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Mini-Miniserie:Vor dem Herrn

Friedrich von Thun (hier mit Veronica Ferres) spielt in "Kleine Sünden" einen Pfarrer, dem prominente Schauspieler von ihren Marotten erzählen.

(Foto: Heimatkanal)

Prominente Schauspieler geben im Heimatkanal in kurzen Episoden "kleine Sünden" preis. Die nicht uncharmante Fingerübung ist die erste Eigenproduktion des Senders.

Die Lebensbeichte ist ja ein boulevardeskes Grundprinzip, die ewige Hoffnung von Klatschmagazinbetreibern: Ach Herr, schenke uns einen deutschen Prominenten, der sein Herz ganz weit öffnet oder die Hosen herunterlässt. Auf dass die frisch Getrennten, die gerade Geläuterten, die von Schicksal, Geldnot und Liebesblödheit Getriebenen exklusiv Geheimnisse ausplaudern - am allerbesten natürlich die Sache mit dem unehelichen Kind.

Aus diesem Urbedürfnis hat der Heimatkanal nun eine Art Mini-Miniserie gemacht, die man stolz als erste fiktionale Eigenproduktion verkaufen kann: Kleine Sünden, 14 Episoden sind schon abgedreht. Die Grundidee ist nicht ganz uncharmant: Die Sünder sind prominente Schauspieler, die im Beichtstuhl von ihren Marotten erzählen, von ihren heimlichen und völlig offensichtlichen Schwächen - die beiden Pfarrer, gespielt von Max von Thun und seinem Vater Friedrich von Thun (im Bild mit Veronica Ferres), hören verständnisvoll nickend, gelegentlich auch gelangweilt oder genervt zu. Was in etwa die Reaktion des Publikums spiegeln dürfte.

Völlig klar: Mehr als eine kurze Begebenheit lässt sich kaum erzählen in fünf bis acht Minuten Sendezeit. Was gibt's also Wichtiges, das etwa Heiner Lauterbach, früher bekanntlich ein großer Sünder und Lebemann vor dem Herrn, auf der Seele brennt? Na ja, gerade das sei ja das Problem, sagt Lauterbach: dass er so kreuzbrav geworden ist, keine Sauftouren mehr unternehme, sich nicht mehr gehen lasse. Wo sind sie geblieben, die wilden Jahre? "Die Hälfte meines Vermögens hab ich für Frauen, Alkohol und Autos ausgegeben", zitiert Lauterbach den nordirischen Fußballgott George Best. Hochwürden Friedrich von Thun nickt mit Kennermiene: Ach, auch er hat seine kleinen Sünden - die er in einer weiteren Episode preisgibt.

In Kleine Sünden ist nicht ganz klar, wer hier beichtet und zu welchem Zweck: Die Schauspielerin Gerrit Kling versucht, mit dem jungen Pfarrer zu flirten. Und erzählt, passend zur "Me Too"-Debatte, warum es der Karriere nützen kann, mit dem Produzenten einer Arztserie ins Bett zu gehen. "Man darf sich keine Schwächen erlauben, sonst landet man entweder unterm Auto oder unterm Produzenten", sagt die vom Schauspielerleben leicht genervte Kling.

Kleine Sünden ist eine Fingerübung; ein paar Mal muss man wirklich schmunzeln. Auch über die altmodische Anmutung und die Vorhersehbarkeit der Dialoge. Aber sei's drum: So ein paar bekenntnishafte Minuten sind schon in Ordnung, sie verschaffen dem Zuschauer zwischen zwei Schnulzen ein wenig Frischluft. Und dem Spartensender genau die Aufmerksamkeit, die er verdient.

Kleine Sünden , Heimatkanal, 21.45 Uhr.