"Monster bei der Arbeit" auf Disney+:Schreck lass nach

CUTER, VAL, FRITZ, TYLOR

Tylor Tuskmon (rechts) wollte ein professionelles Monster werden - jetzt hockt er dummerweise im Facility Management.

(Foto: Disney)

Die Pixar-Serie "Monster bei der Arbeit" ist eine Fortsetzung des Animationsfilms "Die Monster AG" und löst trotz Mängeln ein sehr wohliges Disney-Club-Gefühl aus.

Von David Steinitz

Glubschaugen, Reißzähne, Krallen - solche Attribute hat man als Monster ja nicht zum Spaß. Um die Stadt Monstropolis mit Strom zu versorgen, erschrecken die Angestellten von "Monsters, Incorporated" seit Urzeiten Kinder - denn aus deren Angstgeschrei kann man Energie gewinnen. Das war die Prämisse des Pixar-Hits "Die Monster AG" aus dem Jahr 2001. Der Animationsfilm endete allerdings damit, dass die zwei Monsterhelden Mike und Sulley herausfinden, dass es eine viel bessere Energiequelle als Angst gibt: Gelächter.

Was für monströse Umschulungsmaßnahmen das nach sich zieht, wenn professionelle "Schrecker" plötzlich auf "Scherzer" umstellen müssen, hatte der Kinofilm aber nicht mehr gezeigt. Das besorgt jetzt zwanzig Jahre später die Serie "Monster bei der Arbeit", die für Disney+ produziert wurde und von Mittwoch an läuft. Der Streamingdienst treibt das Selbstrecycling des Disney-Konzerns noch weiter auf die Spitze, als es die Kinosparte des Unternehmens ohnehin schon tut. Alle Subsparten müssen jetzt in Serie gehen, von Marvel über "Star Wars" bis Pixar. Monster bei der Arbeit ist die zweite Serie, die auf einem Klassiker aus dem Backkatalog des Animationsstudios beruht, nach dem "Toy Story"-Ableger Captain Buzz Lightyear.

Klassenbester im Erschrecken an der Monster-Uni, und dann soll man Witze erzählen?

Die beiden Protagonisten des "Monster AG"-Kinofilms, Mike und Sulley, haben in der Serie einen Gastauftritt und werden in der Originalfassung auch wieder von Billy Crystal und John Goodman gesprochen. Held der neuen Geschichte ist aber eine andere Figur: Tylor Tuskmon ist ein zielstrebiges Jungmonster, das soeben als Klassenbester die Monster-Universität abgeschlossen hat und endlich seinen Traumjob als Schrecker bei der Monster AG antreten will. Dummerweise ist sein erster Arbeitstag direkt nachdem Mike und Scully herausgefunden haben, dass sich durchs Scherzen viel mehr Energie erzeugen lässt als durchs Schrecken. Weshalb Tyler erst mal ins Hausmeisterteam der Firma versetzt wird, weil keiner mehr weiß, was man mit einem professionellen Schrecker anfangen soll. Es folgt ein sehr disneyaffines Kuddelmuddel, in dem Tyler seinen Platz in der neuen Scherzfirma finden muss, wo statt Schlachtgeheul plötzlich Slapstick angesagt ist.

SULLEY, MIKE, CELIA

Sulley und Mike, die beiden Helden der Kinovorlage, haben in der Serie einen Gastauftritt.

(Foto: Disney)

Die Serie leidet ein bisschen unter einem Problem, das auch bei manchen Pixar-Kinofilmen bereits offensichtlich wurde: Je mehr das Unternehmen produziert, desto öfter leiden der Perfektionismus und die Detailbesessenheit, die aus den frühen Pixar-Werken ein Spektakel gemacht haben, weil die Geschichten und die Animationen immer einen Dreh smarter und komischer waren als alle anderen Trickproduktionen Hollywoods. Dieser Standard wird in den zehn knapp halbstündigen Folgen von Monster bei der Arbeit nicht immer erfüllt, zumindest nicht in denen, die Disney vorab zur Sichtung bereitgestellt hat.

Andererseits muss ja auch nicht immer alles perfekt sein. Das waren die alten Disneyserien der Achtziger- und Neunzigerjahre ja auch nicht. Und wer noch nie der Versuchung erlegen ist, aus Nostalgie auf Disney+ ein bisschen Darkwing Duck oder Ducktales zu schauen, der werfe den ersten Stein. Genau in dieser Tradition löst auch Monster bei der Arbeit ein sehr wohliges Disney-Club-Gefühl aus.

Monster bei der Arbeit, zehn Folgen, ab 7. Juli auf Disney+.

© SZ/cag
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