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Medientage: Intendant will Kooperationen:"Fernsehen und Netz auf einem Schirm"

Beim Stichwort Zukunft, das er, der bald aufhört, sehr schnell einführt, bildet er einen der Sätze, die für ihn so typisch sind: "Die Zukunft", sagt er, beginne erneut, diesmal "mit noch schnelleren Umdrehungen, denn die digitale Welt bewegt sich auf das Hybrid-Model zu, Fernsehen und Netz auf einem Schirm mit einer Fernbedienung - auch im Wohnzimmer: Das ist das neue Paradigma".

Er muss bei solchen Sätzen kaum Luft holen, deshalb klingen sie zum Ende leise und gepresst, was ihre Bedeutung zu unterstreichen scheint.

Schächter hat, als er Intendant wurde, nach acht Tagen eine Zielvorstellung formuliert. Um sie auch später immer wieder zu erklären, legte er sich einen Wortschatz zu, der "Fernsehen" durch "Konvergenz der Medien" ersetzte. Häufig war das, was er erklärte, sehr abstrakt, falsch war es nicht. Die Zielvorstellung lautete übrigens: "Den Eintritt in die digitale Welt organisieren". Und genau das hat Schächter getan.

Die Klarheit, mit der er - der sich ja überwiegend mit den Inhalten des Fernsehens beschäftigt hatte - von Anfang an die Technik als den Treiber rundfunkrechtlicher und struktureller Veränderungen identifizierte, ist erstaunlich. Bei allem, was für das öffentlich-rechtliche System im vergangenen Jahrzehnt von Bedeutung gewesen ist, war Schächter aktiv an den Lösungen beteiligt. Er war in Brüssel, als die EU den dualen deutsche Rundfunk überprüfte. Er war in Karlsruhe, als die Verfassungsrichter entscheiden mussten, ob der alleinige politische Wille, die Gebühren zu deckeln, im Einklang mit dem Grundgesetz steht, was nicht der Fall ist.

Begonnen hatte Schächter beim Fernsehen als Kulturredakteur bei der ARD, im Südwestfunk. 1981 kam er zum ZDF. Dort beschäftigte er sich überwiegend mit der Planung des Programms, 1998 wurde er Programmdirektor. Als Visionär neuer Medien war er bis zu seiner Intendantenwahl nicht aufgefallen, als Experte für die Digitalisierung auch nicht. Doch als die Öffentlich-Rechtlichen bald nach seinem Amtsantritt um den Zugang zum Internet kämpften gegen die Meinungsmacht privater Medienunternehmer, erfand er die griffige Formel: "Wer nicht ins Netz geht, geht ins Museum." Das ZDF war umgehend mit einer guten und vor allem funktionierenden Mediathek im Netz.