Medienmogul Rupert Murdoch und die Politik Der Pate

Eine Enthüllung wirft neue Fragen über die Beziehung zwischen Großbritanniens Ex-Premier Tony Blair und dem unter Beschuss stehenden Medienmogul Rupert Murdoch auf: Blair soll nicht nur auf politischer Ebene mit Murdoch verbandelt gewesen sein, sondern auch in dessen Familie eine besonders vertrauensvolle Position einnehmen. Die Information stammt von einer, die es wissen muss.

Normalerweise ist das Modemagazins Vogue eher für exklusive Modestrecken denn für politische Berichterstattung bekannt. Doch nun wirft eine Enthüllung des Blattes ein neues Licht auf die Beziehung zwischen Großbritanniens früherem Premierminister Tony Blair und Medienmogul Rupert Murdoch: Blair, dem ohnehin eine zu enge politische Beziehung zu Murdoch nachgesagt wird, soll Taufpate von Murdochs neunjähriger Tochter Grace sein.

Tony Blair ist nicht nur der frühere Premierminister Großbritanniens, sondern soll auch Taufpate von Rupert Murdochs Tochter sein - eine Vertrauensposition, die viele Fragen aufwirft.

(Foto: REUTERS)

Erfahren hat die britische Ausgabe des Hochglanzmagazins das von einer, die es wissen muss: Murdochs dritte Ehefrau Wendi berichtet in einem ihrer seltenen Interviews, das in der Vogue-Oktoberausgabe erscheint, von der Taufe ihrer beiden Töchter Chloe und Grace im März 2010 in Jordanien, bei der auch Blair als Pate anwesend gewesen sein soll. Wendi Murdoch nennt in dem Gespräch den früheren Vorsitzenden der sozialdemokratischen Labour-Partei einen der "engsten Freunden" ihres Mannes.

Diskret im Hintergrund

Die Taufe der Mädchen fand am Fluss Jordan statt - dem Ort, an dem auch Jesus Christus von Johannes dem Täufer getauft worden sein soll. Die Murdoch-Familienfeier wurde hinterher in der Illustrierten Hello! dokumentiert; auf den Fotos sind nicht nur Königin Rania von Jordanien als Gast, sondern auch die Hollywood-Stars Nicole Kidman und Hugh Jackman zu bestaunen. Letztere wurden offiziell als Paten der beiden Kinder bekanntgegeben.

Der dritte Pate, Tony Blair, hielt sich offenbar wohlweislich von den Kameras der Hello!-Reporter fern und blieb diskret im Hintergrund. Ein Sprecher von Blair äußerte sich zu dem Vogue-Bericht zunächst nicht.

Der australische Medienmogul Murdoch steht seit dem Abhörskandal um die inzwischen eingestellte britische Boulevardzeitung News of the World unter schwerem Beschuss: Journalisten sollen nicht nur Prominente abgehört und Polizisten bestochen, sondern auch Handy-Mailboxen der Angehörigen von getöteten Soldaten sowie eines entführten Mädchens geknackt haben. Über den Zweig News International seines Medienimperiums News Corp. ist Murdoch auch mit dem Massenblatt The Sun und mit der Times auf dem britischen Medienmarkt präsent.

Der Skandal hatte auch die britische Regierung unter Druck gesetzt, insbesondere weil Premierminister David Cameron den früheren Chefredakteur von News of the World, Andy Coulson, als Pressechef eingestellt hatte. Gleichzeitig gehörten aber auch Politiker selbst zu den Opfern der Murdoch-Journalisten. So soll der frühere Premier Gordon Brown, Tony Blairs Nachfolger, ebenfalls abgehört worden sein. Er zeigte sich "schockiert" von den Methoden der Murdoch-Blätter, nachdem die Polizei ihn im Juli informiert hatte, dass auch er ausspioniert wurde.

Tony Blair, der von 1997 bis 2007 Premier war, war wegen seiner Nähe zu Murdoch ebenfalls immer wieder in die Kritik geraten. Blair wird vorgeworfen, in seiner Amtszeit eine enge Verbindung zu Murdoch gepflegt und sogar wichtige politische Entscheidungen mit ihm abgesprochen zu haben.

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