Presseschau zu den Midterms "Zurück zum Stillstand"

Anhänger der Demokraten reagieren auf einer Wahlparty in Washington auf die ersten Hochrechnungen.

(Foto: AP)

Vom "großen Tag für die Demokratie" bis hin zur "kleinen blauen Welle": Die internationale Presse reagiert nach den Zwischenwahlen gespalten.

Ziemlich ernüchtert analysiert die New York Times den Wahlausgang der Midterms. "Zwei Jahre Chaos und Hysterie münden in eine Rückkehr zur Pattsituation", heißt es. Demokraten und Republikaner fühlten sich, jede Partei auf ihre Weise, zufrieden. Aber das Land bräuchte eine regierende Mehrheit und verweile jedoch auch künftig im Stillstand.

Auch eine weitere Kommentatorin äußert sich kritisch - zum Erfolg der demokratischen Kandidatinnen bei den Midterms. Sie finde die zahlreichen Siege der Anti-Trump-Kandidatinnen zwar aufregend, sei zugleich jedoch besorgt, was bald alles von diesen verlangt würde, kommentiert Jill Filipovic. "Die Frauen sind hier, und die Erwartung wird sein, dass sie tun, was Frauen so oft tun: als Aufräumtrupp agieren."

Mit "Ein großer Tag für die Demokratie" überschreibt hingegen die Washington Post ihren Kommentar zu den Midterms. Die Übermacht der Demokraten im Repräsentantenhaus sei viel mehr als nur der Sieg einer Partei, heißt es. "Es ist ein Zeichen, dass die amerikanische Demokratie gesund ist." Was bleibt, ist die Hoffnung, dass sich sowohl Demokraten als auch Republikaner auf ihre "besseren Engel", also die vernünftigen Kandidaten, besinnen. "Dann wird es ein guter Tag für Amerika als ganzes gewesen sein."

Auch was die vielen erfolgreichen Demokratinnen betrifft, wirkt die Post zuversichtlich. "Eine Partei, die Frauen, Nicht-Weiße, Vorstädter, Städter, Menschen aus dem Mittleren Westen und aus dem Nordosten, und solche mit College-Abschluss ausgeschlossen hat und überhaupt alle außer der Bevölkerung über 65 hat düstere Aussichten für 2020."

Im britischen Guardian sind die Midterms ein klares Signal an Donald Trump. Im hintersten Winkel seines Gehirns mache sich nun ein quengelndes Gefühl breit, das an seinem übermäßigen Narzissmus nage. "Für einen Mann, der dachte, er könne Frauen an die Genitalien fassen, wird bald selbst erfahren, wie schmerzhaft ein solches Anpacken sein kann."

Trump sei zwar geschlagen, aber von der blauen Welle sei man weit entfernt, kommentiert die italienische Repubblica. Nach zwei Jahren werde Amerika nun in eine konfliktreichere Phase eintreten, in der die Opposition einen Großteil der Regierungsvorhaben blockieren kann. "Die Demokraten müssen sich entscheiden, wie sie ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus sinnvoll einsetzen wollen; für Trump beginnt hingegen umgehend die Kampagne für seine Wiederwahl."

In der französischen Le Monde wird vor allem eines thematisiert: "Nach den Midterms wirken die Vereinigten Staaten nur noch gespaltener."

Als "Ohrfeige für Präsident Trump" bezeichnet die Neue Zürcher Zeitung den Ausgang der Midterms. Aber er müsse sich nicht zu sehr schämen. Die Kontrolle der Demokraten über das Repräsentantenhaus "verstärkt die Checks and Balances zwischen dem Weissen Haus und dem Kongress." Letztlich werde die Art der Regierungszusammenarbeit aber doch von Trump abhängen. "Trotz dem Machtwechsel in der grossen Kammer des Kongresses ist er am längeren Hebel."

Auch der österreichische Standard kommentiert die "kleine blaue Welle" zurückhaltend: "Ein wirklicher Triumph sieht anders aus." Auch wenn die Demokraten das Ergebnis als ein Aufzeigen gegen Gewaltrhetorik und herabwürdigende Attitüde, als Bekenntnis gegen den egomanischen, nationalistischen Stil Trumps interpretierten. Sie sollten sich innerparteilich bald entscheiden, wohin die Reise geht und mit welchen Kandidaten. Generell empfiehlt das Blatt: "Politische Glaubwürdigkeit und unaufgeregte Ernsthaftigkeit sind hier die besten Zutaten als Gegengewicht zum Wutpräsidenten Trump und seiner Partei."

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