Medien in Israel "Schlimme Fehler"

Ari Shavit, Kolumnist der Tageszeitung "Haaretz", TV-Kommentator und einer der einflussreichsten Journalisten des Landes, muss seine Laufbahn beenden. Eine amerikanische Kollegin wirft ihm sexuelle Übergriffe vor.

Von Peter Münch

Am Ende steht ein sehr zerknirschter Satz: "Ich schäme mich für schlimme Fehler, die ich in meinem Verhalten Menschen gegenüber gemacht habe, besonders gegenüber Frauen." Ari Shavit, einer der bekanntesten und einflussreichsten Journalisten Israels, hat diesen Satz geschrieben, und es wird wohl bis auf Weiteres das Letzte gewesen sein, was öffentlich von ihm zu hören war. Denn Shavit hat nun nach Vorwürfen sexueller Belästigung und einem kurzen, aber heftigen Mediensturm alle seine journalistischen Posten niedergelegt.

Seit langer Zeit schon ist der 58-jährige in Israel eine Instanz, auch eine moralische. Als Kolumnist der Tageszeitung Haaretz und Kommentator beim Fernsehsender Kanal 10 hat er immer wieder der rechten Regierung die Leviten gelesen. Gefeiert wurde er auch international für sein monumentales Israel-Werk Mein gelobtes Land, das in den USA zum Bestseller avancierte und 2015 auch in Deutschland erschien. Zuletzt hatte er sich besonders auf Donald Trump eingeschossen - und plötzlich sitzt er mit ihm in einem Boot.

Aufgekommen ist die ganze Affäre nämlich wegen eines Artikels, den die amerikanische Journalistin Danielle Berrin vom Jewish Journal im Nachgang zu den Trump-Geschichten über sexuelle Übergriffe schrieb. Darin schildert sie, wie sie selbst von einem "prominenten israelischen Autor" vor zwei Jahren verbal und körperlich heftig bedrängt worden war. Den Namen nannte sie nicht, aber die Beschreibung reichte aus, um Ari Shavit zu einem ersten Eingeständnis zu bewegen. Er bekannte sich, entschuldigte sich öffentlich "aus tiefstem Herzen" und sprach von einem "Missverständnis", weil er das Zusammentreffen als "freundliche Unterhaltung mit Flirt-Momenten" eingeschätzt habe.

Besser hat er es damit nicht gemacht. Denn Danielle Berrin fühlte sich gleich noch einmal gedemütigt und erklärte, dies sei "kein Flirt, sondern ein Angriff auf meine Würde" gewesen. Zudem meldete sich noch eine weitere Frau, die über die amerikanisch-jüdischen Zeitung Forward von ähnlichen Erlebnissen mit Shavit berichtet. Als schließlich die ersten Veranstalter begannen, ihn bei geplanten öffentlichen Auftritten auszuladen, zog er die Notbremse und entschloss sich zum kompletten Rückzug.

"Ich übernehme die volle moralische Verantwortung für meine Taten und beende meine Arbeit für Haaretz und Kanal 10", heißt es in seiner zu Wochenbeginn veröffentlichten Erklärung. Er wolle nun Zeit mit seiner Frau und den Kindern verbringen, und vor allem werde er in sich gehen. "Ich werde alles tun", kündigt er an, "damit ich mich nie wieder wegen meiner Handlungen schämen muss."