MDR-Intendant Reiter Mitarbeiter vom DDR-Staatsfernsehen

In guten wie in schlechten Zeiten also: Die gemeinsame Story begann vor ziemlich genau 20 Jahren. Einstmals ein "geachtetes Mitglied der Münchner Bussi-Gesellschaft", wie sich Reiter selbst charakterisierte, hatte er im Frühsommer 1991 einen Anruf des damaligen sächsischen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf bekommen: Ob er nicht eine TV- und Hörfunkanstalt in Mitteldeutschland aufbauen wolle. Reiter, damals Hörfunk-Direktor des Bayerischen Rundfunks, zögerte keinen Augenblick: "Ich hab' so etwas Söldnerisches in mir", erklärte er später sein spontanes Engagement. Als er im Juli 1991 seinen Arbeitsvertrag unterschrieb, war er der einzige Mitarbeiter jener Sendeanstalt, die am 30. Mai 1991 per Staatsvertrag zwischen den Ländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ins Leben gerufen wurde. Zunächst verpflichtete Reiter ein paar ihm bekannte Fernsehleute aus Westdeutschland, doch ihm war schnell klar, "dass wir hier nicht die Besatzer geben durften".

Anfangs gab es nicht mal ordentliche Räumlichkeiten. Funkhäuser sollten gebaut werden, doch zur Verfügung standen insgesamt nur rund 560 Millionen Mark. Reiter legte das Geld an der Börse an und ließ die Gebäude auf Leasing-Basis errichten. Noch heute ist der Intendant stolz auf die Spekulationen, die dem MDR rund 580 Millionen Mark einbrachten. Als bei Anlagegeschäften mit Argentinien und Ecuador dann allerdings rund 3,6 Millionen Euro verloren gingen, wurde dies nicht nur vom Rechnungshof scharf kritisiert.

Immer wieder Ärger gab es auch mit ehemaligen Stasi-Zuträgern im MDR. Viele Mitarbeiter waren vom DDR-Fernsehen übernommen worden, ihre Vergangenheit wurde zuweilen wohl nur lückenhaft durchleuchtet. Reiter sagt heute: "Das Problem habe ich anfangs unterschätzt." Indes hatte er für das Programm, das die Ostdeutschen mochten, ein Gespür. Zwar wurden Nachrichtensendungen und Politikprogramme gründlich umgekrempelt, bei der Unterhaltung aber lehnten sich die MDR-Macher an bewährte DDR-Programme wie Ein Kessel Buntes an. So entstanden Shows, die vor Westpublikum vermutlich gähnende Langeweile erzeugt hätten: mit viel Herz, Schmerz und alten Ost-Stars; dazu kamen Ratgeber-Sendungen - eine Art Super Illu in Fernsehformat.

Damit führt der MDR seit 14 Jahren nach Marktanteilen die dritten Programme an. "Bei aller Bescheidenheit", sagt Reiter, "ich denke, wir können uns sehen lassen". Umso schmerzlicher traf ihn der Kika-Skandal. Reiter hatte das Kinderprogramm Mitte der 90er Jahre maßgeblich mit aufgebaut und dafür gekämpft, dass es in Erfurt angesiedelt wurde.

Wer Udo Reiter nachfolgen soll, ist völlig unklar. Er selbst will sich nicht in die Personaldebatte einmischen. Allerdings hätte er "einen Ratschlag", sagt er - verrät aber nicht, welchen. Er will immer noch gefragt werden.