer Dickel als Küken der Polizeiwache wirkt in ihrem Auftreten so ungelenk, dass sich das Gefühl einstellt, dass der Slapstick hier ernster genommen wird als die Figur.

Vieles aus dem Hengasch-Kosmos blieb erhalten. Fans der Serie können sich auf ein Wiedersehen mit liebgewonnenen Dorf-Urgesteinen, wie Petra Kleinert als nun verwitwete Heike Schäffer oder Michael Hanemann als Chef a. D., Hans Zielonka, freuen. Bier getrunken wird noch in der Gaststätte "Aubach". Den neuesten Tratsch erfährt man noch beim Einkaufen im Dorfladen. Mit der launigen Musik von Andreas Schilling im Ohr trifft das neue Ermittlertrio auf die miesepetrige Wirtin Lydia oder Frau Ziegler, die mit dem Rollator durch die Straßen schleicht. Und so reiht sich diese vierte Staffel mit bekannten wie neuen Orten und Gags ein in das Genre der putzigen Schmunzelkrimis, doch wie die SZ bereits in ihrer Kritik zur dritten Staffel schrieb - diese Serie war mal mehr als das.

Bei Mord mit Aussicht passte zu Beginn alles zusammen: Von der präzise geschriebenen Figurenkonstellation von Marie Reiners, die ein regionales Sittengemälde entwarf, über das starke Ermittlertrio aus Peters, Mädel und Droste, das durch Mimik und Dynamik herausstach, bis zu einer stets auf Timing und Liebe zum Detail bedachten Inszenierung. Der Humor war in den starken Folgen nicht seicht, sondern subversiv. Die sechs neuen Folgen sind kurzweilig, skurril und voller Klamauk, sie haben der Serie aber nichts Entscheidendes hinzuzufügen. Denn das, was Mord mit Aussicht ausgezeichnet hat, birgt die vierte Staffel leider nicht - Originalität.

Mord mit Aussicht, ARD

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