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Mediennutzung:Kritische Jugend

Jugendlicher mit Smartphone

Der Blick ins Smartphone: Für Erwachsene ein Stück Freiheit, für Kinder nicht selten traumatisch.

(Foto: Tobias Hase/dpa)

Eine Studie zeigt, wie sehr sich die Mediennutzung junger Menschen von der älterer unterscheidet - und was das für das Vertrauen in die Infos heißt.

Kinder sind die Zukunft. Diese Weisheit könnte man abwandeln zu: Junge Leute sind die Zukunft des Journalismus. Denn was die nächste Generation der Mediennutzer so liest, hört, schaut, abonniert, klickt, runterlädt oder streamt, entscheidet über die Zukunft von Zeitungen, Magazinen, Radioprogrammen, TV-Kanälen oder Onlinediensten. Die klassischen Medien verlieren Leser, Abonnenten, Hörer, Zuschauer. Teils weil diese zu einer aussterbenden Art gehören, teils weil sie die Nachrichten, für die sie sich interessieren, lieber aus dem Internet beziehen, und dort vor allem aus sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter. Entscheidend ist daher, wie sich klassische Medien künftig aufstellen, wie sie Nachrichten, Reportagen, Kommentare präsentieren und vermarkten, um Nutzer zu erreichen oder gar zu gewinnen.

Eine Studie des amerikanischen Forschungsinstituts Pew Research Center bestätigt nun eine Entwicklung, die sich schon länger abzeichnet: Demnach stehen junge Leute, das heißt 18- bis 29-Jährige, in Westeuropa Nachrichtenmedien skeptisch bis kritisch gegenüber und beziehen Nachrichten verstärkt aus dem Netz. Dennoch stimmen sie mit Älteren, nämlich Personen über 50 Jahren, darin überein, dass Nachrichtenmedien gesellschaftlich grundsätzlich wichtig sind.

Pew Research hat zwischen Oktober und Dezember 2017 gut 16 000 Erwachsene in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien, Dänemark, Schweden und den Niederlanden nach ihrer Mediennutzung befragt. So wie es aussieht, müssen sich klassische Medien gehörig anstrengen, wenn sie beim Nachwuchs punkten wollen. In fünf der acht Länder vertrauen ihnen nur 54 Prozent der Jungen (68 Prozent der Älteren), lautet ein Ergebnis; außerdem finden sie, dass Medien ihre Arbeit nicht gut machen, etwa was die Berichterstattung zu Einwanderung, Kriminalität oder die Wirtschaft betrifft. Jüngere beziehen Nachrichten doppelt so häufig aus dem Internet als vom klassischen Fernsehen. Für die Älteren dagegen ist das TV die meistgenutzte Quelle. Ebenso werden soziale Medien doppelt so häufig von Jüngeren genutzt als von Älteren. Am stärksten sei das in Italien und Dänemark der Fall, wo sich drei Viertel der jungen Erwachsenen täglich via Facebook, Whatsapp oder Twitter informieren.

Außerdem lesen in allen Ländern junge Leute Printmedien sehr viel seltener als die Generation ihrer Eltern, in Deutschland etwa sind es 16 Prozent im Vergleich zu 60 Prozent. Doch obwohl Printmedien bei ihnen weniger verbreitet sind, nennen die Jüngeren führende Zeitungen und Magazine durchaus als Informationsquelle. Diesen relativ hohen Bekanntheitsgrad traditioneller Medien führen die Macher der Studie darauf zurück, dass Jüngere einzelne Artikel gezielt über die Webseiten der Zeitungen konsumieren oder über deren Auftritte in sozialen Medien.

So gab ein Fünftel der jungen Franzosen die überregionale Tageszeitung Le Monde als Bezugsquelle an, jedoch taten das lediglich zwei Prozent der Franzosen jenseits der 50.

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