Moderator Ranga Yogeshwar Mediale Kirmesbuden

Moderator Ranga Yogeshwar sucht in deutschen Turnhallen nach der "Generation Internet" und erklärt dem öffentlich-rechtlichen Fernsehpublikum, wie die Jugend wirklich ist.

Von Hans Hoff

Manchmal bewegt das Fernsehen doch etwas. Diese Erfahrung machte jedenfalls vor einiger Zeit ein älterer Tennisspieler, der auf dem Platz zusammenbrach und keine Lebenszeichen mehr von sich gab. Ein Zwölfjähriger eilte herbei und überbrückte die Zeit bis zum Eintreffen des Notarztes sehr erfolgreich mit einer Herzdruckmassage.

Das Meiste, was im Fernsehen läuft, ist Moderator Ranga Yogeshwar suspekt: "Ich agiere in einem Raum, der sich zunehmend füllt mit medialen Kirmesbuden", sagt er. 

(Foto: WDR/Klaus Görgen)

Auf die später gestellte Frage, wie er denn auf die lebensrettende Maßnahme gekommen sei, antwortete er, das habe er bei Quarks & Co gesehen. Von der Begebenheit erfuhr der Moderator Ranga Yogeshwar durch eine Mail der Mutter des Jungen; schöner könnte man eine Geschichte über den Sinn von Bildungsfernsehen vermutlich nicht mal erfinden. "Irgendwo bewegt man was", sagt Yogeshwar, und scheut nicht vor der Auskunft zurück: "Ich habe die Hoffnung, etwas verändern zu können. Wenn ich die nicht hätte, würde ich aufhören."

Man sollte das wissen, wenn man den 51-Jährigen auf dem Bildschirm erlebt. Dort gibt er beim WDR und in der ARD gerne den lockeren Showmaster, der sich leichtfüßig durch die Welt der Wissenschaft bewegt, Rätsel löst und Staunenswertes aus dem Alltag erklärt. Er tut das bei Quarks & Co, bei Wissen vor 8 und in Die große Show der Naturwunder. Aber er ist eben nicht nur der Erklärbär im bunten Jackett, sondern Yogeshwar ist vor allem ein ernsthafter Mensch mit Anliegen, die über die Quote einer lustigen Sendung hinausreichen.

Generation Internet

Das zeigt sich besonders bei den nächsten drei Folgen von Quarks & Co, die sich mit der "Generation Internet" befassen. Den etwas ratlos klingenden Titel hat die Redaktion der Wissenssendung gewählt, weil sie keinen besseren fand, mit dem sie "die Jugendlichen" zusammenfassen konnte. Um deren Welt soll es aber in den drei Sendungen gehen. Wie lernen sie, was essen sie, wie bewegen sie sich, was tun sie, wenn sie nichts tun, lauten die Fragen, auf die Antworten gesucht werden.

Zu diesem Zweck hat Quarks & Co Schulen besucht, hat Teenagern Kameras in die Hand gedrückt, damit sie ihren Alltag selber filmen, hat sie auch in der Turnhalle beobachtet und Erschreckendes notiert. "Ein relevanter Teil der Jugendlichen kommt die Seile nicht mehr hoch", sagt Yogeshwar. Als er kürzlich am Flughafen durch den Sicherheitscheck musste, erzählte ihm zudem eine Frau von der Security, dass nach ihrer Beobachtung die Älteren, wenn sie für die Schuhkontrolle einen Fuß heben sollen, problemlos auf einem Bein stehen können, während sehr viele Junge sich dabei abstützen müssen. Quarks & Co ließ dann zum Beispiel die Schüler einer 9. und 11. Klasse einen Fitness-Parcours in der Turnhalle laufen.

Doch nicht nur bei der Bewegung hakt es. "Die Infiltration kommerzieller Interessen in die Welt von Kindern und Jugendlichen war noch nie so groß. Die werden förmlich ausgelutscht. Für den Kommerz müssen Kinder und Jugendliche eine No-Go-Zone sein", fordert der Moderator und nennt als ein problematisches Beispiel das Onlinespiel World Of Warcraft, das nicht wenige junge Spieler stunden- oder auch tagelang beschäftigt. "Man kann zehn Prozent der Nutzer als pathologische Fälle bezeichnen. Die leben schon virtuell. Wir brauchen eine Debatte, ob man World Of Warcraft nicht verbieten sollte."

Kurioserweise ist Yogeshwar so etwas wie ein Star in einem Gewerbe, dem er selbst höchst skeptisch gegenübersteht. Spricht man ihn auf die Verflachung des Fernsehprogramms an, läuft man durch offene Türen. "Die Verantwortlichen in den Sendeanstalten entmündigen den Zuschauer mit ihrem Programmangebot, denn sie setzen auf die Beschränktheit des Sehers, statt den Zuschauer zu fordern", schimpft er und sieht durch die Masse der Seichtsendungen gravierende Auswirkungen auf den Zuschauer. "Wenn jemand mit mir spricht wie mit einem Sechsjährigen, stehe ich auf und sage: Ich bin nicht blöd. Was aber passiert, wenn alle mit mir reden wie mit einem Sechsjährigen?"

Mediale Kirmesbuden

Das erzeugt natürlich die Frage, warum es in "Generation Internet" nicht einen vierten Teil zum Thema Fernsehen gibt. "Das kommt drin vor", beruhigt er, der sich mehr und mehr unwohl fühlt in seiner Umgebung. "Sie lassen mich machen, aber ich agiere in einem Raum, der sich zunehmend füllt mit medialen Kirmesbuden und Tombolaständen."

Die Klage klingt laut, aber Yogeshwar kann sich auch prima wieder einkriegen. Dann tut er kurz so, als erschrecke ihn die Wucht seiner Worte. Aber natürlich weiß er sehr wohl, dass das Geschäft, das ihn ernährt, auch seine guten Seiten für ihn hat. Erst kürzlich durfte er für Die große Show der Naturwunder in die Wälder Ungarns und ist dort einem Rudel Wölfe sehr nahegekommen. Am Ende haben sie sogar mit ihm geheult und ansatzweise geschmust und ihn nebenbei ein bisschen mit dem Medium versöhnt. "Das sind die Momente, wo ich sehr glücklich von Drehs zurückkomme und sage: Das Fernsehen ist wunderbar."

Quarks & Co - Generation Internet, WDR, dreimal dienstags, 21 Uhr; Die große Show der Naturwunder, ARD, 26. August, 20.15 Uhr.