Miniserie in der ARD Sherlock Holmes ans iPhone, bitte!

Er ist ein digitaler Irrer, hyperaktiv, sexuelle Vorlieben rätselhaft: Die ARD zeigt die wunderbare BBC-Miniserie "Sherlock", die den Plot des klassischen Sherlock Holmes mit der Idee vom digitalen Genie kombiniert. Dr. Watson bloggt sogar seine Erlebnisse mit dem Detektiv. Anschauen!

Von Von Katharina Riehl

Es dauerte nur ein paar Jahre. Dann wollte Sir Arthur Conan Doyle jene Figur, die er erschaffen hatte und die ihn auch später auf der Welt berühmt machen sollte, unbedingt wieder loswerden. 1887, Doyle war 28 Jahre alt, hatte der britische Arzt eine erste Erzählung über den consulting detective, den beratenden Detektiv Sherlock Holmes, geschrieben.

Kein Fall ist ihnen zu schwer: Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch, li.) und Dr. John Watson (Martin Freeman) in der ARD-Miniserie "Sherlock".

(Foto: ARD Degeto/BBC/Hartswood Films)

Eine Studie in Scharlachrot erzählte von den Anfängen der seltsamen Beziehung des Ermittlers und seines Assistenten, des Kriegsversehrten Dr. Watson. Doch schon 1893 ließ Doyle seinen Sherlock, entnervt vom Arbeitsaufwand der Serie, sterben. Der böse Professor Moriarty stieß ihn einen Wasserfall hinab. Doch Holmes war so leicht nicht totzukriegen.

Die Figur des morphiumverfallenen, violinespielenden Dandys wurde nicht nur von Doyle selbst wieder zum Leben erweckt, als es ihm um 1900 für seine literarischen Zwecke passend erschien. Holmes ist bis heute fester Bestandteil der Popkultur, sodass es nur verwunderte, dass ihn ein Drehbuchautor so spät mit iPhone und Laptop ausstattete und ihn in London ermitteln ließ.

Sherlock, die Hauptfigur der dreiteiligen BBC-Miniserie, mit der die ARD gerade sehr erfolgreich den sommers stets freien Sendeplatz der politischen Sonntagstalkshow bespielt, ist ein digitaler Irrer. Er ist hyperaktiv, sexuell nicht einzuschätzen (so einer liebt eher beide Geschlechter, je nach Laune). Und er ist genial. Der originale Holmes war ein begnadeter Naturwissenschaftler und Logiker. "Sherlock 21" (Benedict Cumberbatch) beherrscht auch die digitale Welt.

Die Modernität von Sherlock - und darin liegt die Stärke - beschränkt sich nicht darauf, dass Dr. Watson seine Erlebnisse mit Holmes bloggt. Der Serie gelingt es, die Idee des digitalen Genies vollständig in den Plot zu integrieren.

Eine Ästhetik, die an "Minority Report" erinnert

In der ersten Episode - Eine Studie in Pink - finden die Ermittler eine Leiche. Auf dem Fußboden steht: R-A-C-H- E. In Doyles Buch ist damit das deutsche Wort "Rache" gemeint. In der BBC-Serie lautet die Auflösung R-A-C-H-E-(L) - es ist ein Computerpasswort.

Inszeniert werden die drei Teile in einer Ästhetik, die an Minority Report und andere Tom-Cruise-Blockbuster erinnert. Bekommt eine Figur eine SMS, ist der Text in weißen Buchstaben auf dem Bildschirm eingeblendet.

Vor allem haben die Autoren Steven Moffat und Mark Gatiss, die für die BBC schon die Serie Dr. Who schrieben, auch die Erzählstruktur modernisiert. Der Detektiv klärt keine Fälle aus dem Polizeialltag auf. Sherlocks Jagd durch London ist ein Spiel, zu dem ihn sein Gegenspieler Moriarty (der bei Doyle nur zu Sherlocks Tod entscheidend beiträgt) herausfordert.

In Folge Drei bindet Moriarty Bomben an Unbeteiligte und gibt Sherlock zwölf Stunden Zeit, Rätsel zu lösen, andernfalls sprengte er Bombe und Mensch. Sherlock bricht mit der klassischen Kriminalfilmstruktur. In so einem Sommer, den ARD und ZDF sonst vorrangig mit Krimi-Wiederholungen der vergangenen 20 Jahre bestreiten, ist das beinahe luzide.

Sherlock ARD, Sonntag, 21.45 Uhr.

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