Medientage München Smart in feindlichen Umgebungen

Eröffnungsrunde mit (v.l.) Pro-Sieben-Digitalvorstand Christof Wahl, Philipp Welte, Vorstand Hubert Burda Media, Moderator Klaas Heufer-Umlauf, ARD-Vorsitzende Karola Wille und Patrick Walker, Direktor für Medienpartnerschaften bei Facebook.

(Foto: Medientage München)

Bei den Münchner Medientagen wird heftig über die Macht von Google, Facebook und Twitter diskutiert. Müssen die Konzerne Verantwortung übernehmen - und wie weit soll die gehen?

Von Karoline Meta Beisel

Man solle sich bloß nicht zu viel von der Veranstaltung erwarten, hatte Moderator Klaas Heufer-Umlauf vor Beginn der alljährlichen Elefantenrunde bei den Münchner Medientagen noch empfohlen, und wer in den vergangenen Jahren mal bei einem Medienkongress war, der weiß, dass man mit so einer Einstellung auf viele dieser Branchentreffen ganz gut vorbereitet ist.

Am Dienstagnachmittag in der Münchner Messehalle war die Bemerkung allerdings nicht als Absage an den Diskussionszirkus als solchen gemeint. Sondern als Warnung: "Wir können dieses Thema hier nicht abschließend besprechen", sagte Heufer-Umlauf.

Die Medientage finden in diesem Jahr bereits zum 31. Mal statt, und längst nicht immer drängt sich ein Thema so auf wie in diesem Jahr: Vertrauenskrise, Fake News und welche Rolle Google und Facebook in dieser Debatte spielen (im Neudeutsch der Medientage "Media.Trust.Machines") - das sind Themen, mit denen sich die Medienschaffenden dieses Landes zwar nicht erst seit dem vergangenen Jahr befassen. Aber seit dem Brexit oder der Wahl in den USA tun sie es mit mehr Nachdruck. Auch am Dienstagnachmittag wurde das Thema nicht nur in einer, sondern in gleich zwei Elefantenrunden besprochen: einer mit Medienmanagern, einer mit Journalisten.

In ihrer Eröffnungsrede stellte RTL-Chefin Anke Schäferkordt die wirtschaftliche Komponente der Debatte in den Mittelpunkt: Wie können Medienhäuser im von Google und Facebook dominierten Netz reüssieren? Die Politik sei verpflichtet, "faire Rahmenbedingungen für den Wettbewerb" mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk, besonders aber auch mit den internationalen Konzernen zu schaffen. Vor allem die sogenannte E-Privacy-Richtlinie für den Datenschutz, die auf EU-Ebene gerade erarbeitet wird, schwinge mit sehr strengen Einwilligungsvoraussetzungen "die ganz große Keule des Verbraucherschutzes". Werbefinanzierte Angebote im Netz seien dann "kaum noch möglich", so Schäferkordt, während die US-Konzerne sich an diese Regeln nicht halten müssten.

Weil Google und Facebook nicht nur die Erlöse am digitalen Werbemarkt quasi alleine abgreifen, sondern auch darüber bestimmen können, welche Inhalte überhaupt zu den Nutzern durchdringen, und alternative Fakten neben recherchierten Nachrichtenstücken präsentieren, werden sie in der nun auch auf den Medientagen geführten Debatte häufig als Gegenspieler der ehrbaren traditionellen Medienhäuser gezeichnet. In München stellten sich beide Tech-Konzerne dem Vorwurf mit eigenen Veranstaltungen und Vertretern auf Podien, auch wenn Patrick Walker, der bei Facebook für die Medienpartnerschaften in Europa zuständig ist, bei der Elefantenrunde angab, ganz froh zu sein, dass er in seiner früheren Karriere als Südostasien-Korrespondent der BBC gelernt habe, sich "in feindlichen Umgebungen" zu bewegen.

Auf die Frage von Klaas Heufer-Umlauf, was Facebook eigentlich von einem Verlag unterscheide, wenn das Unternehmen nun auch vermehrt eigene Inhalte produziert, schimpfte Patrick Walker erst: Man solle sich abgewöhnen, Begriffe des 20. Jahrhunderts für Phänomene des 21. Jahrhunderts zu benutzen. Dann sagte er, dass es eben einen Unterschied mache, ob jeder jederzeit überall auf der Welt alles hochladen könne, oder ob ein Medienhaus das entscheide. Man wolle mit Verlagen zusammenarbeiten, um neue Wege zu finden, wie die ihren Einsatz bei Facebook in Erlöse umwandeln können. Das in diesem Monat in Kraft getretene Netzwerkdurchsetzungsgesetz, das Facebook verpflichtet, Hassreden auf der Seite schneller zu entfernen, musste er noch nicht einmal selbst kritisieren: Das hatte mit Verweis auf Gefahren für die Meinungsfreiheit vor ihm schon Anke Schäferkordt getan. Und bereits am früheren Nachmittag schon der amerikanische Medienprofessor Dan Gillmor, der an der Arizona State University die Walter Cronkite School of Journalism leitet: "Wollt ihr, dass Facebook, Google und Twitter das Internet redigieren? Dann werden sie nämlich auch euch redigieren!", sagte er.

Wirklich lustig wurde es bei der Elefantenrunde nur an einer Stelle: "Haben Sie wegen ihrer Erfahrungen mit der Yellow Press eigentlich einen Wettbewerbsvorteil beim Thema alternative Fakten?" wollte Klaas Heufer-Umlauf von Burda-Medienvorstand Philipp Welte wissen - der daraufhin erst mal nicht wusste, was er sagen sollte, um dann nach längerer Pause die Replik hervorzubringen: "Sie kommen vom Fernsehen, sie kennen sich mit Journalismus nicht so gut aus." Die spontane Antwort war sportlich, aber im allerbesten Fall höchstens halb so elegant wie der bestimmt lang vorher vorbereitete Witz des Moderators. Aber Heufer-Umlauf hatte das Publikum ja gewarnt.