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Milliardenofferte:Axel Springer greift nach WAZ-Gruppe

Unmoralisches Angebot: Die Axel Springer AG bietet 1,4 Milliarden für die WAZ-Gruppe. Die Nummer eins in Deutschland bei den Zeitungen möchte also bei der Nummer zwei der große Entscheider werden - dieser Deal würde die Medienlandschaft verändern.

Eines ist zumindest sicher: Peter Heinemann, 75, ist bibelfest. "Prüfet alles und behaltet das beste", zitiert der Essener Anwalt und Sohn des ehemaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann aus dem Neuen Testament. Genaue Fundstelle ist der 1. Brief des Paulus an Timotheus.

Das Zitat wird als Reaktion auf die jüngste Mitteilung verbreitet, dass die Axel Springer AG ein Angebot für die WAZ-Gruppe unterbreitet hat - ein Deal mit großen Auswirkungen. Immerhin offeriert Springer die Kaufsumme von 1,4 Milliarden Euro. Heinemann vertritt als Testamentsvollstrecker bis 2015 die Enkel des Gründergesellschafters Erich Brost. Die besitzen immerhin 50 Prozent an der WAZ - und sind offenbar verkaufsbereit.

Das Angebot wird von Springer bestätigt, und in WAZ-Kreisen wird auch der Eingang der Offerte mitgeteilt. Damit kommt Bewegung in die deutsche Presselandschaft. Die Nummer eins in Deutschland bei den Zeitungen, Springer, könnte sich anschicken, bei der Nummer zwei, dem WAZ-Konzern, der große Entscheider werden. Zu den Geschäften des Berliner Konzerns kommen damit womöglich Aktivitäten der WAZ-Gruppe, die 1,1 Milliarden Euro erwirtschaften. Axel Springer ist bereits Europas größtes Zeitungsunternehmen, es machte 2010 mit 11 500 Mitarbeitern einen Umsatz von 2,9 Milliarden Euro.

Es geht schon länger hin und her. Vor einigen Jahren wollte sich der Essener WAZ-Konzern einmal in den Axel Springer Verlag ( Bild, Welt, Hörzu) einkaufen, sehr zum Verdruss der Zeitungsverleger aus Berlin. Das passe nicht zusammen. Nun sieht alles ganz anders aus. Springer-Chef Mathias Döpfner hat nach Angaben des Manager Magazin den Gesellschaftern im Hause der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) ein sehr detailliertes Übernahmeangebot gemacht. In einem Fünf-Seiten-Brief bietet der studierte Musikwissenschaftler viel Geld für den Konzern.

Die Attacke erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die WAZ von Querelen der Familien-Gesellschafter erschüttert wird, die Anteile gehöre zu jeweils 50 Prozent zwei Familienstämmen. Petra Grotkamp bietet dem Brost-Clan bereits 470 Millionen Euro für deren 50 Prozent der Anteile. Doch in Grotkamps eigenem Revier, der Familie Funke, wird das kritisch gesehen. Sie pochen auf eigene Rechte, Prozesse könnten sich ergeben. Das Döpfner-Angebot würde für die Brost-Familie, gerechnet auf ihren Anteil, sichere 400 Millionen bedeuten - ein unmoralisches Angebot.

Probleme mit dem Kartellamt sind zu erwarten

Grotkamp und der Funke-Klan erteilten Springer noch am Freitagabend eine Abfuhr. Man sei an einem Verkauf nicht interessiert, auch nicht an Teilverkäufen. "Daher ergeben sich keine Verhandlungsmöglichkeiten mit der Axel Springer AG", hieß es in einer Mitteilung.

Kartellrechtlich wäre ein Zusammengehen ohnehin schwierig, schließlich sind beide Konzern Schwergewichtige im Medienmarkt. Bild ist auch in Nordrhein-Westfalen, dem Stammland der WAZ, stark. Deshalb hat Döpfner offenbar vorsichtshalber Sparte für Sparte dargelegt, was da wohl an Gewinn anfalle und was er zahlen wolle.

Wenn es die WAZ nicht im Ganzen geben sollte, so die Botschaft, dann nimmt er auch Filetstücke. Besonders ist er am Österreich-Geschäft der WAZ interessiert, dort haben die Essener mit Blättern wie Krone und Kurier eine dominante Position. Auch Programmzeitschriften, Frauenjournale, die Zeitungen in Thüringen sowie die Braunschweiger Zeitung, Anzeigenblätter und Auslandsbeteiligungen gehören zum harten Kern der Offerte.

800 Millionen will Döpfner für dies alles zahlen, also für die WAZ ohne Stammgeschäft in Nordrhein-Westfalen. In seinem Brief führt er aus, dass "Zeitungen und Zeitschriften auch langfristig ... eine attraktive Zukunft haben". Bisher allerdings hat Springer vor allem in Online- und Auslandsgeschäfte investiert.