bedeckt München 23°

Monica Lierhaus bei "Beckmann":"Geht nicht gibt's nicht"

Monica Lierhaus und Reinhold Beckmann

Monica Lierhaus mit ihrem Kollegen Reinhold Beckmann während der Aufzeichnung zu seiner Sendung in Hamburg.

(Foto: Christian Charisius/dpa)

In Zeiten der maximalen Selbstoptimierung wirkt kaum etwas verstörender als ein Körper, der plötzlich nicht mehr kann. Wie sich nach Schicksalsschlägen "der Weg zurück" anfühlt, wollte Reinhold Beckmann von seinen Gästen erfahren, darunter seine Kollegin Monica Lierhaus. Zu sehen gab es einen ungewöhnlich optimistischen Talk.

Es heißt oft, dass Menschen, die dem Tod nahe waren, die Dinge mit mehr Gelassenheit angehen. So erklärt es sich wohl, dass der Abend bei "Beckmann" eine für Talkverhältnisse so unaufgeregte Runde war. Einmal kein Gezeter, keine Egotrips, keine Runde nahe am Burn-out, dafür viel Hoffnung, viel Nicken, freundliche Worte füreinander.

Arbeit? Ein Lebenselixier, sagt TV-Moderatorin Monica Lierhaus. Der größte Wunsch? Noch selbständiger zu werden, sagt der Musiker Stefan Tiefenbacher. Hat es Sinn zu hadern? Nein, sagt Kanzlersohn Walter Kohl, der Tiefenbacher unterstützt und lange mit der eigenen Familiengeschichte kämpfte. Ganz entscheidend für die Genesung? Liebevolle Unterstützung, zeigt Lierhaus' Schwester Eva.

Rückkehr perfekt inszeniert

Sowohl Lierhaus als auch Tiefenbacher wurde von Ärzten attestiert, sie müssten ihr restliches Leben im Rollstuhl verbringen - die Moderatorin nach langem Koma wegen einer Gehirnoperation, Tiefenbacher nach einem unverschuldeten Motorradunfall. Tiefenbacher dürfte den meisten Zuschauern unbekannt sein, seine Geschichte wird präsentiert wie ein Albtraum mit Happy End. Alles musste er neu lernen mit Anfang 20, sprechen, lesen, gehen. Die Familie erzählte ihm sein Leben von vorn, Erinnerungen waren ihm keine geblieben. Heute spielt er mit dem geretteten Arm einhändig Saxophon und würde gerne den damaligen Unglücksfahrer treffen, um ihm seine Schuldgefühle zu nehmen.

Tiefenbacher gegenüber sitzt Monica Lierhaus, und während er eine sehr private Geschichte beschreibt, ist es bei ihr auch ein öffentliches Drama. Zwei Jahre lang waren Anwälte aktiv, um den einstigen Star der Sportschau in der schlimmsten Zeit der Krankheit vor Berichterstattung zu schützen. Die Rückkehr ins Rampenlicht schien dann perfekt inszeniert: Bei der Verleihung der Goldenen Kamera im Februar 2011 trat die damals 40-Jährige als Überraschungsgast vor ein verblüfftes Publikum. "Verlegenheit" war dann zu spüren im Saal, erinnert sich Beckmann, als sie ihrem Lebensgefährten Rolf Hellgardt vor Millionen Zuschauern einen Heiratsantrag machte. Längst hat sie das in Interviews als Fehler bezeichnet, er "konnte ja nur Ja sagen". "Dass das die falsche Bühne war, der falsche Ort und die falsche Zeit, das wusste ich hinterher auch", wiederholt Lierhaus bei Beckmann. Und freut sich, dass die Beziehung auch das überstand.

Die Frage, warum sich Lierhaus seit der Goldenen Kamera derart der öffentlichen Neugier und Sensationslust ausgesetzt hat und inwiefern das medial ausgeschlachtet wurde, hat seither viele beschäftigt. Die Dinge müssten dort geheilt werden, wo sie begonnen haben, sagt Walter Kohl - im Fall von Lierhaus sei das eben im Fernsehen. Das Starren, das Gaffen auf der Straße, all das sei deutlich besser geworden, seit Lierhaus wieder aktiv in der Öffentlichkeit steht, so ihre Schwester Eva. Negative Reaktionen auf die offensive Rückkehr der Moderatorin habe sie eher in den Medien als beim Publikum erlebt nach der Goldenen Kamera.