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"Me too"-Debatte:Betroffene sexueller Belästigung werden von ihrem Arbeitsumfeld im Stich gelassen

Bei so viel Weitsicht in der eigenen Serie verwundert es, dass Dunham kürzlich selbst unüberlegt handelte. Als einer ihrer Drehbuchautoren, Murray Miller, wegen sexueller Nötigung angezeigt wurde, ergriff sie Partei für ihn, ohne die Ermittlungen abzuwarten, und sprach von einer Falschverdächtigung. Als daraufhin ein Shitstorm ausbrach, entschuldigte sie sich für ihre vorschnelle Äußerung.

In Master of None wird deutlich, wie sehr Betroffene sexueller Belästigung von ihrem Arbeitsumfeld im Stich gelassen werden. Der von Aziz Ansari gespielte Dev, der Co-Moderator einer Kochsendung ist, fragt eine ehemalige Maskenbildnerin, warum sie so plötzlich gekündigt hat. Er hat den Verdacht, dass sie vom Hauptmoderator sexuell bedrängt wurde. Tatsächlich erzählt sie ihm, dass dieser sie in einer Tour anbaggerte und ihre Bitten aufzuhören einfach ignorierte. Als sie sich am Set Hilfe suchte, wurde der Belästiger ermahnt; als er danach wieder anfing, sagte man ihr, er flirte halt gern.

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Auch in One Mississippi wird eindrücklich dargestellt, wie aussichtslos es für viele Betroffene erscheint, zu ihrem Recht zu gelangen. Dort hat Produzentin Kate zwar die Radiomoderatorin Tig (Tig Notaro) sofort an ihrer Seite. Trotzdem erlebt auch sie die üblichen Reaktionen. Der Produzent streitet alles ab, sein Vorgesetzter kann sich nicht vorstellen, dass er zu so etwas fähig ist, und anstatt ihn sofort zu suspendieren, will er abwarten, was die Prüfungen des Personalrats ergeben. Sie entscheidet sich gegen die Polizei, weil sie glaubt, dort ausgelacht zu werden.

Tig Notaro und Aziz Ansari standen jahrelang in engem Kontakt mit Louis C.K. Der Komiker war Notaros Förderer und ist Executive Producer von One Mississippi. Ansari teilte sich mit C.K. bis zu dessen Schuldeingeständnis denselben Manager. Doch anders als Ansari distanzierte sich Notaro öffentlich von C.K. Sie verlangte schon eine Stellungnahme zu den Belästigungsvorwürfen, als sie noch Gerüchte waren. Ansari hingegen hält sich bis heute bedeckt.

Wie sehr die Unterhaltungsbranche gerade nach persönlichen Leidensgeschichten von weiblichen Comedians lechzt, parodiert Maria Bamford in der zweiten Staffel von Lady Dynamite. Darin wird der Hauptfigur Maria von ihrer Agentin angeboten, eine Serie über ihre Erfahrungen als Komikerin in Hollywood zu machen. Doch Maria hat eine schreckliche Vision: Mit ihrem Ansinnen, eine Vorkämpferin für Frauenrechte zu sein, hat sie sich zu einer Marionette der Streamingplattform gemacht, die ihrem progressiven Anstrich zum Trotz nach den alten sexistischen Mechanismen funktioniert. Um die Zuschauerzahlen nach oben zu treiben, soll Maria sich für ihre Rolle die Brüste vergrößern lassen.

Die reale Unterhaltungsbranche wird durch die "Me Too"-Debatte eines Tages hoffentlich anders funktionieren.

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