Udo Foht vor dem Landgericht LeipzigEin Geständnis mit Kritik

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Als MDR-Unterhaltungschef galt Udo Foht einst als der Mann, der zahlreiche Schlagershows erschuf und Florian Silbereisen "entdeckte". Jetzt steht er in Leipzig vor Gericht.
Als MDR-Unterhaltungschef galt Udo Foht einst als der Mann, der zahlreiche Schlagershows erschuf und Florian Silbereisen "entdeckte". Jetzt steht er in Leipzig vor Gericht. Jan Woitas/dpa

Im Betrugsprozess gegen ihn wirkt der ehemalige MDR-Unterhaltungschef Udo Foht angeschlagen. Er will sich entschuldigen - aber nicht beim MDR. Sein Anwalt verliest seine Einlassung.

Von Anna Ernst, Leipzig

Udo Foht will sprechen. Aber der kleine Mann mit den weißen, zum Zopf gebundenen Haaren fühlt sich zu schwach. Es ist sein Verteidiger, der am Freitagmorgen im größten Saal des Landgerichts Leipzig das Geständnis seines Mandanten verliest. Elf Jahre lang hatte Foht geschwiegen. Im Sommer 2011 war ans Licht gekommen, dass der damalige Unterhaltungschef des MDR sich von mehreren Firmen, aber auch von Privatpersonen größere Geldbeträge für Shows und Fernsehproduktionen erbettelt hatte. Wissend, dass er das Geld nicht würde zurückzahlen können.

Nach jahrelangen Ermittlungen und einer Verschiebung wegen Krankheit hatte in der vergangenen Woche der Prozess gegen den 71-Jährigen begonnen. In der 64 Seiten langen Anklageschrift geht es in mehreren Fällen um Betrug, Untreue, Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung. Die Staatsanwaltschaft hatte aber eine Verständigung vorgeschlagen: Weil sich viele Anklagepunkte auf lange zurückliegende Ereignisse beziehen, weil die Beweisführung schwierig und langwierig wäre und weil Foht schon so lange auf diesen Prozess warten musste, wird das Verfahren in Teilen eingestellt. Im Gegenzug soll Foht in den anderen Anklagepunkten ein ausführliches Geständnis ablegen. Und das liest sein Verteidiger, Lawrence Desnizza, nun eine gute Viertelstunde lang vor. Es ist persönlich, gefühlig - und zeichnet das Bild eines alten Mannes, der doch eigentlich sein ganzes Leben nur habe gute Fernsehunterhaltung produzieren wollen.

Er habe stets seine Vorstellung von Unterhaltung verwirklichen wollen, sei nicht auf Karriere aus gewesen, meint Foht

"Meine verbleibende Lebenszeit ist überschaubar geworden", schreibt Foht. Er habe nun ein "dringendes Bedürfnis", sich zu erklären. Seine Lebensgrundlage sei ihm damals genommen worden durch die Berichterstattung in den Medien. Er habe keine richtige Arbeit mehr bekommen, weder im Inland, noch im Ausland. Eine Vorverurteilung durch die Öffentlichkeit habe sein Lebenswerk zerstört. Er sei nicht auf Karriere aus gewesen, stets habe er seine Vorstellung von Unterhaltung verwirklichen wollen. Dazu gehörte auch das Format Wir sind überall, das der ehemalige Riverboat-Moderator Carsten Weidling mit seiner Unterstützung entwickelt habe. Weidling wollte als freischaffender Reporter für die Doku-Reihe um die Welt reisen und ostdeutsche Auswanderer in fernen Ländern besuchen. Ein kostspieliges Projekt. Viele der Anklagepunkt, die Foht nun gesteht, beziehen sich darauf.

Foht erklärt, er habe sich intensiv darum bemüht, dass der MDR einen Entwicklungsfonds aufsetzt. Einen Topf also, in dem es vorab Geld für Produktionsausgaben gegeben hätte - damit der MDR nicht erst nach Fertigstellung der Sendung bezahlt. So etwas aber habe es bis zu seinem Ausscheiden nie gegeben. Stattdessen, so kritisiert der Angeklagte, sei es dem öffentlich-rechtlichen Sender nur "um die Fortsetzung des hinlänglich Bekannten" gegangen. Und darum, wie viele Sendungen bereits erfolgreicher Formate künftig weniger produziert würden, um Einsparvorgaben einzuhalten.

Foht gibt zu, dass er sich in mehreren Fällen bis zu fünfstellige Darlehen hat geben lassen. Damit habe er Sendungen vorfinanzieren wollen. Einmal sei es auch um einen Auftritt von Gloria Gaynor beim Publikumspreis "Goldene Henne" gegangen. Dabei habe er seine Kompetenzen überschritten, "ein großer Fehler (...) wie alles andere auch". In zwei Fällen könne er sich nicht mehr erinnern, was eigentlich der genaue Anlass des Darlehens war.

Zu Fohts Geldgebern gehörten etwa der ehemalige Musikmanager und Fernsehproduzent Werner Kimmig, Schlagersänger und Moderator Florian Silbereisen, sowie dessen Manager Michael Jürgens. Bewusst habe er riskiert, dass er ihnen das Geld nicht rechtzeitig zurückzahlen konnte, sagt Foht. Um die Löcher zu stopfen, hatte sich der Fernsehmanager bis zu seiner Entlassung im Jahr 2011 in ein Gewirr aus Darlehen verstrickt, das immer größer wurde.

Für eine persönliche Entschuldigung ergreift Foht dann selbst das Wort

Warum aber gaben ihm Manager und Produzenten Geld? Gab es etwa Sendezeit oder andere Vorteile im Gegenzug? In Fohts Geständnis heißt es dazu, die "Darlehensgeber hatten keine Vorteile", nur "Schäden". Dafür möchte er um Entschuldigung bitten. Er sei von seiner Arbeit besessen gewesen. "Ich verstehe mich heute selbst nicht mehr."

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Auch ein ehemaliger Mitarbeiter des MDR lieh Foht aus der eigenen Tasche Geld. Der 84-Jährige ist der erste Zeuge, der vor Gericht auftritt. 5000 Euro habe er Foht vor vielen Jahren gegeben, sagt er aus. Ein Kollege, der auch beim MDR arbeitete und Foht kannte, habe ihm später gesagt: "Das kriegst du nie wieder."

Bei diesem Zeugen will sich Foht persönlich entschuldigen. Es ist seine erste längere Wortmeldung in diesem Prozess. Dieser Fall tue ihm besonders Leid, sagt er. "Das andere, das waren ja Firmen..." In diesem Fall aber betrog er einen Kollegen, der kurz vor dem Ruhestand war, um eine größere Summe. "Es tut mir in Nachhinein Leid und ich bitte dich um Entschuldigung dafür", sagt Foht mit leiser Stimme durch seine FFP-2-Maske.

An seinen ehemaligen Sender formuliert Foht allerdings keine Entschuldigung. "Dem Mitteldeutschen Rundfunk ist hoffentlich kein Schaden entstanden", heißt es in dem vom Anwalt verlesenen Geständnis. Im weniger als drei Kilometer entfernten Leipziger MDR-Gebäude wird das anders gesehen. Foht habe gegen Dienstanweisungen verstoßen und dem Sender finanziell geschadet, bestätigte eine MDR-Sprecherin der SZ vor Prozessbeginn. Vor allem aber litt das Ansehen des Senders.

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