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Doku über Journalismus:Auf geht's

Medienmacher von morgen - Eine Deutschlandreise ins Digitale

Die Berliner Start-up-Gründer Felix Friedrich und Dario Nassal von der News-App 'The Buzzard' träumen von der Medienrevolution durch Technologie.

(Foto: WDR/Eco Media/Stephan Weichert/ZDF)

Eine Doku auf 3sat über junge Medienmacher zeigt, dass im Journalismus gerade viel geht. Eigentlich.

Von Aurelie von Blazekovic

Der Journalismus muss sich neu erfinden, mindestens. Die Branche ist in der Dauerkrise, Corona beschleunigt die ohnehin bestehenden Sparzwänge, alte Finanzierungsmodelle funktionieren nicht mehr, und neue auch noch nicht so richtig. Es ist das alte Klagelied der Medienbranche, vor dessen Hintergrund sich der Film Medienmacher von morgen. Eine Deutschlandreise ins Digitale auf die Suche nach Lösungen macht. Kann sein, dass Journalismus in Zukunft sehr anders aussehen wird, hört man da von den interviewten Medienleuten, kann auch sein, dass er abgeschafft wird.

Die Dokumentation hält sich aber nicht weiter mit düsteren Zukunftsprognosen auf, sondern stellt frische Ideen vor, abseits der großen Medienhäuser, auch abseits der Mediengroßstädte Berlin, Hamburg, München, Köln. In Rheinhessen ist da zum Beispiel der Journalist Mirko Drotschmann, alias MrWissen2Go, einer der deutschen Youtuber, die mit ihren selbsterdachten und produzierten Inhalten schon früh das Youtube-Prädikat "wertvoll" verdient hätten, wenn es das geben würde. Seit 2012 macht Drotschmann Videos über Geschichte und Politik. Vor der Bundestagswahl 2017 durften er und eine Reihe anderer Youtuber die Kanzlerin live interviewen. In der Doku ist er nun am Set eines Drehs für Terra X zu sehen, für die er eine Geschichtsreihe moderiert. Er sei ein ideales Gesicht für die ZDF-Sendung, findet die anwesende Regisseurin, denn Drotschmann werde von 12-Jährigen und von Großmüttern gemocht.

Zwei Wissenschaftsjournalisten fischen Mikroplastik aus lokalen Gewässern

Dann sind da die Wissenschaftsjournalisten Astrid Csuraji und Jakob Vicari in Lüneburg, die mit einer an einem Tretboot befestigten Baby-Strumpfhose Mikroplastik aus den lokalen Gewässern fischen. Die beiden nennen ihr Start-up tactile.news ein "Innovationslabor für neuen Journalismus", dafür touren die beiden durch Lokalredaktionen. Und dann geht es, wie sonst bei so viel Innovation, doch noch nach Berlin-Kreuzberg, zu den Machern der App The Buzzard, die Medienbeiträge des ganzen politischen Meinungsspektrums kuratieren will. Nach einem erfolgreichen Crowdfunding bewerben die Gründer ihre App an Schulen und träumen von der Medienrevolution durch Technologie.

Der Film von Stephan Weichert, selbst Medien- und Kommunikationsforscher, führt gut vor, was im Journalismus gerade alles geht (viel) und was sich davon gut finanzieren lässt (wenig). Es ist ein Grund, warum MrWissen2Go mit seinen Beiträgen nicht mehr nur auf Youtube präsent ist, sondern auch für die Öffentlich-Rechtlichen moderiert. Die Gründer von The Buzzard lebten lange unter dem Existenzminimum, erzählen sie, andere können sich nur durch einen mitverdienenden Partner in den unabhängigen digitalen Journalismus wagen. Der Wind des Aufbruchs weht dennoch durch Weicherts Kurzporträts im deutschen Digitaljournalismus. Denn natürlich ging es im Journalismus schon immer um mehr als schnödes Geldverdienen.

Medienmacher von morgen. Eine Deutschlandreise ins Digitale. 3sat, 2. März, 23 Uhr.

© SZ/hy
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