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Mini-Serie "Die Bibel" auf Vox:Best of Bibel

Jesus liebt dich: Hauptdarsteller Diogo Morgado.

(Foto: Vox)

Mark Burnetts Serien-Verfilmung der Bibel kommt in bester amerikanischer Fernsehtradition daher: Theologisches wird von der Kostümabteilung behandelt, existenzielle Fragen werden an der Frisierkommode erledigt. Und Jesus ist sogar noch schöner als auf den Bildern des "Wachtturm".

Am Anfang, die Älteren erinnern sich vielleicht noch, war die Erde wüst und leer, aber dann kam das Kino und zauberte Abenteuer sonder Zahl auf diese wüste Leere. Die Geschichten aus der Bibel waren ideale Vorlagen für die Geschichten, die das Kino brauchte: abenteuerlich, unbegreiflich, aber immer riesenhaft.

Niemand musste glauben, dass sich das alles buchstäblich so zugetragen hatte, aber wenn eine unsichtbare Hand graphematisch korrekt die Zehn Gebote von rechts nach links in Stein brannte, war auch der Atheist in der letzten Reihe davon überzeugt, dass hier ein Wunder geschah. Deshalb konnte der britische Regisseur Michael Winner die Frage, welches Buch er mit auf eine einsame Insel mitnehmen würde, nur dergestalt beantworten: "Natürlich die Bibel. Ich habe sie nie gelesen, aber ein Buch, das Ursache für so viele Kriege und Tote ist, kann nicht ganz schlecht sein."

Eine nähere Kenntnis der Bibel mit all ihren wundersamen Begebenheiten von der Himmelsleiter, von der Jakob träumt, bis zur jungfräulichen Geburt, die Maria bewerkstelligt, kann schon lange nicht mehr vorausgesetzt werden. Der amerikanische History Channel hat deshalb eine Kurzversion mit den Greatest Hits herausgebracht. Im weitgehend entchristlichten Deutschland wird aus der Größten Geschichte aller Zeiten, die das Cinemascope-Kino so unvergleichlich erzählen konnte, eine zehnstündige "Eventserie", die von Gründonnerstag an drei Kar-Abenden für fromme Unterhaltung sorgen soll.

Die Bibel ist der Film zur Kulturrevolution nach rückwärts, die sich seit einiger Zeit in den USA ereignet. Gott, das weiß der aufrechte Fundamentalist und predigt es den Ungläubigen bei jeder Gelegenheit, hat die Welt vor genau 5377 Jahren, acht Monaten und zwölf Tagen und zwar um halb vier Uhr nachmittags erschaffen, und wenn diese Besserwisser hämisch auf die Saurier-Knochen verweisen, die sich gelegentlich anfinden, und bei denen jeder Naturwissenschaftler bestätigen wird, dass sie etliche Millionen Jahre älter sind, so weiß besagter Fundi, dass Gott sie eigens vergraben hat, um seine Geschöpfe, die armen Menschen, zu prüfen.

Wie das wirklich zuging bei der Erschaffung der Welt und der Menschen in sechs Tagen, das erzählt Noah in einer produktionstechnisch sparsamen Rückblende, während über seiner Arche die Wasser der Sintflut zusammenschlagen. Paarweise hat Noah das gesamte Viechzeug an Bord genommen, seine Frau ist dabei, seine Söhne, die ganze liebe amerikanische Familie, nur dass diese Söhne in der Bibel bereits erwachsen sind und ihre Frauen mitdurften, wurde im heiligen Eifer vergessen. Zwar dürfte es hinfort mit der im Alten Testament so wichtigen Fortpflanzung schwierig werden, aber auf solchen Kleinkram konnte die Produktion nicht auch noch Rücksicht nehmen.

Sonst gilt das gesprochene Wort Gottes, so kryptisch es sich auch manchmal anhört. Seine Taten, die noch weit rätselhafter sind, werden für den Gebrauch im Kindergottesdienst zurechtfrisiert. An einem Gott, der sich ein auserwähltes Volk sucht und es bei erstbester Gelegenheit ersäuft, der, wenn er schlecht aufgelegt ist, nicht einfach bloß wie ein Teenager schmollt, sondern gleich Feuer und Schwefel herabregnen lässt, der besagtes auserwähltes Volk vierzig Jahre durch die Wüste jagt, der dessen Anführer Moses das Gelobte Land noch so grad sehen lässt, um ihn dann einfach umzubringen, der als insgesamt ziemlich manisch-depressiver Charakter grundsätzlich zu einem verstörend erratischen Benehmen neigt, an dieser unwahrscheinlichsten und deshalb interessantesten Figur der Literaturgeschichte zeigt die Serie jedoch beklagenswert wenig Interesse.

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