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"Mein Mann, ein Mörder" im ZDF:Die Supermutter

Mein Mann, ein Mörder; Veronica Ferres

Veronica Ferres als Minette im ZDF-Film "Mein Mann, ein Mörder".

(Foto: ZDF / Hendrik Heiden)

Im ZDF-Film "Mein Mann, ein Mörder" gibt Veronica Ferres einmal mehr das unerschütterliche Muttertier, während Ulrich Noethen tapfer gegen schablonenhafte Dialoge anspielt. Am Ende liebt Mama Ferres jede Bedrohung des Familienglücks einfach weg.

Natürlich betrügt der Mann die Frau und nicht umgekehrt; natürlich ist die Geliebte deutlich jünger als die Ehefrau; und natürlich weiß die schon längst Bescheid. Dass die Grundkonstellation von Mein Mann, ein Mörder den gängigen Stereotypen entspricht - geschenkt. Manchmal gerät das Leben eben zum Klischee, zumal nach 16 Jahren Ehe.

Minette (Veronica Ferres) folgt also ihrem Ehemann Paul (Ulrich Noethen) bis ans Hotel, in dem der gleich mit der Affäre Sex haben wird. Natürlich direkt vor dem Fenster. Minette steht mit Feldstecher auf dem Parkdeck gegenüber und schaut zu. Ihre kleine Rache ist ein Anruf auf Pauls Handy, mittendrin. Wer denn die Kinder abholen kann (Paul bitte), was es zum Essen gibt (Kalbsschnitzel) - der ganze Familienalltagsorganisationskram eben. Die Geliebte (Esther Zimmering als Nora) ist frustriert. Paul soll sich endlich entscheiden!

Dass die Konflikte dieser drei Menschen auf der Hand liegen, müsste die Geschichte nicht weniger interessant machen, im Gegenteil. Aber Lancelot von Naso (Regie und Drehbuch, zusammen mit Kai-Uwe Hasenheit) ist ein Beziehungsdrama allein nicht genug, der Film muss auch noch Thriller sein. Am Ende gelingt keins von beidem.

Echte Zerrissenheit wird unterbunden

Paul fährt also erst mal für ein romantisches Wochenende mit Nora nach Prag. Minette folgt ihm in den Zug und beobachtet, wie Nora ihren Mann in einem heftigen Streit erpresst. Warum auch immer, beschließt die selbstbeherrschte Minette aber, dass Paul es schon richten wird, steigt aus und fährt nach Hause. Bald kehrt auch Paul zurück, offenbart sich und schwört, dass er die Geliebte nie mehr wiedersehen wird.

Wie auch: Nora ist tot. Und Paul ihr Mörder. In Prag hat er sie aus dem Hotelfenster gestoßen. Das zumindest behauptet ein Unbekannter (Mehdi Nebbou), der sich bei Minette meldet und als Noras Freund ausgibt. Minette zweifelt an der Unschuld ihres Mannes, konfrontiert ihn aber nicht. Mit dem Tatvorwurf genauso wenig wie zuvor mit dem Seitensprung.

Damit die Thrillerhandlung aufgehen kann, unterbindet von Naso bei seinen Figuren jede echte Zerrissenheit. Supermutter Minette schrubbt zuhause das Hundepipi aus dem Teppich und hält ihrem Mann das Essen warm - und am Ende wird sie tun, was eine Frau eben tun muss, um das Familienglück zu retten. Nebenbuhlerin Nora dagegen ist von Beginn an die durchtriebene Bitch. Dem Zuschauer bleibt ein Rätsel, warum Paul sich diese Frau überhaupt antut.

Die eigentlich interessante Frage - wie ein Paar damit fertig wird, dass es sich betrogen hat - stellt der Film gar nicht erst. Für den Thriller ist das auch wurscht; der ist bis dahin mit allem, was er an billigem Nervenkitzel bietet, durch.

Ulrich Noethen spielt immerhin tapfer gegen schablonenhafte Dialoge an. In den Szenen mit der zwar eindimensional aber überzeugend abgebrühten Esther Zimmering gelingt das auch - dann muss aber gleich die aufs unerschütterliche Muttertier abonnierte Ferres die zwei (grausig inszenierten) Kinderdarsteller herzen - und alle subtile Spannung ist mit Wumms wieder weggeliebt.

Da ist es nur konsequent, dass Paul und Minette am Ende händchenhaltend ins Ehebett entschwinden; und Johnny Cash singt erlösend gute Nacht. Ja gute Nacht!, kann man da nur sagen.

Mein Mann, ein Mörder , ZDF, 20.15 Uhr